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Wirtschaft in Sachsen Sommer 2020

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Das Entscheidermagazin der Sächsischen Zeitung.

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Diese arbeiten im Homeoffice oder sind freigestellt.Die FirmaStaffbase mitSitz in Chemnitz, Marktführer bei der mobilen Mitarbeiterkommunikation, bekommt deutlich mehr Anfragen. In der Regel dauert eseinige Wochen, bis Unternehmen mit der Staffbase-Software ihre eigene App aufgesetzt haben. Um ihnen aus ihrem Kommunikationsdilemma herauszuhelfen, hat das sächsische Start-up eine schnellere Lösung entwickelt.Sie heißtStaffbaseNow.Unternehmen können ihre eigene App extrem rasch erwerben, designen und innerhalb von drei Tagen einsetzen. Die neue Lösung wurde für die Krisenkommunikation entwickelt. Je nachdem für wen eine Nachricht relevant ist, wird sie entweder an alle Mitarbeiter oder gezielt an die Belegschaft anbestimmten Standorten ausgespielt. Durch automatische Übersetzungen lassen sich wichtige Inhalte schnell global verteilen. Seit Einführung im März wurde die Lösungvon 20 Firmen mit insgesamt über 200.000 Beschäftigten gekauft und eingeführt. „Die Corona-Pandemie hat vielen Unternehmen schmerzhaft die begrenzte Reichweite ihrer internen Kommunikation aufgezeigt. Sichere Mitarbeiter-Apps haben sich deshalb in dieser Krise bei Hunderten Unternehmen bewährt, denn sie funktionieren auch auf privaten Smartphones und verteilen wichtige Nachrichten in Echtzeit“, sagt Staffbase-MitgründerFrank Wolf.(SZ/nm) Die Staffbase-App hilft, die Unternehmenskommunikation auch in Krisenzeiten zusichern. ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● Erster Hoffnungsschimmer Das Geschäftsklima inSachsen ist deutlich besser als zu Beginn der Corona-Krise. Aber der Arbeitgeberverband warnt vor Übermut. VonMichael Rothe Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich im Juni weiter aufgehellt. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist auf 86,2 Punkte gestiegen, nach 79,7 Punkten (saisonbereinigt korrigiert) im Mai. Das sei der stärkste jemals gemessene Anstieg, heißt es aus München. Demnach beurteilen die Unternehmen ihreaktuelle Lage etwas besser als zuvor.IhreErwartungen machen sogar einen deutlichen Sprung nach oben. Die deutsche Wirtschaftsieht Licht am Ende desTunnels. Die fünf Wirtschaftsweisen teilen den Optimismus und erwarten noch im Sommer eine wirtschaftliche Erholung. Aber: „Die Corona-Pandemie wird voraussichtlich denstärksten Einbruch der deutschen Wirtschaft seit Bestehen der Bundesrepublik verursachen“, erklärt der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Lars P. Feld. VonNormalitätnoch weitentfernt Die Experten schraubten ihre Prognose für das laufende Jahr nach historisch schlechten Konjunkturwerten nochmals nach unten. Demnach wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 6,5 Prozent schrumpfen. Inder weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 war das BIP „nur“ um5,7 Prozent gesunken. Die erneute Korrektur mache deutlich, wie dramatisch die Lage sei, sagt Sachsens Arbeitgeberpräsident Jörg Brückner. VieleFirmen würden trotz gesunder SubstanzumihreExistenz kämpfen. Die Prognose einer nahen Erholung und eines Wachstums 2021 „ist mit äußerster Vorsicht zu bewerten“, sagt der Präsident der Vereinigung der sächsischen Wirtschaft (VSW). „So wichtig Optimismus ist, er darf nicht zuÜbermut und falschenEntscheidungenführen“,warnt Brückner. Denn es sei völlig unsicher, wie sich die Lage entwickelnwerde. Trotz vieler Lockerungen sieht sich die Wirtschaft noch weit vom Normalbetrieb entfernt. „Bei einem Auftragseinbruch von 50 Prozent wäre eine Verbesserung auf minus 40Prozent im Saldo eine deutliche Verbesserung und dennoch eineKatastrophe“, so derVSW-Präsident. „Es wäre trotz statistisch schöner Prognosezahlenzuwenig!