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Wirtschaft in Sachsen Herbst 2020

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Foto:WMS SaxoniaNetwork Systems GmbH wächst weiter DerIT-Dienstleisterexpandiertmit Hilfe des WMS WachstumsfondsMittelstandSachsen Unternehmen können sich auf unterschiedliche Arten weiterentwickeln. Anorganisches Wachstum durch Zukäufe –im Sinne einer Buy-and- Build-Strategie – ist dabei eine Möglichkeit, die von der SNS Saxonia NetworkSystemsGmbHaktivverfolgt wird. Der mittelständische Full-Service-IT-Dienstleisteraus Markkleeberg bei Leipzig hat schon inder Vergangenheit diesbezüglich unternehmerisches Geschick unter Beweis stellen können und sich bietende Chancen genutzt. So wurden die Standorte in Thüringen und Berlin durch Einbindunglokaler Systemhäuser in dieSNS erfolgreichintegriert. SNSist Dienstleister für Mittelstand, Kommunen undBehörden Das Systemhaus wurde 2002 vom LeipzigerUnternehmerFrank Tornau gegründet und zählt insbesondere die regionale mittelständische Wirtschaft sowie Kommunen und Behörden zu seinen Kunden. In diesem Jahr wurde nun mit Mitteln des WMS Wachstumsfonds Mittelstand Sachsen ein weiterer großer Schritt im Rahmen der langfristigen Wachstumsstrategie gemacht: SNS erwarb die Anteile am Chemnitzer Klengel Systemhaus, um künftig als größere Einheit am Markt auftreten zu können. Beteiligungskapital alsChance fürdie sächsische Wirtschaft Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer war indiesem Sommer persönlich vor Ort bei SNS, um das Unternehmen und dessen handelnde Personen kennenzulernen. Gemeinsam mit SNS-Geschäftsführer Frank Tornau und den beiden WMS-Geschäftsführern Harald Rehberg und Stefan Leermann gab es einen intensiven Austausch über die Chancen von Beteiligungskapital für sächsische Unternehmen. DerWMS,der nunseitmehrals zehn Jahren in der zwischenzeitlichdritten Auflage Unternehmen finanziert, ist dabei ein gutes Beispiel: Erbegleitete bisher über 30Mittelständler im Freistaat bei organischen und anorganischen Wachstumsvorhaben sowieNachfolgelösungen. Für SNS war der diesjährige Schritt sehr wichtig. Mit nun rund 50 Mitarbeitern ist eine deutlich größere Einheit entstanden, die mit entsprechender Schlagkraft am Markt auftreten kann. Zudem bietet die Zusammenarbeit mit dem WMS aus Sicht von Unternehmer Tornau großes Potential, um mögliche weitere Wachstumsschritte gemeinsam und damit schneller gehen zu können. Denn: SNS istmit seiner Wachstumsstrategie noch lange nicht am Ende angekommen! INTERVIEW MIT HARALD REHBERG GESCHÄFTSFÜHRER WMS Herr Rehberg, der Wachstumsfonds Mittelstand Sachsen (WMS) begleitet Mittelständler in Sachsen partnerschaftlich als Eigenkapitalgeber. Was macht die mittelständischen Unternehmen imFreistaat so besonders? In erster Linie besticht der sächsische Mittelstand durch Kreativität und Pragmatismus. Dank dieser Eigenschaften –verbunden mit einer gewissen Beharrlichkeit – konnten sich viele unsererUnternehmen wiedereine gute Marktposition erarbeiten. Auffällig bleibtjedoch die Kleinteiligkeit des sächsischen Mittelstandes. Dies ist sicherlich der Historie geschuldet. Anders als inden alten Bundesländern fehlen in Sachsen, wie in Ostdeutschland insgesamt, große Konzerneinheiten. Die Herausforderung fürkleinere undmittlere Unternehmen bestehtdarin,mit den –im Vergleich zugrößeren Betrieben – begrenzten Ressourcen, z.B. im Hinblick auf F&E-Ausgaben, wettbewerbsfähig zu agieren. Wir erleben allerdings immer wieder, dass dies sehr gut gelingen kann. Der sächsische Mittelstand ist vor allem dank seiner Unternehmer und Arbeitnehmererfolgreich. Nicht umsonst wurde vor einigen Jahren „fischelant“ als beliebtestes