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Wirtschaft in Sachsen Herbst 2020

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Vielleichtist es die Erinnerung an diesen Dampfer, die Robert Straubhaar bewogen hat, zum 1.September die älteste undgrößte Raddampferflotte derWeltzu übernehmen, die Weiße Flotte in Dresden. „Wer weiß“, sagt der 59-jährige Schweizer. „Ich bin jedenfalls schon als kleiner Junge auf der ‚Lötschberg‘ mitgefahren.“ Jahrzehnte später steht Straubhaar auf dem Anlegesteg des Motorschiffes „Gräfin Cosel“ am Dresdner Terrassenufer. Mit derWeißen Flotte ist seinein Basel beheimatete United Rivers AG weiter gewachsen. Dabei dirigiert der neue Kapitän dersächsischen Dampfschiffebereits rund 3.200 Mitarbeiter. Ermanagt 111 Schiffe und erwirtschaftet einen Umsatz von gut230 MillionenEuro. Seine Wurzeln indes hat dieser Konzern in den Bergen am Brienzer See. Straubhaar wuchs dort auf, in einem 630-Seelen-Dorf. Sein Vater war ein Holzbildhauer aus Frankreich, die Mutter Köchin. Zur Schule fuhr er im Winter auf Skiern, hinunter nach Brienz. 1977 hatte er seinen Abschluss in der Tasche, wollte Forstwirt werden. Aber es gabkeine Lehrstelle. „Da hat der Berufsberater gesagt, tja, mit den schulischen Leistungen wäre Auf Kurs mit Dresdens Dampfern: Robert Straubhaar. Foto: Marion Doering doch der Rheinschiffer vielleicht etwas für dich“, erzählt Straubhaar. 1977 begann seine Laufbahn bei einer Reederei in Basel: Schiffsjunge, Matrose, Kapitän. Er wurde Betriebsleiter im Hafen von Rotterdam, lernte Französisch in Nizza, versuchte sich zwischenzeitlich als Getränkehändler, ehe er sich dann doch wieder dem Rhein zuwendete und schließlich vier Containerschiffe managte. Die Zeit, die ihn nachhaltig prägte, war die beim Militär. Der inzwischen sechsfache Vater brachte es bis zum Oberstleutnant und kommandierte vier Jahre lang die einzige Brückenbau-Kompanie der Schweizer Armee. „Ich bin, organisatorisch gesehen, ein Militarist“, sagt er. Als „tollen Strategen“ lobt ihn sogardie Konkurrenz. In seinemLebenslauf bezeichnet sich Straubhaar als „führungsstarken kommunikativenTeamplayer“. Ein sich abschottender Unternehmer ist erjedenfalls nicht. Beim Bierchen erzählt er offen aus seinem Privatleben, von Siegen und Niederlagen. „Wenn ich mich öffne, gewinne ich Vertrauen. Das kommt oft zurück. Diese Erfahrung ist wie ein Brunnen für mich.“ Sein Gang ist federnd, fastjugendlich. Einerfolgreicher Macher mit Bodenhaftung, dem ganz offensichtlich die Unternehmenserfolge nichtzuKopf gestiegensind.Der noch zu dienen weiß. Denn Dienstleistungen haben vermögend gemacht. Zunächst kümmerte er sich um die indie Schweiz ausgelagerte Flotte derKöln-Düsseldorfer. Als dort im Jahr 2000 die US-Firma Viking River Cruises einstieg, sei er „überflüssig“ geworden, erzählt er. „Wir haben uns getrennt, und dann war ich arbeitslos.“ Straubhaar ging anLand und brachte das Kultur- und Kongresszentrum in Luzern wieder auf Kurs.Zwei Jahre währtedieses Gastspiel, da klopfte erneut eine US- Schifffahrtsfirma bei ihm an. 2003 ging es für Straubhaar erstmals indie USA. In Boston wurde er Tour Operator für einen Kreuzfahrtanbieter. Dort nannten ihn alle Rob. Straubhaar vernetzte sich in der Szene, kehrte zurück in die Schweiz und machte sich selbstständig, mit einem holländischen Cateringspezialisten. Die beiden gründeten die Beratungsfirma River Advise AG in Basel. „Anfangs dachte ich mir, ich könnte davon ganz gut leben und trotzdem abends um sechs nach Hause gehen“, erinnert sich Straubhaar. Seine Idee, Schiffe, Technik, Gastronomie und Personal für Kreuzfahrtanbieter bereitzustellen, kommt an. Erkassiert bis zu 90.000 Euro pro Schiff und Jahr und macht Geld mit Hotel- und Catering-Services sowie Beratung. Straubhaar absolviert einen Masters-Lehrgang am Zentrum für Unternehmensführung Zürich, „aber nicht mit Zertifikat, dafür hatte ich keine Zeit“. Den wichtigsten Start-Up- Preis der Schweiz gewinnt er trotzdem. 2012 fusioniert River Advice mit der US- Firma International Shipping Partners. Man formt daraus mithilfe von Risikokapital die Holding Fleet Pro. Straubhaar geht nach Miami. Außer Deutsch und Französisch spricht er nun Englisch, Niederländisch und Portugiesisch. Seine zweiteFraustammt aus Brasilien. Das Florida-Abenteuer dauert drei Jahre. Dann kehrtStraubhaar in die Schweiz zurück, verkauft Fleet Pro. 2016 übernimmt er die angeschlagene Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrt. Straubhaar macht sie wieder flott. Wie? „Mit meiner Auffassungsgabe sowie dem Gespür für die Situation, für das Wesentliche und das Machbare“, antwortet er. Genau das will der Schweizer nun mit der Weißen Flotte wiederholen.

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