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Wirtschaft in Sachsen Winter 2020

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Das Entscheidermagazin der Sächsischen Zeitung

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Doch dass der 62-Jährige jetzt in seiner Werkstatt arbeitet, ist ungewöhnlich. Denn der Dezember ist der Monat, um seine Produkte zu verkaufen. Vorn im Laden seines Hauses ander Binge Nummer 5stehen Ochs und Esel, Giraffe und Elch in Reih undGlied. Über300 verschiedene Einzelfiguren stellt die Reifendreherei Werner her: Schafe, Kamele, Elefanten, Engel, Eisbären, Hühner, Hasen, Wildschweine, Bäume. Ganze Kuhherden entspringen den Holzreifen, ein komplettes Sortiment für die Arche Noah, vom Affen bis zum Zebra. Pyramidenleuchter und Spaltreifen zum Basteln sind außerdem im Angebot. Um die zu verkaufen und sein Handwerk zu präsentieren, flog Werner mit seinem Sohn Andreas in den vergangenen vier Jahren imAdvent sogar in die USA nach Carmel im Bundesstaat Indiana.Dort zelebrieren die Amerikaner jährlich einen „Christkindlmarkt“ und die Sachsen zeigen an einem der Stände wie die Holzkleintiere entstehen. Doch nicht in diesem Jahr, das Adventsevent wurde abgesagt. Auch alle Weihnachtsmärkte in Sachsen, auf denen der Reifendreher präsent sein wollte, finden nicht statt. Die Märkte in Carmel, genau wie beispielsweise in Proschwitz oder die „Sächsische Weihnacht“ auf Schloss Wackerbarth in Radebeul macheninnormalenJahrenjeweils 20 Prozentdes Gesamtumsatzes des Handwerksbetriebes aus. Von Oktober bis Dezember werden 50 Prozent des Jahresumsatzes erzielt. Aber in diesem Jahr gilt diese Kalkulation nicht. Verzweifeln sei dennoch keine Option. Werner sagt: „Schon mein Vater schärfte mir ein, dass es viel zu viel Kraft koste, gegen etwas anzukämpfen, dass du nicht ändern kannst. Suche dir etwas aus, dass es wert ist und sei dafür.“ Manchmal reiche es schon, sich zu besinnen. Schließlich würden nurdie Seiffener diese spezielle Art der Spielzeugtiere herstellen und dazu eine herrliche Atmosphäre bieten. Hingehaucht das Städtchen wie ein deutsches Klischee-Kleinod aus Grimms Märchenbuch. Mit Glück im Advent fein abgepudert mit Schneeflöckchen aus den Resten des Klimawandels. Die Seiffener haben es geschafft, ihrem Dorf einenWeihnachtsmythos zu verpassen.Und das komme dem Ort undseinen 100 Handwerksbetrieben in diesem Krisenjahrzugute,meint Werner. „DieHandwerksbetriebe im Erzgebirgehaben schon ganz andere Krisen überstanden.“ Geduld, Geschick und Augenmaß –damit ist Reifendreher Christian Werner aus Seiffen im Erzgebirge immer gut gefahren. Die Corona-Krise sieht er als eine Prüfung, die die Menschen fordert, aber auch zu neuen kreativen Lösungen führen wird. Fotos: RonaldBonss Also arbeitet er in seiner Werkstatt, aber vor allem nutzte und nutzt er die Monate des Lockdowns, um zu Hause zu investieren. Er baute vor seinem Haus am Hang eine Treppe, damit die Besucher besser in seinen Laden kommen, er kaufte eine Scheune am Rande des Ortes, um sein Holz besser lagern zu können. Vorallem aber habe er die Homepage von seiner Tochter Anna überarbeiten lassen, um seine Produkte zusätzlich zum Einzelhandel direkt aus seiner Werkstatt verkaufen zukönnen. Mit Werksverkauf, dem neuen Webshop undCorona-Hilfensei derBetrieb mit seinen vier Mitarbeitern beim Umsatz bis November auf Vorjahresniveau, der bei rund 215.000 Euro brutto lag. „Die Handwerksbetriebe im Erzgebirge haben schon ganz andere Krisen überstanden“, sagt Werner. Eskomme darauf an, die Qualität der Handarbeit zu erhalten, das Dass Christian Werner jetzt in der Vorweihnachtszeit in seiner Werkstatt arbeitet, ist ungewöhnlich. Eigentlich wird imDezember verkauft, doch die beliebten Weihnachtsmärkte finden in diesem Jahr nicht statt. Schöne anzufertigen und Lösungen zu finden. „Mühsam war eshier schon immer, aber wir haben alles überlebt. Auch den Sozialismus. Und den Kapitalismus werden wir auchüberleben“, sagt er. Es war die Not, die Ende des 18. Jahrhunderts die Handwerker des fast 700 Jahre alten Erzgebirgsortes dazu trieb, erfinderisch zu werden. Der Zinn-Bergbau warf nichts mehr ab, und Glasbläser schufen sich aus Holz Formen, umihre Produkte besser herstellen zu können. Die Holzformen blieben als Abfall liegen, aber eswäre Sünde gewesen, den zuverfeuern. Also begannen findige Seiffener, die Holzringe zu drehen, zu beschneiden, zu spalten, zu schnitzen undzubemalen. So erfanden sie eine verblüffende Technologie, die esbis heute ermöglicht, aus einem Reifen mit einem Durchmesser von 30bis 50 Zentimetern Figuren zu erschaffen. Im bestenFall 60 Stückpro Rad. Das Räderwerk funktioniert bestens und viel schneller, als wenn man die kleinen Holzfigurennur schnitzenwürde. Deshalb gab esumdas Jahr 1920 insgesamt 28 Reifendreher in dem Spielzeugwinkel, die alle ein gutes Auskommen hatten. Heute gibt es noch acht Reifendreher. Sich immer neuerfinden In der DDR sei die Erzgebirgskunst hoch gehandelt worden, auch für den Export in den Westen habe man gearbeitet. Doch nach 1989 sei es sehr mühsam gewesen, denHändlern klarzumachen, dass die Produkte keine chinesische Massenware sei, sondern per Hand und mit höchster Qualität hergestellt würde. Irgendwannwurde das verstanden. „Indiesem Jahr habe ich so viele hochwertige Pyramidenleuchter verkauft wie noch nie“,sagtWerner.„Menscheninvestieren wieder in wirkliche Werte.“ Und Seiffener Handwerker erfinden zudem immer etwas Neues. Auch sich selbst. Das gehöre zur Überlebensstrategie, sagt Werner undfügthinzu: „Corona ist aus meiner Sicht eine Prüfung. Viel schlimmer ist das gegenwärtige Waldsterben. Wenn der Wald weg ist, dann geht auch das Wasser weg. Da kommt noch etwas auf uns zu. Aber auch da finden wir Lösungen.“

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