Wort in Sachsen gewählt. Dies spiegelt bis heute gut den Zeitgeist imFreistaat wider. Wie können sich die sächsischen Unternehmen gut am Markt positionieren? Letztlich haben Unternehmen zwei Möglichkeiten sich zu vergrößern: durch organisches oder anorganisches Wachstum. Beim organischenWachstum erfolgt dies„aus eigener Kraft“, beispielsweise durch neue Produkte, Internationalisierungsstrategien oder Gewinnung neuer Zielgruppen. Letztlich geht es immer wieder darum, den eigenen Marktanteil auszubauen.Häufigsind hierfür allerdings signifikante Investitionen nötig. Wir haben beispielsweise mehrere Unternehmen begleitet, die das Thema Internationalisierung erfolgreich gemeistert haben: zum Beispiel GETT Gerätetechnik GmbH aus Treuen, Dr. Födisch Umweltmeßtechnik GmbH aus Markranstädt oderZehnderPumpen GmbH mit Sitz in Grünhain-Beierfeld.Alternativ kann Wachstumauch durch Zukäufe erfolgen, also „extern“, wie im Fall von Saxonia Network Systems GmbH. Dies ist nicht nureineStrategie für größereUnternehmen, wie das Beispiel SNS verdeutlicht, sondern sollte auch durch Mittelständler verfolgt werden. Durch Zukäufe von Wettbewerbern oder Zulieferernkann dasLeistungsspektrum vergleichsweise schnell ausgebaut unddamit die eigene Positionierung gefestigt bzw. verbessert werden. Viele mittelständische Unternehmen suchen händeringend nach entweder qualifizierten Arbeitskräften oder aber auch nach Nachfolgern. Gerade Letzteres ist seit Jahren ein Dauerbrenner. Welche Hilfe kann der WMS bieten? WMSWachstumsfondsMittelstandSachsen c/oCFH Management GmbH Hainstraße4,04109Leipzig Tel.:0341-2569630 E-Mail:mittelstand@wachstumsfonds-sachsen.de Harald Rehberg, Geschäftsführer der CFHManagement GmbH und des WMSWachstumsfondsMittelstandSachsen Foto:WMS Dem Thema Fachkräftemangel kann man am besten begegnen, indem man sich durch das beschriebene organische oder anorganische Wachstum erfolgreich amMarkt positioniert und somit attraktiv für potenzielle Arbeitnehmerist. Die Regelung der Nachfolge ist eine weitere Herausforderung, der sich gerade auch der sächsische Mittelstand gegenübersieht. Eine familieninterne Lösung ist jedoch häufig nicht gegeben. Aus diesem Grund mussinder zweiten Führungsebene oder außerhalb des Unternehmens gesucht werden, um einen passenden Nachfolger zu finden. Hierzu lohnt es sich, auf externe Unterstützung zurückzugreifen. Bei diesen Themen begleiten wir als WMS die Unternehmen gerne –sowohl durch die Bereitstellung von Eigenkapital alsauchdurch unserKnowhow. Wir sind seit über 20 Jahren in Sachsen aktiv und können damit entsprechende Erfahrungswerte und ein umfassendes Netzwerkbieten. In welche Branchen investiert der WMS? Grundsätzlich schauen wir uns jede Branche an. Wichtig für uns ist, dass die Unternehmen ihren Sitz oder eine Betriebsstätte in Sachsen haben und eine gewisse Größe aufweisen (i.d.R. mindestens 5Mio. Euro Umsatz). Alle weiteren Aspekte besprechen wir individuell mit den Unternehmern. Die Finanzierungsstruktur ist immer speziell auf die Unternehmenssituation zugeschnitten, so dass bei uns kein Vertragswerk dem anderengleicht. Wann wenden sich UnternehmerkonkretanSie? Die wichtigsten Finanzierungsanlässe, mit denen Unternehmer auf uns zukommen, sind die bereits angesprochenen organischen Wachstumsvorhaben, geplante Zukäufe, Altersnachfolgelösungen, aber auch die Herauslösung einzelner Gesellschafter. Oftmals diskutierendie Unternehmer zunächst auch nur ihre jeweiligen Fragestellungen mit uns, um sich selbst ein besseres Bild von ihren Möglichkeiten zumachen. Dafür stehen wir gerne bereit, denn letztlichist Vertrauen die Basisinunserem Geschäft und dies ist ebenfalls etwas, was über die Zeit wachsenmuss.