“ Auch im Handwerk bleibt die Lage ernst. Laut einer Stichprobe des Sächsischen Handwerkstags beklagt mehr als jeder dritte Betrieb rückläufigen Auftragsbestand, fehlt vor allem am Bau Material. Die Geschäftserwartungen vieler Gewerbegruppen seien „im besten Fallgedämpft-optimistisch“, heißt es. Nach dem Corona-bedingten Absturz im März und April hatte esfür Sachsens Wirtschaft bereits imMai einen ersten Hoffnungsschimmer gegeben, das Geschäftsklima erholte sich. Ausschlaggebend dafür war der kräftige Anstieg der Geschäftserwartungen der Unternehmen. Ihre Lageeinschätzungen ließen nochmals etwasnach. DasSachsen-Barometer belegt: Beide Teilindizes befinden sich weiter tief im Tal. Wielange noch? Industriehat deutlich höhereErwartungen Im Mai stoppte Sachsens verarbeitendes Gewerbe dieTalfahrt derletzten Monate vorerst. Die Befragungsteilnehmer hoben ihre Geschäftserwartungen spürbar an. Die Lageeinschätzungen gingen allerdingsnochmals zurück. Dienstleister sind deutlich optimistischer Im sächsischen Dienstleistungssektor hellte sich der Geschäftsklimaindex kräftig auf. Die befragten Unternehmerinnen und Unternehmer äußerten sich zufriedener über ihre laufenden Geschäfte und blicken weniger pessimistisch auf diekommendensechs Monate. Bauwirtschaftbleibt im Stimmungshoch Im sächsischen Bauhauptgewerbe stieg die Stimmung im Mai spürbar. Ausschlaggebend hierfür war der Anstieg der Geschäftserwartungen. Die Lageeinschätzungen ließen im Vergleich zum Vormonat geringfügig nach. Sachsen-Barometer +4,5 +2,8 –0,2 BIP-Wachstumsrate in Prozent –4,1 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 Quellen: Ifo-Institut Dresden, Creditreform +3,3 +3,5 Beschäftigung Im Handel verbessert sich das Geschäftsklima leicht Im Handel konnte derStimmungsverfall vorerst gestoppt werden, der Geschäftsklimaindex nahm wieder leicht zu. Die Geschäftserwartungen der befragten Groß- und Einzelhändler stiegen spürbar. Ihre Lageeinschätzungen blieben in etwa auf demNiveaudes Vormonats. Unternehmensinsolvenzen in Deutschland (1.Halbjahr) Geschäftsklima +0,6 +0,2 +3,2 +2,4 Stimmungsindikator Salden ausFirmenurteilen zum Geschäftsklima und Beschäftigungserwartungen +1,8 +2,1 +1,2 +0,5 Trotz des massiven Konjunktureinbruchs im Zuge derCorona-Pandemie ist die Zahl der Pleiten bislang nicht gestiegen. ImGegenteil: Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform zählte im 1. Halbjahr 2020 inSachsen 330 Firmeninsolvenzen, ein Minus von gut 13Prozent gegenüber der gleichen Vorjahreszeit. Pleiten-Statistik täuscht +1,2* 2020 SZ-Grafik: Gernot Grunwald +30 +25 +20 +15 +10 Ursächlich hierfür dürften laut Thomas Schulz, Vertriebschef bei Creditreform in Dresden, vor allem die Staatshilfen sein. KfW-Kredite, Zuschüsse für Selbstständige und kleine Gewerbetreibende sowie die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht sollten einen akuten Anstieg der Pleiten, insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen, verhindern, sagt derProkurist. Creditreform erwartet, dass sich mit dem Auslaufen der Insolvenzantragspflicht im September die Zahl der Verfahren erheblich erhöhen wird. „Die Maßnahmen des Staates