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Wirtschaft in Sachsen Winter 2020

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Wirtschaftsminister Peter Altmeier dagegen war etwas zurückhaltender, befand sich dafür aber imWettstreit mit Karl Lauterbach um den Titel „Häufigster Dauergast in Polittalkshows“, wobei erauf grazilen Höckerchen, wie bei hartaberfair, versuchte, das Gleichgewicht zu halten. Nahezu ganz und gar nicht im Gleichgewicht aber schien und scheint die Wirtschaft an sich zu sein. Gerade auch Sachsens Wirtschaft hatte und hat es schwer. Im ersten Lockdown das Herunterfahren der Bänder inAutoindustrie und Maschinenbau. Zwischendrin die Dauerdebatte um die Stilllegung der Kohlekraftwerke und jetzt erwischt eswieder die gesamte Tourismusbranche und vor allem das Weihnachtsland. Im Erzgebirge bleibt man auf Räuchermännchen, Engeln, Sternen und Schwibbögen sitzen. Weihnachtsmärkte geschlossen, Brauereien kurz vorm Bankrott und die Pulsnitzer Pfefferkuchen finden auch nicht mehr Hatfür unsmal kurz durchgerechnet:der KabarettistErik Lehmann. Foto:Robert Jentzsch zumKunden undbleiben da, wo derPfeffer wächst. Doch wie soll man dieses Dilemma lösen? Werhat die richtige Antwort? Mich würde es nicht wundern, wenn die Lösung letztendlich aus Sachsen kommt, sind wir doch das Bundesland mit den genialen Erfindungen und Verkaufsschlagern: Porzellan, Tageszeitung, Trommelwaschmaschine, FCKWfreier Kühlschrank, Thermoskanne, Armbanduhr, Feinwaschmittel, BH, Zahncreme, Mundwasser, Teebeutel, Filterpapier, Holzschleifpapier, Bierdeckel und Aktendulli - alles in Sachsen erfunden. Doch jetzt müssen wir erst mal wieder durch den Lockdown. Und vor allem wir Künstler, also alle aus der Kreativwirtschaft, haben erneut die A...karte gezogen. Zwar berichten Fernsehen, Radio und Internet fleißig, wie die Minister Altmeier und Scholz jede Woche mit einem neuen Finanzpaketfür Künstlerund Soloselbständige um die Ecke kommen, aber was auf Pressekonferenzen verkündet wird und amEnde tatsächlich passiert, das sind dann doch zwei Paar Schuhe. Und das soll keine billige Politikerschelte werden. Aber ein Plädoyer gegen Schnellschüsse. Diese gehen nämlich meistens nach hintenlos. Undwenn sie dann auch noch aus einer Bazooka kommen, will man sich nicht wirklich hinter den Finanzminister stellen. Aber machen wir`s mal konkret: Die Soforthilfe für Soloselbständige imFrühjahr: 9.000 Euro für drei Monate. Nagut, die9.000 Eurogab’s halt nurfür laufende Betriebskosten. Okay, was hat so ein selbstständiger Künstler an Betriebskosten? Wenn`s hochkommt, neBahncard 50, 2. Klasse. Das sind Kosten von 224,70 Euro jährlich, macht auf 3 Monate gerechnet 56,18 Euro. Damerkt man ganz schnell, dasind die 9.000 Euro ruckzuck ausgeschöpft. Die 56,18 Euro sind übrigens brutto. Die Soforthilfe muss natürlich nächstes Jahr noch versteuert werden. Was wiederum logisch ist, denn irgendwie sollten sich die Künstler an ihrer eigenen Rettung schon auch beteiligen. Dann gab`s die Überbrückungshilfe im Sommer, wieder für drei Monate. Bis zu 80 Prozent der Fixkosten. Also von den 56,18 Euro gab’s dieses Mal ganze 44,94 Euro. Aber da die Überbrückungshilfe nur von einem Steuerberater beantragt werden konnte, machte das Extrakosten von 500 Euro. Diese natürlich zu 80% erstattet -aber nur, wenn der Umsatzrückgang im April und Mai imVergleich zum Vorjahr beimehr als 60 Prozent lag,denn das war die Voraussetzung für den Zugang zur Überbrückungshilfe - blieben 100 Euro Extrakosten, abzüglich der 44,94 Euro für die Bahncard-Erstattung, kommt man auf minus 55Euro und 6 Cent.Toll, oder?Ach so, undweilsichder Monat Juni mit der ersten Soforthilfe überschnitten hatte,wurde dieser mit anteilig 18,73 Euro noch abgezogen: Endergebnis: minus 73,79 Euro Überbrückungshilfe. Und jetzt denken Sie bestimmt: Na, dahätte man sich die Beantragung aber auch sparen können. Na, gucken wir mal, ob das die Soloselbstständigen gemacht haben? Faktencheck: Achtung –offizielle Zahlen vom Finanzministerium: erstes Hilfspaket, Gesamtvolumen 50 Mrd. Euro –davon zur Auszahlung bewilligt: 13,5 Mrd. Zweites Hilfspaket: 25 Mrd. Euro -abgerufen: 1,5 Mrd. Das sind ganze 6Prozent .Das ist keine Bazooka, Herr Scholz, das ist ein verunglückter Streifschuss aus einer Schrotflinte. Aber jetzt kommt ja die Neustarthilfe. Neustarthilfe, wie toll das klingt! Ein bisschen wie Begrüßungsgeld. Haben Sie’s gehört, die Neustarthilfe, das sind pauschal einmalig 5.000 Euro. Und das für jeden faulen, arbeitsscheuen Künstler. Okay, genauer gesagt: „bis zu“ 5.000 Euro... im Zeitraum von Dezember bis Juni. Eigentlich sollen Künstler indiesem Zeitraum maximal 25Prozent ihres durchschnittlichen Monatsverdienstes vom vergangenen Jahr bekommen, welches sie, wennsie doch irgendwie nebenbei noch ein bisschen was dazuverdienen, wieder zurückzahlen müssen. Ganz ehrlich, als Entschädigungfür ein zeitlich unbegrenztes Berufsverbot, finde ich das ein bisschen billig. Und vielleicht sagen Sie jetzt: „Ach, ihr Künstler macht’s auch nur wegen dem Geld, oder?“ Aber da möchte ich intervenieren: Wir Künstler, zumindest wir vom politischen Kabarett, machen eswegen des Geldes. Und auch einbisschen ausPrinzip. ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● Der Autor 3 Erik Lehmann, Jahrgang 1984, ist ein deutscherKabarettist und Kurzfilm-Regisseur. 3 Seit 2008 gehört er zumEnsemble des renommiertenDresdner Kabaretttheaters„DieHerkuleskeule“. www.knabarett.de ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● Wir möchten uns für die gute Zusammenarbeit 2020 bei all unseren Kunden bedanken. Wir wünschen Ihnen schöneWeihnachten! Bleiben Sie gesund! ▪Verkaufsbüro Meißen· 03521 70 000 ▪Verkaufsbüro Riesa· 03525 740 445 ▪Verkaufsbüro Großenhain· 03522 52 95 850 ▪Verkaufsbüro Dippoldiswalde· 03504 69 00 90 ▪Verkaufsbüro Görlitz 03581 30 40 40 www.varo-direct.de

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