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Wirtschaft in Sachsen Sommer 2020

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WIRTSCHAFT IN SACHSEN |

WIRTSCHAFT IN SACHSEN | PERSONAL &FÜHRUNG 16 ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● So gelingt Führung aus der Distanz Der Arbeitspsychologe Dr. Hannes Zacher sagt, was Chefs aus der Krise lernen können. ? Herr Zacher,imCorona- Lockdownmussten viele Arbeitgeber ihre Mitarbeiter unvorbereitet ins Homeofficeschicken. Wie istdas Experiment gelaufen? Es war eine Ausnahme-Situation und lässt sich nicht eins zu eins auf einennormalen Alltag übertragen. Erst mal empfiehlt die Forschung, Homeoffice nicht mit Kinderbetreuung zu kombinieren. Außerdem sollten maximal zwei bis drei Tage von zu Hause aus gearbeitet werden und die restliche Woche aus Präsenz-Zeiten bestehen: Dann sinddie Zufriedenheit undProduktivitätamhöchsten. Da müssenwir langfristigauchwieder hin. ? Es gibtaberauch Arbeitnehmer, die beidiesem Arbeitsmodell ihre Arbeitschleifen lassen. Homeoffice ist schwieriger für Leute, die Probleme mit der Selbstmotivation haben und klare Vorgaben brauchen. Wenn der Chef dann nicht vor einem steht, haben sie eher ein Problem, sich zumotivieren. Problematisch ist es auch für Mitarbeiter, dieviel sozialen Kontaktbrauchen. ? Können Arbeitgeber solche Personen künftig von der Arbeit im Homeofficeausschließen? Es ist absolut okay, zu sagen, manche Personen dürfen imHomeoffice bleiben, andere sollen zurückkommen oder man wechselt sich ab. Aber die Frage istimmer, wie das erklärt wird: Also, obeseine prozedurale Gerechtigkeit gibt und klare Kriterien, wie der Prozess abläuft. Als Führungskraft sollte man auf die verschiedenen Motivationen, zu Hause bleiben zu wollen, möglichst verständnisvoll reagieren und erst mal zuhören. Aber irgend- Dr. Hannes Zacher ist Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie ander Universität Leipzig. In jeder Herausforderung steckt eine Chance: Wir finden sie. LBBW Region Ost: Ihre Bank für Unternehmen in Chemnitz, Dresden, Erfurt, Leipzig und Magdeburg. Foto: AnjaJungnickel wann istesnotwendig,Entscheidungen zu treffen und um das Team zusammenzuhalten, darauf zu drängen, dass es bald wieder Präsenztreffen gibt. ? Herausforderungen brachte nicht nur dasHomeoffice. Wie sind Führungskräftedamit umgegangen? Die meisten Führungskräfte waren unvorbereitet, wie man inKrisenzeiten effektiv führt. Zum einen weil es sehr schnell ging, zum anderen fehlte es vielfach anWissen und Kompetenzen zum virtuellen Arbeiten. Das muss jetzt aufgearbeitet werden und gezielt überlegt werden, wie bestimmte Dinge wie E-Leadership und virtuelle Führung noch stärkerbetont werden können. ? WasmüssenFührungskräfte verbessern,umkünftig auchimE-Leadershipzu überzeugen? Bestimmte Dinge, wie Ängste oder Unsicherheiten müssen explizit angesprochen werden. Aber gerade vor der psychologischen Seite scheuen sich viele Vorgesetzte. Diese Kommunikation muss weitertrainiert werden.Außerdem müssen weiterhin technische Schulun- gen gemacht werden, um die neuen Kommunikationswegebesserzunutzen. Da gab es zwar bei vielen eine steile Lernkurve, aber mein Gefühl ist, dass es noch effektivergenutztwerdenkönnte. ? Worauf hättenFührungskräfte in den letzten Wochen ihren Fokuslegen sollen? Mitarbeiter hätten in der Krise besser abgeholtwerden müssen,umUnsicherheiten zu nehmen, oder sie in strategische Fragen miteinzubeziehen. Wie geht es jetzt weiter und wie passen wir unsder Krisean? Also dieKrise thematisieren und gemeinsam überlegen, wie