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Wirtschaft in Sachsen Sommer 2020

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Das Entscheidermagazin der Sächsischen Zeitung.

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Doch dieEinnahmen seitder Wiedereröffnung hätten die Verluste von einer Dreiviertel Million Euro seit März noch nicht wettgemacht. Er schiebt die Einbußen nicht auf Corona selbst. Sondern auf die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. „In unserem ganzen Konzern hatten wir keine einzige Infektion“, betont er. Zum stadteigenen Konzern mit rund 200 Mitarbeitern gehören außer dem Saurierpark unter anderem die Energie- und Wasserwerke Bautzen, die Tourist-Information und die Stadtreinigung. Für die Zukunft macht sich Bartko Sorgen, weil viele Menschen durch die Corona-Krise ihre Arbeit verlieren oder in Kurzarbeit geschickt würden. Sie müssten mehr als bisher überlegen, wofür sie ihr Geld ausgeben. Wo geht es hin für den Saurierpark Kleinwelka? Das beliebte Ausflugsziel ist wieder gut besucht, doch die Verluste wiegen schwer. Fotos:Steffem Unger Die Chance inder Krise Vier Unternehmer aus Sachsen erzählen, wie sie die Einschnitte durch Corona erlebt haben und was sie von der Zukunft erwarten. Metallexperte sieht Chancen Shoppingtour für den Schutz „Bis Ostern hatten wir volle Auftragsbücher, die wir abarbeiten konnten. Danach brach die Nachfrage abrupt ein“, sagt der Geschäftsführer der SPS Schiekel Präzisionsgeräte GmbHinDohna.Das Unternehmen hatsich auf dieHerstellungvon Fräs- undDrehteilen aus Edelstahlspezialisiert. Nach Ostern mussteesSoforthilfenbeantragen, diekurzfristig genehmigt wurden. Schiekel weiter: „Seit Mai sind wir in Kurzarbeit, habenaber alle Beschäftigten an Bord. Im Moment zeigt sich stärker alsin Zeiten,dader Betriebrundumdie Uhrander Kapazitätsgrenze rollt,wodie Säge klemmt. Diese gehenwir nunkonsequent an.Sehr erfreulich findeich, dass maninsolchen Notlagen seine Mitarbeiter genauer kennenlernt. Wir sind überzeugt, jede Krise birgt auch Chancen.“ Schiekel schaut sich bereits nach neuen Märkten für seine Edelstahlprodukte um. Längst gibtesSignale, dass deutsche undeuropäischeFirmen wiederProduktionskapazitäten aus Asien zurückholen wollen, um künftig weniger abhängig von den Folgen der Globalisierung zusein. Solche „Heimkehrer“ gibt es zum Beispiel in der Medizintechnik und imChemieanlagenbau. „Ich bin alsooptimistischfür dieZukunft“, sagtder Firmenlenker. Foto:Norbert Millauer Mitte März machte ein Video eines Görlitzer Klinikarztes die Runde. Er erklärt, wie man mit einfachen Mitteln ein Gesichtsvisier herstellt. Etwa zur gleichen Zeit wurde bekannt, dass auch die Baumärkte schließen. Am Sonnabend davor setzten sich der Görlitzer Orthopädiemechaniker Henning Scheinpflug und seine Familie ins Auto undklapperte Märkte von Görlitz bis Leipzigab. „Mein erster Gedanke war, wie kommen wir an genügend Schutzausrüstung, wenn die Geschäftezusind?“ Er gehörte zu denersten,die Visiere, Plexiglasaufsteller und Masken anboten. Dabei hatte ermit Infektionsschutz bisher nichts zu tun. Er ist Gründer der Scheinpflug-Gesundheitsdienste, die Pflegebedürftige mit Orthopädie- und Rehatechnik versorgen. Heute hat Scheinpflug 40 Mitarbeiter. „Es waren verrückte Wochen und auch sehr unsichere.“ Manche Arbeitsbereiche fielen schnell weg, die Arbeit an der Schutzausrüstung konnte das nicht ausgleichen. Und so war auch Kurzarbeit Thema. „Keiner wusste für wie lange, wie es sich entwickelt. Ich bin sehr dankbar, dass unsere Mitarbeiter all das mit getragen haben.