werden nicht alle Firmen retten können und das Problem nur etwas in die Zukunft verschieben“, istsich Thomas Schulz sicher. DasSachsenbarometer, der Wirtschaftsindikatorder „Wirtschaft in Sachsen“, erscheintinKooperation mit derDresdner Niederlassung des Ifo-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschungander Universität Münchene.V.und der Wirtschaftsauskunftei CreditreformDresden. www.ifo-dresden.de www.dresdencreditreform.de +5 0 –5 –10 –15 –20 *Prognose v. Dez. (vor Corona) Die Zukunft beginnt mit dem Vertrauen in Ihre Idee. www.punkt191.de, Foto: 123rf, blasbike Wir begleiten neue Vorhaben in Sachsen individuell mit Bürgschaften und Beteiligungen – damit sie erfolgreich verwirklicht werden. www.bbs-sachsen.de www.mbg-sachsen.de seit fast 30Jahren in allen steuerlichen und wirtschaftlichen Belangen. Der „Wirtschaft in Sachsen“ gratulieren wir zu fünf Jahren gut recherchierten und spannenden Geschichten. www.schneider-wp.de

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Er sitzt in seinem großen, eher sparsam eingerichteten Büro am Produktionsstandort Hohenstein-Ernstthal. Es gehörte einst den Chefs der Roth &Rau AG, bis der Hersteller von Maschinen für die Solarindustrie 2011 andie Schweizer Unternehmensgruppe Meyer Burger verkauft wurde. Dass die Wände so nackt sind und persönliche Gegenstände fehlen, hängt mit den Umständen zusammen. Der frühere Entwicklungschef wurde mitten im Corona-Shutdown zum 1. April als Vorstandsvorsitzender berufen. Zuvor arbeitete ermehr im Flieger rund um den Globus als auf festem Boden. Jetzt kämpft ervom Homeoffice aus dafür, dass seine Idee umgesetzt wird. „Der ganze Evaluierungsprozess des Projekts läuft im Homeoffice. Ich bin selbst erstaunt, wie gut das funktioniert. Einen Großteil der Gesprächspartner habe ich noch nie live gesehen“,soder 47-Jährige. Meyer Burger prüft derzeit Pläne für eine eigene groß skalierte Zell- und Modulproduktion in Deutschland. Um Zeit und Geld zusparen, sollen schon bestehende Produktionsstandorte übernommen werden. Mittelfristig könnten bis zu 3.500 direkte Arbeitsplätze entstehen. Welche dassind, wird nichtverraten,nur dass sie im Osten liegen. Grund für diesen fundamentalen Richtungswechsel ist die Erkenntnis, dass Meyer Burger ausihrer Technologieführerschaft inden letztenJahrenkeinen Gewinnerzielen konnte. Künftig sollen die Maschinen für die neue Technologie Heterojunction/Smart Wire nur zum eigenen Gebrauch hergestelltwerden. 100 Millionen Euro hat das Unternehmen in die Entwicklung der nächsten ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● Gunter Erfurt, seit April Vorstandsvorsitzender der Schweizer Unternehmensgruppe Meyer Burger Technologies AG, ist elektrisiert von der Solarbranche. Technologiegeneration investiert, unterstützt mit Fördergeldern vom Bund. „Sie ist vergleichbar mit dem Übergang von 4G auf 5Ginder mobilen Kommunikation“, sagt Erfurt. Auf weniger Fläche lässt sich mehr Strom erzeugen und das zu niedrigeren Produktionskosten. Die Energieerträge der Module liegen bis zu20 Prozenthöher als die herkömmlichen Solarmodule.Das Fraunhofer-Institut fürSolare Energiesysteme bescheinigt Meyer Burger in einem Gutachten einen Technologievorsprung von drei Jahren. „Wir haben eine tolle Entwicklungsroadmap, in der wir die Kennziffern noch deutlich verbessern können“,betontErfurt. Er ist seit seinem Physik-Studium an der Bergakademie Freiberg von der Solarenergie elektrisiert. Es sei allgemeiner Konsens in der Wissenschaft und Stromwirtschaft, dass