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Neben dem Frischemarkt des Investors bietet das Center 6.700 Quadratmeter Einzelhandelsfläche, 1.200 Quadratmeter für Büros und Praxen und 2.800 m 2 für betreutes Wohnen. „Edeka wird von der Altstadt profitieren und umgekehrt“, sagt Hanke. Auch für Deutschlands größte Lebensmittelkette ist die Investition besonders. Wirtschaft in Sachsen sprach mit Sebastian Kohrmann,Chef der Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen Stiftung &Co.KG. Herr Kohrmann, Siesagen,das Scheunenhofcenter seifür den HandelsriesenEdekaNeuland. Ja, zumindest in Nordbayern, Sachsen und Thüringen ist es so. Normalerweise bauen wir einen Markt mit einigen Mitmietern–nicht aber so eingroßes Objekt mit mehreren Geschossen, Tiefgarage undWohnungen für betreutesWohnen. Undwohlauch miteiner ungewöhnlichenInvestitionssumme? Ja, dort steckt ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag drin. Edekahat Großes vor: Investitionenvon 450 MillionenEuro in Logistik- undProduktionsstandorte in Nordbayern undSachsen. Ein Teil fließt in die Erweiterung des Lagers in Berbersdorf an der A4bei Chemnitz, unsereDrehscheibefür Sachsen und Thüringen. Durch Anbau und Zukauf vom Pflanzengroßhändler Landgard erweitern wir die Fläche auf 90.000 m 2 . Dann gibt’s bei den 430 Mitarbeitern allesaus einerHand, auchThekenware. Unweit desPirnaer Centers gibt es einen Marktvon SchwesterNetto. Entscheidet die Zentrale in Hamburg,wer sichwoniederlässt? Beide haben ein eigenständiges Profil. Was Netto macht, erfahren wir oft erst aus der Zeitung. Nur vereinzelt gibt es Kombinationsstandorte. Edeka ist dezentralorganisiert, Kaufleuteund Märkte haben hohe Entscheidungsgewalt. Die Regionalgenossenschaften kümmern sich um Einkauf, Filialentwicklung, Vertrieb, Logistik –die Zentrale um die Strategie. Jede Ebene hat größten Spielraum. Märkte und Konzepte sind überregional –wie einBaukasten, aus dem sich der Betreiber vor Ortherauszieht,was er braucht. Pirnascheint jetztgut versorgt. Das Center ist mit 2.500 m 2 Verkaufsfläche kein SB-Warenhaus wie Globus oder Kaufland, sonderngenaudie richtige Größe für ein Mittelzentrum –und unser erfolgreichstes Format. Ich verantworte 80, 90 solcher E-Center. In Sachsen haben wir mit nur sechs solcher Standorte im Großraum Dresden, darunter mit Simmel einen Top-Player, noch Potenzial. Daher wollen wir dort verstärkt mit diesen Märkten expandieren. Und werbraucht alldie Märkte?Der IHK-HandelsatlasbescheinigtOstsachseneine Überversorgung. Die Pro-Kopf-Verkaufsfläche liegt dort mit 1,6m 2 noch über der vonMünchen Nur fürs Foto ohne Maske präsentiert Edeka-Regionalchef Sebastian Kohrmann das neue E-Center in Pirna. VomWürzburger Vorort Rottendorf aus lenkt er die Geschicke inFranken, der Oberpfalz, Thüringen und Sachsen. Die Regionalgesellschaft repräsentiert mit 875 Märkten, 45.000 Beschäftigten und 4,25 Milliarden Euro Jahresumsatz (3,8 Milliarden ohne die selbstständigen Kaufleute). Das Geschäft von Primus Südwest ist mit 9,1 Milliarden Euro mehr als doppelt sogroß. Foto: Jürgen Lösel miteiner viel höheren Kaufkraft. Dort gibt es nicht so viele Neubauten auf der Grünen Wiese. Hier balgen sich Aldi und Lidl um die Oberzentren. Aber in weiten Teilen Mittelsachsens gibt es keinen Discounter mehr und von Chemnitz biszur tschechischen Grenzekeinen Lidl. Neben anderenhatte sich auch Edekafür Realmärkte interessiert. Wievielewerden blau-gelb? Das wüsste ich auch gern. Ende August hatten wir 72 Standorte beim Kartellamt angemeldet. Wir rechnen invier Monaten mit einer Entscheidung und hoffen, auch in Sachsen zumZug zu kommen. DieGerüchteküche