kommenwir da am bestendurch. Doch für viele Führungskräfte stand nur die akute Bedrohung imVordergrund und wenigerdie Frage:Ist die Krise vielleicht auch eine Herausforderung, aus der wir wasPositives mitnehmenkönnen? ? Wie solltediese Kommunikation ausfallen? Reicht eineE-Mailandie ganze Belegschaftoderist ein persönlicher Anruf unverzichtbar? Je persönlicher, desto besser. Esmuss nicht jeden Tag sein, aber es bietet sich generell an, das Team allgemein anzusprechen und bei jedem einzuchecken. Besser als eine E-Mail sind ein persönlicher Anruf oder ein persönliches Gespräch. ? Nehmeneseinem die Mitarbeiter ab,wennbishermit der Unternehmenssituation intransparent umgegangen wurde und sicherst durchdie Krise die Kommunikation ändert? Es ist nicht so authentisch, wenn sich der Führungsstil auf einmal verändert. Aber ich denke, dass man die Krise nutzen kann, umseinen Führungsstil zu verbessern. Esmuss ja nicht unbedingt von einem auf den nächsten Tag passieren. Gerade jetzt setzt bei vielen Menschen die Überlegung ein, was im Arbeitsleben, aber auch im Privatleben wirklich wichtig ist. Ich denke, das hat auch dazu geführt, dass bei Führungskräften ein Umdenken stattgefunden hat, hin zu der Frage, was es bedeutet, zusammenzuarbeiten. ? Wasgiltes, alsChefin den nächsten Wochen vorzuleben? Ein Modell, zwischen Homeoffice und Präsenz. Gerade Vorgesetzte müssen diese hybride Kompetenz vorleben: Also, dass man einigeTageimHomeoffice sein kann und trotz des Hin- und Herwechselns, den Anschlussnicht verliert. Führen muss auch aus der Distanz gelingen. Damit geht auch der Wechsel zur Vertrauensarbeit einher, die viel motivierender ist, als das bisherige Modell,das auf Kontrolle beruht.Imbesten Fall wird so mehr und motivierter gearbeitet. Gespräch: Marvin Graewert Die Welt ist inBewegung: Märkte und Geschäftsmodelle verändern sich rasanter denn je. Umso wichtiger, einen Partner zu haben, der Ihre Ziele fest im Blick behält. Mit der LBBW anIhrer Seite meistern Sie die Herausforderungen des Wandels Bereit für Neues und bleiben langfristig erfolgreich. 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Wenn Zacher sich nicht gerade mit dem ThemaHomeoffice beschäftigt, forschtder 41-Jährige zumAltern im Arbeitskontext undder beruflichen Entwicklung. ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

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Der Restart erfolgt nun voraussichtlich mit dem „Markt der Musik“ Mitte August, einer Open-Air-Veranstaltung auf demMarktplatz,gefolgt voneinem Medizin-Kongress und Anfang September von „Cadeaux“ und „Midora“, zwei Fachmessen für Geschenke und Wohntrends sowie Uhren undSchmuck. NachdemSachsen Anfang Juni als erstes Bundesland Messen und Kongresse zugelassen hatte, konnten die Veranstalter ihre Arbeit wieder aufnehmen. Der Freistaat hat laut Martin Buhl-Wagner, Sprecher der Geschäftsführung der Leipziger Messe, „stark entschieden und verantwortungsvoll gehandelt“. Und wie ist zumRestart derStandder Dinge? Das entwickelte Hygienekonzept mit der Richtgröße von einem Besucher auf vier Quadratmetern entspreche allen behördlichen Anforderungen, sagt Martin Buhl-Wagner, Sprecher der Geschäftsführung. Auch die gelenkten Besucherströme, vier Meter breite und von den Ausgängen getrennte Haupteinlässe, Online-Tickets für ausschließlich registrierte Teilnehmer, Schutzmasken, Desinfektionsmittel, durchsichtige Trennwände. „Wenn jemand größere Veranstaltungen unter höchstem hygienischem Standard durchführen kann, dann sind esMesseund Kongressveranstalter“, gibt sich Co- Chef