“ Jetzt im Juli geht es zumNormalbetriebzurück. SchutzausrüstungbleibtaberThema.. Foto:André Schulze Holzindustrie voll ausgelastet Rekord bei Feralpi „Wir als Industrie- und Exportverpacker sind relativ gut durch die Corona-Krise gekommen“, sagt Mike Auris, Vertriebsleiter der Holzindustrie Dresden mit Sitz in Heidenau. Doch Kurzarbeit über ein paar Wochen ließ sich nicht vermeiden. Es gab imApril und Mai weniger Bestellungen von diversen Holzpackmitteln undTransportkisten. Auch im BereichMaschinen- und Anlagenbau waren weniger Transportleistungen gefragt. „Stand heute sind wir zu 100 Prozent ausgelastet. Ob die Corona-Krise schon gänzlich vorbei ist oder eine zweite Welle kommt, oder sich Corona in Asien oder Afrika oder Amerikaweiterausbreitet,wissen wir leider nicht. Bis zum Jahresendegehen wir voneiner stabilen Auftragslageaus“,sagtAuris weiter. Was2021 bringt,wisse man aberebennoch nicht. DasJahr2021sei eine Wundertüte,wie der Vertriebsleiter auf Anfrage von WirtschaftinSachsen sagt.„Ich denke, dass sichbis spätestensOktober/Novemberdieses Jahresein Trend für2021abzeichnen wird. Wirhoffennatürlich,dass der weltweite Handelsich bald wieder normalisiert und die sächsischen Maschinen- und Anlagenbauer weiter erfolgreich exportieren können.“ Foto:HID Erst Anfangdes Jahreshat ChristianDohrdas Chefbüro im Riesaer Stahlwerk Feralpi bezogen. Viel Zeit zurEinarbeitung blieb ihm nicht. Der 14-tägige Besuch im Mutterwerk in Italien, derfunktionierte noch.Ebenso die Reise nach Asien, wo sich Dohr neue Anlagentypenanschaute. Die geplanten Besuche in Tschechien und Ungarn mussten dann schon ausfallen. Über mangelnde Arbeit konnte sich der neue Werksleiter dennoch nicht beklagen. „Wir haben keine Stillstände hier“, sagte erschon imApril, als die Krise richtig Fahrt aufnahm. „Wir sind weiter fokussiert auf die Arbeit. Das ist etwas, das ich den Mitarbeitern auch sehr hoch anrechne,dass siestolz sindauf das Unternehmen, alles geben unddiesen Fokus auchhaben.“ Teilweise stauten sich gar die Lkws vor den Toren, weil Speditionen weniger Aufträge hatten und vorzeitig eintrafen. Neben strikten Hygienemaßnahmen, die Infektionen verhinderten, seien eine gute Vorbereitung und die sehr gute Zusammenarbeit zwischen Produktion, Instandhaltung undPlanung der Schlüssel zumErfolg gewesenindiesenschwerenZeiten. „Tatsächlich konnten wir im April undMai sogareine Rekordproduktionfahren,“ konstatiert Dohr heute. Foto:S.Schultz

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Die produziert bis zum Ausbruch der Corona-Krise täglich für Kitas, Krankenhäuser und Betriebskantinen über 20.000 Mittagessen und über6.500Frühstücks- undVesper-Portionen. An jenem 16. März ruft Wilfried Hänchen 25 seiner Führungskräfte, inklusive seines Sohnes Mirko, der Mitgesellschafter ist und sein Nachfolger werden soll, zueiner Krisensitzung zusammen. Denn von rund 200 Einrichtungen, die seine Firma beliefert, haben 170 dichtgemacht. „In den nächsten drei Tagen haben wir Kapazitäten geschlossen, die für 85Prozent unseres Umsatzes stehen. Zwei unserer fünf Großküchen schlossen wir sofort, drei ließen wir marginal auf Sparflamme laufen“, sagt Hänchen. „340 unserer rund 400 Mitarbeiter schickte ich in Kurzarbeit. Das gab es noch nie in unserer Firmengeschichte, und das hätte ich mir auch nie vorstellen können.“ Geschuftet, studiert, geschrieben Dabei kann ersich vieles vorstellen. Der gelernte Koch schafft es von der Aufwaschhilfe im Dorfgasthof bis zum Chef eines der großen Catering-Firmen Deutschlands. Seine Eltern kommen aus Schlesien nach Sachsen, die Mutter Köchin, der Vater Zimmermann. „Wir warenverdammtarm, ichmusste als Knirps Rüben hacken und Kühe hüten, damit ich etwas zuessen hatte. Und jeder im Dorf war der Meinung, dass esvon den Hänchen-Kindern sowieso keiner schaffen wird. Aber ich habe geschuftet, studiert, Bücher geschrieben und viele Patente angemeldet“, sagt der 73-Jährige. Wenn er das erzählt, ist das Lachen eines Ein Macher, der sich auch von Corona nicht bremsen lässt: Wilfried Hänchen. zufriednen Mannes zuhören, den sein Ehrgeiz aber noch lange nicht losgelassen hat. 1947 in