schon aus Kostengründen den erneuerbaren Energien die Zukunft gehört. Sonne ist günstiger als Wind und auch mehr akzeptiert inder ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● Wasist Heterojunction/SmartWire? Hinterdem Verfahren Heterojunction/ SmartWireverbergen sichzweiVerfahren, diekombiniertwerden. Bei Heterojunction werden die Vorteile kristalliner Silizium-Solarzellenmit denen vonDünnschichttechnologienkombiniert, so dass Solarzellen herauskommen, die nachAngaben vonMeyer Burger Rekordwertebei der Umwandlung vonSonnenlichtinelektrische Energieerzielen.Die Energieerträge sind biszu20Prozent höher. Smartwireheißt dasVerfahren, mitdem ausder Solarzelle einSolarmodul wird. Es kommtnach eigenen Angaben miteinem deutlich geringeren Energieverbrauch undweniger Prozessschrittenaus alsüblicheProduktionsverfahren. Beide Verfahrenzusammen schaffen, dassauf weniger Fläche mehr Stromerzeugt wird und das zu niedrigeren Produktionskosten. Meyer Burger hatrund 100Millionen Euro in die Entwicklung investiert. ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● Foto: Arvid Müller Bevölkerung, schwärmt der Manager. Und das Marktumfeld ist gerade herausragend. In Deutschland sollen im Jahr 2030 fast zwei Drittel des Stromsaus grünen Quellen kommen. Die Bundesregierung hat dafür ein Photovoltaik-Ausbauziel von 98 Gigawatt beschlossen. Europa soll bis 2050 klimaneutral werden. Dennochfühlt sich Erfurt wie einBittsteller, wenn erinder Politik und Bankenwelt Mitstreiter für dieses Ansiedlungsprojekt sucht, das die letzte Chance für Europa ist, eine eigene Solarindustrie zu haben und damit nicht komplett abhängig zu sein von chinesischen Solarmodulen. Doch die Resonanz ist bislang zurückhaltend –auch inSachsen. „Landesregierung, Wirtschaftsförderung und Sächsische Aufbaubank–allekennen das Projektund unterstützen es.Aber wirlernen, dass die Politik eigentlich nichts tun kann. Das macht mich schon unzufrieden“,sagterund klingt etwasenttäuscht. Wasfehlt, sei eine europäische Industriepolitik, die Anreize schafft für die wirtschaftliche Verwertung von Technologien, die oft das Ergebnis teurer Förderprogramme sind. Er wollekein geschenktes Geld vom Staat, sondern investorenfreundliche Regeln, eine C02-Steuer auf umweltschädliche Transporte oder Ausschreibungen, die nicht den geringsten Preis als Kriterium ansetzen, sondern eine bestimmte Leistung vorschreiben. „Lass uns einen technologischen Wettbewerb machen“,rufteraus. Dem gebürtigen Karl-Marx-Städter ist klar, dass ervor allem bei Investoren und Banken viel Vertrauen zurückgewinnen muss. Viele haben sich beim Zusammenbruch der Branche durch das Überangebot billiger Solarzellen aus China gehörig die Finger verbrannt. Diese Enttäuschung, gepaart mit veraltetem Wissen und Vorurteilen, mache es so schwer, dass die Vision vom schwimmenden Solarpark made in Germanywahrwird. Doch Erfurt hat einen intrinsischen Antrieb. „Ich glaube total andiese Branche undbin überzeugt, dass wir daslösen werden.“ Werkönne schon von sich sagen, dass er die Sonne als Arbeitgeberin habe. Am 10. Juli hat der Verwaltungsrat die Aktionäre und Aktionärinnen zueiner außerordentlichen Generalversammlung geladen. Thema: Eine Kapitalerhöhung, dieumgerechnet155 Millionen Euro für den Aufbau der Produktionskapazitäten für die eigene Modulfertigung bringen soll. Diese Hausaufgabe muss Erfurt lösen, um auch bei den Banken wieder Vertrauenaufzubauen.

Sächsische Zeitung und Sächsische.de

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