MarkusGeisenberger selbstbewusst. Das Führungsduo weiß um die Fähigkeiten der 427-köpfigen Belegschaft. Auch auf sie hat Corona enorme Auswirkungen. Seit März werde mobil gearbeitet –„was nicht schwer war, denn viele Mitarbeiter waren es bereits gewohnt, von unterwegs oder von zu Hause zu arbeiten“. Sie seien dort mit Rückabwicklungen und zugleich Vorbereitungen von Messen beschäftigt. Die Mitarbeiter der Cateringtochter Fairgourmet seien seit Anfang April in Kurzarbeit und seit Anfang Mai90Prozentaller Angestellten. Einen Teil der Gehaltseinbußen gleicht ihr Arbeitgeber aus. Das Management bewei- Martin Buhl-Wagner und Markus Geisenberger (v.r.) wissen Mitarbeiter und Kunden hinter sich –auch auf dieser Wand mit ihren Namen. Foto: Leipziger Messe/L.Zimmermann se Solidarität, die Geschäftsführerund Bereichsleiter, die weiter voll arbeiten, verzichteten in gleicher Größenordnung auf ihreGehälter, sagt Geisenberger. Staatsbetrieb ohne Tarifvertrag Allerdings gilt imStaatsbetrieb seit Jahren kein Tarifvertrag. „Die Leipziger Messe hat gute und faire Bedingungen“, entgegnet der Geschäftsführer. „Dies zeigt sich aktuell daran, wie wir die Kurzarbeit oderdas mobile Arbeiten gemeinsammit dem Betriebsrat ausgestaltet haben“, so der Diplom-Kulturwirt mit MBA-Abschluss. „Gleichwohl führen wir weiter Gespräche“, fügterhinzu. „Durchdie Corona-Krise haben sich diese terminlich verzögert, aber sie laufenweiter.“ Beim Umgang mit der Pandemie sieht sich der Konzern nicht in Verzug. „Wir haben umgehend und konsequent gegengesteuert, unsere Kosten reduziert und geplante Investitionen teilweise zurückgefahren“, sagt Geisenberger. Für einige Veranstaltungen würden digitale Konzepte entwickelt, andere, wie die „Designer’s Open“, beerdigt. „Wir stellen jetztmanches auf denPrüfstandund nutzen die Gelegenheit zur Neubewertung“, so der 52-Jährige. Die Situation sei für die gesamte Branche ein erheblicher Einschnitt, die Karten würden vielfach neu gemischt–mitneuen Chancen. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Wende inder DDR Schauplatz von Mustermessen –das Doppel-M im Logo erinnert daran, dominieren dort heute Spezial- und Publikumsveranstaltungen sowie Kongresse. Die Leipziger zeigen auch in München, Hamburg, Köln und Bochum Flagge. Eine der fünf Töchter kümmert sich um Auftritte in Russland, China, Japan, Polen sowie weltweit um Bundes- undLänderbeteiligungen. Der Konzern bildet die gesamte Kette des Veranstaltungsgeschäfts ab. 2018 hatte er mit 89,2 MillionenEuroUmsatz sein zweitbestes Geschäftsjahr bilanziert, zwei Jahre zuvor aber auch schon mal an der100-Millionen-Marke gekratzt. „Wir stellen jetzt manches aufden Prüfstandund nutzen dieGelegenheitzur Neubewertung.“ Davon können die Messemacher 2020 nur träumen. Dabei liefen die ersten zweieinhalb Monate wie geplant, Messen garbesser als erwartet.„Wirsind jetztbei einem Drittel des geplanten Jahresumsatzes“, sagt Martin Buhl-Wagner. „Wenn am Ende des Jahres nur ein Viertel des Umsatzes fehlt, ist das eine tolle Sache.“ Der 54-Jährige aus Annaberg-Buchholz, seit 2008 an der Messe-Spitze, befürchtet einen zweistelligen Millionenverlust. „Wir werden zusätzliche Unterstützungunserer öffentlichen Gesellschafter benötigen“, warnt er schon mal vor. Viel hänge vom zweiten Halbjahr ab. Aber: „Unsere Gesellschafter haben uns klar signalisiert, dass siezuuns stehen.“ Nicht die einzige Konstante in Zeiten, wo Corona soviel verändert. Auch der 6. Verteidigung des Titels „Servicechampion“ der Messebranche steht nichts im Wege. An der Strategie, Kunden alles aus einer Hand zu liefern, ändert sich laut Buhl-Wagner nichts. ImGegenteil: „Das Hygienekonzept mit detaillierteren Anregungen für Standbau und Standcatering beweist unsere Service-Orientierung.“ ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● Ost-Schaufenster Die LeipzigerMesse istmit 855 Jahreneineder ältesten weltweit. Dereinzige Standort voninternationalem RanginOstdeutschland zählt mit182.000 m 2 Ausstellungsfläche, so groß wie25Fußballfelder,zuden zehn führenden deutschen Messeveranstalternund denTop-50 weltweit. Die Eigentümer,hälftig der Freistaat unddie StadtLeipzig,gleichenihre branchenüblichen Verluste aus: im vorigenJahr 4,9 Millionen Euro,zuvorauch mal sieben Millionen. DieBilanz für 2019 will dieMesseführungMitte Juli vorstellen.(mr) ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● Nachhaltig kündigen Auch ingekündigte Mitarbeiter lohnt sich die Investition. Von Marvin Graewert W ertschätzung und Zusammenhalt schreibt sich jedes Unternehmen auf die Fahnen. Ob dieseWerte tatsächlich gelebt werden, zeigt sich spätestens am Ende eines Beschäftigungsverhältnisses. Doch selbst eine Enttäuschung beim Entlassungsgespräch kann nachhaltige Kratzer in der Unternehmenswahrnehmung hinterlassen: „Ein wenig wertschätzender Trennungsprozess kann jahrelange und aufwendige Bemühungen, die Arbeitge- berattraktivität zu steigern, unterwandern“, erklärt Arbeitsmarktexpertin SusanneVoltmer. Sie hatsich darauf spezialisiert, den Trennungsprozess sächsischer Unternehmen möglichst fairzugestalten. Denn jeder Mitarbeiter, der sein Unternehmen frustriert verlässt, mache seinem Ärger nicht selten auf Bewertungsportalen Luft –inder verbliebenen Belegschaft steigt nach jeder unschönen Trennung erst mal die Zahl der Krankmeldungen: „Keinem Mitarbeiter ist es egal, wenn ein Kollege im Trennungsprozess unfair behandelt wird“, macht Voltmer deutlich. „Es entsteht sofort eine Betroffenheit, die einen sehr großen Einfluss auf den Motivationserhalt und die damit verbundene emotionale Bindung zum Unternehmen hat.“ Um hingegen eine Auch beim Kündigen gilt es, einiges zubeachten. faire Trennungskultur zu etablieren, müsse zu allererst ein werteorientierter Trennungsprozess entwickeltwerden. Im Idealfall werden soaus Kündigungen einvernehmliche Trennungen. „Dafür muss den Mitarbeitern ein ganz neuer Blick auf die berufliche Zukunft ermöglicht werden“, führt Voltmer an. Die Mitarbeiter sollen sich nicht damit beschäftigen, ‚ob’ es zu einer Kündigung kommt, sondern ‚wie’ diese ablaufen könnte. Gerade indiesen unsicheren Arbeitsmarktzeiten lasse sich allein mit einer Abfindung dieses Umdenken nicht anstoßen: „Viel wichtiger ist es, dass die Mitarbeiter bei ihrer beruflichen Neuorientierungunterstütztwerden.“ Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Hoffnungslose Fälle kennt Voltmer nicht, ganz egal obaus betriebsbedingten oder persönlichen Gründen gekündigt wird. Wenn die inneren Werte nicht zur Unternehmenskultur passen, hat eine Kündigung sogar schon viele Arbeitnehmer völlig neu aufblühen lassen: „Eine faire Trennungskultur muss fester Bestandteil der Veränderungskultur in Unternehmen werden“, schließtVoltmer. Foto: AdobeStock Dass sich viele Arbeitgeber davor drücken, liege daran, dass für viele Führungskräfte das Entlassungsgespräch zu den herausforderndsten Momenten in der Karriere wahrgenommen wird. Gerade deshalb sei es besonders wichtig, sich besonders gut und rechtzeitig auf Trennungsgespräche vorzubereiten. Susanne Voltmer, voltmer@rundstedt.de

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