Nauenhain, im Kreis Geithain geboren, arbeitet er sich schon in der DDR vom Aushilfskellner zum Küchenleiter hoch, wird Direktor für Soziales im VEB Hydraulik Rochliz. Weiter steigt er die Karriereleiter empor bis zum Leiter Rationalisierung im Ministerium für Handel und Versorgung der DDR. Als der Sozialismus 1989 zusammenbricht, kommt die erste Vollbremsung. Plötzlich gibt esnichts mehr von dem, was ersich aufgebaut hatte, was ihm bisher Status undWohlstandverschaffte. Mit 42 Jahren geht er erneut an den Start, ihn stellt ein Cateringunternehmer aus Frankfurt amMain an, für den erdas Foto: Anja Jungnickel Geschäft im Osten aufbaut. Allesläuft,bis die Firma 1993 in Turbulenzen gerät. Nächste Vollbremsung. Hänchen steht vor dem Nichts, hat Schulden, aber Erfahrung. Er fällt die Entscheidung, eine eigene Firma aufzubauen. Er gründet nicht nureinen,sondern bisheute 20 Betriebe oder übernimmt sie aus Insolvenzen, macht Schulden in Millionenhöhe und zahlt nach und nach alles ab. „Kurz vor der Jahrtausendwende hatte ich 600 Mitarbeiter und fast 30 Millionen Euro Umsatz und zählte so zu den erfolgreichsten Unternehmen Ostdeutschlands“, sagt Hänchen. Doch dieser rasante Weg, der Druck, das nie enden wollende Risiko, die Verantwortung für das Personal und die Familie hinterlassen Spuren. 2002 die nächste Vollbremsung. Sein Herz funktioniert nicht mehr, er muss sich operieren lassen und verkauft große Teile seiner Firma. Doch danach setzt er sich wieder durch. Schwerpunkte sind dabei dieVersorgungvon Schulenund Kitas mit Mittagessen und Frühstück, aber auchdie Verpflegung vonSenioren, Krankenhäusern und Kantinen. Im deutschlandweiten Ranking belegt die Hänchen- Gruppe im Jahr 2018/2019 mit einem Umsatz von 20Millionen Euro Rang 29 der größten Caterer und in der Schulund Kinderspeisung erreicht er in Deutschland den dritten Platz. Vergangenes Jahr bekommt der Sachse den Unternehmerpreis für sein Lebenswerk. „Das hatmich enormgefreut“, sagter. Seit einigen Jahren residiert Wilfried Hänchen mit seinem Firmensitz in Großpösna auf einem sanierten Rittergut. Von dort leitet er aus einem Büro mit historischen Möbeln sein Lebenswerk. Immer wieder weist er darauf hin, wie innovativ er vorgegangen sei. Dabei erfindet er nicht nursich im Laufe seines Lebens immer wieder neu, sondern vor allem Maschinen, die die Versorgung der Menschen mit Essenerleichtern. Neben dem „Kochenden Kühlschrank“,dem „Kühlenden Herd“ und anderen Patenten bringt er ein neues Kühl- und Re-Erhitzungsgerät für die Schul- und Kinderversorgung auf den Markt. Die Idee, die er verfolgt, besteht darin, dass punktgenau gegarte Speisen im Cook &Chill-Verfahren sofort von 90 Grad Celsius innerhalb von drei bis vier Stunden auf zwei Grad Celsius herunterzukühlen, zum richtigen Zeitpunkt speiseverträglich erhitzt und von Kunden entnommen werden. Das nutztenschon Schichtarbeiter in der DDR, die sichsonachts versorgten. Nichtauf Ruhestands-Kurs „Die vollautomatische Küche ohne Personal, das ist mein Traum“, sagt Hänchen, der seine Vorstellung schon jetzt zuachtzig Prozent aufgebaut hat. Mit seinem neuen Cook &Chill digitalisierten Ernährungssystem CODES 4.0, welches seit 2018 beim Patent- und Markenamt angemeldet ist, will ernun seinen Traum von der digitalisierten Küche mit einer hohen Effizienz und damit geringen Kosten, aber einer sehr hohen Qualität verwirklichen. Die Corona-Vollbremsung sei vorbei, meint der Mann, der noch lange nicht in den Ruhestand gehen will. Er sagt: „Wir haben über Jahre profitabel gearbeitet unddie Gewinne im Unternehmengelassen. Das ist ein ordentliches Polster, das wir nutzen konnten, haben aber Ende Mai schon wieder voll Fahrt aufgenommen. Eine Kreditzusage meiner Hausbank habe ich –aber vorerst brauche ich sie nicht. Und Personal musste ich ebenfalls nicht entlassen. Denn so ganz ohne geht es nach wie vor nicht.“ Keine Pause an den Nähmaschinen Bei F.W. Kunath in Bretnig wurden wochenlang Masken produziert –ein Kraftakt. Von Reiner Hanke E in Anruf aus dem Universitätsklinikum Dresden brachte Anfang März alles ins Rollen: „Ob wir noch textilen Mundschutz haben, war die Frage“, erinnert sich Grit Hartmann. Sie ist Geschäftsführerin der F.W. Kunath GmbH im Großröhrsdorfer Ortsteil Bretnig bei Dresden. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen durchmodische Berufsbekleidung fürdie Medizinbranche gemacht. In der Uni-Klinik hatte sich vielleicht jemand an DDR- Zeiten erinnert, spekuliert Grit Hart- Näherin Malwind Pius arbeitet bei Kunath-Textilien in Bretnig. Wochenlang wurden hier pausenlos Masken produziert. Foto: Matthias Schumann mann. Als VEB KonfektionGroßröhrsdorf Werk 7, kurz Schürko (Schürzenkonfektion), war die Firma damals Alleinhersteller für OP-Bekleidung zwischen Rostock und Suhl – Mundschutz inklusive. Die Mund-Nase-Masken sind heute nur noch ein Randprodukt bei Kunath-Textilien. Die Produktion liegt bei einigen Hundert Stück im Jahr, für Tierärzte zum Beispiel. Doch plötzlich war das Stückchen Stoff wegen der Corona-Pandemie gefragt wie noch nie. So erlebte der Mundschutz ein ComebackinBretnig.Nachder Lieferung an die Uni-Klinik klingelten die Telefone heiß–Kliniken von Magdeburg bis Mainz standen Schlange: „Wir konnten gar nicht mehr alle Anfragen bewältigen“, sagt Grit Hartmann. Von März bis Mai waren es über 150.000 Masken, die mit Unterstützung von fünf Subunternehmern und Heimarbeitern gefertigt wurden. Zwischenzeitlich arbeiteten bis zu 90 Näherinnen fürs Unternehmen. Von6bis 20Uhr ratterten alle 30Nähmaschinen pausenlos in zwei Schichten. Alles war auf Mundschutz umgestellt. Daneben waren noch Schutzkittel ein Renner. Davon lieferte das Unternehmen über 16.000 Stück aus. Die Mitarbeiterinnen der Verwaltung, die Verkäuferinnen rückten von ihren Arbeitsplätzen an die Maschinen. Sogar die Chefin selbst klemmte sich zeitweise hinter ein Gerät. Essei auch ein logistischer Kraftakt gewesen, die Bestellmengen zu bewältigen. Schneidermeisterin IlonaStegemann spricht von vielen Überstunden. Und gibt zu, sogar vom Mundschutz geträumt zu haben. Die ganze Belegschaft sei an den Nähmaschinen zusammengerückt, soStegemann. Fast jede Unternehmergeneration des Berufsmode-Herstellers hatinihreKrise erlebt.Kriege,Inflation, Enteignung zuDDR-Zeiten und Absatzflaute nach der politischen Wende. Bis auf 45 Mitarbeiter schmolz die Belegschaft. Heute sind es 60, in der Masse Frauen. Aber selbst mit Verstaatlichung zu VEB-Zeiten blieb die Leitung in Familienhand. So erlebte jetzt mit Grit Hartmann die fünfte Generation ihre Krise oder nicht?„Es wareine sehranstrengende Zeit, aber als Krise haben wir den Lockdown für unsere Firma nicht wahrgenommen. So eine Ausnahme-Situation habe ich aber auch noch nie erlebt“, sagt Hartmann. Es sei eher Glück gewesen, die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben. „Wir konnten die Jobs sichern, neue Kunden gewinnen und Kontakte knüpfen“, sodie Chefin. Das bleibt. Alles andere war ein Strohfeuer ohne große Perspektive. Nach den turbulenten Wochen sei das Unternehmen wieder auf dem Weg in den Normalmodus und so manche Mitarbeiterin ist froh darüber. Die letzten Corona-Lieferungen gehen in diesen Tagen andie Kunden. Das Kerngeschäftzählt.Das istBerufsmodefür medizinisches Personal, für Pflegeheime, Arztpraxen oder Physiotherapien. Vom Design über den Zuschnitt bis zum Produkt kommt alles aus einem Haus. Dazu von der Farbe bis zum gestickten Firmenlogo alles nach Wunsch. Über 20.000 Artikel hat die FirmaimSortiment. Statt andie Nähmaschine geht Grit Hartmann liebermit demaktuellen Katalog zu den Kunden. Dabei sind die Schutzmasken jetzt wieder kaum mehr als ein Randprodukt.

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