brodelt: Riesa, Bannewitz ... Ich beteilige mich nicht anSpekulationen –auch, um die Mitarbeiter vor Ort nicht zu verunsichern. Apropos:Wie kamEdekabislang durch die Krise? In Königstein musste ja eineFiliale nach einerInfektion vorübergehendschließen. Auch in der Verwaltungund in den Logistikzentren gab es wenige Fälle. Wir hatten umfassende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, Desinfektionsständer aufgebaut, Plexiglas an den Kassen angebracht und Hygienekonzepte entwickelt. In der Verwaltung tragen wir im Treppenhaus Masken. Spannend war, wie sich das Verbraucherverhaltenverändert hat. Inwiefern? DieLeute kaufen seltener, abermehr ein. Und sie fahren vielleicht einmal weniger in den Urlaub und gönnen sich dafür hochwertigeLebensmittel. Es gabauchEngpässe, etwa beim Toilettenpapier.SindSie auf eine zweite, dritte Welle vorbereitet? Ja. Wir haben mehrere Tausend Paletten mit den wichtigsten Artikeln, die damals ausgegangen waren, in sonderangemietetenLagern bevorratet. Der Ansturm am ersten Tag zeigte, wie nötig Pirna das Center inder Altstadt hatte. IstEdekaein Corona-Gewinnler? Nein, wir hatten auch Umsatzeinbrüche als Vermieter etwa für den Textilhandel undbeimGroßhändler Cash &Carry, den unserFoodservice betreibt.Dazumussten wir Hygienemaßnahmen, Securitykosten, Zusatzschichten finanzieren und haben Mitarbeiter mit Gutscheinen belohnt. Dennoch stand bis Ende Juli ein Umsatzplus von 13,5 Prozent gegenüber der gleichen Vorjahreszeit. Als die Hamsterwelle schwappte, war es wie Weihnachts- und Ostergeschäft zugleich –in Summe einesehr spannendeZeit. Auch weil die DigitalisierungzusätzlichenRückenwind bekam? Der Nutzen der Digitalisierung liegt in der Logistik, inder Verwaltung mit Videokonferenzen, in den rückwärtigen Prozessen und inden Märkten mit Selfscanning. In der Online-Lebensmittelbestellung gibt es zwar Pilotmärkte, aber dort sind wir wegen der großen Marktdichte in Deutschland weit weg von Profitabilität. Der Anteil derer, die sich Waren nach Hause liefern lassen, ist, anders als in den USA, homöopatisch. Das bargeld- und kontaktlose Bezahlen via Smartphone oder Kreditkarte und ohne Pin boomt hingegen, das istdie Zukunft. Undwas brachte die Senkung der Mehrwertsteuer? Zunächst einen Riesenaufwand, denn für bis zu40.000 Artikel mussten Preisschilder gesteckt werden. Das Ganze hat uns zunächst Ertrag gekostet. Wir haben die Senkung nicht nur 1:1 an die Verbraucher weitergegeben, sondern den Preis noch abgerundet. Daswar wichtig fürdas Vertrauen der Kunden. Der höherwertige Fotos:DanielFörster,Thomas Möckel Nonfoodbereich dürfte von der Senkung mehr profitierthaben. AufIhrerWebsite steht: „Wir glaubenanPotenziale.“Welches Potenzial sehen SieinSachsen? Wir wollen dort unsere Marktführerschaft ausbauen und erweitern unser Logistikzentrum, umjährlich um drei, vier Prozent zuwachsen. Trotz Corona liegt nichts auf Eis. In den nächsten zwei Jahren sind im Großraum Dresden zehn, zwölfMärkteamStart.Mindestens. DasGesprächführte Michael Rothe ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● Starke Gemeinschaft Edekaist eingenossenschaftlich organisierter kooperativerFirmenverbundimEinzelhandel. Der Namestehtfür „Einkaufsgenossenschaftder Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin“. 1898schlossen sich 21 Kaufleute zusammen, 1907 formiertesich in Leipzigder Verband, aus dem die EdekaZentralewurde.Sie teilt sichmit einer odermehrerenGenossenschaftenAnteileansieben Regionalgesellschaften, eineheißt Nordbayern-Sachsen-Thüringen. NachÜbernahmevon Spar und Nettoist Edekamit guteinem ViertelMarktanteilder größte deutsche Lebensmitteleinzelhändler. 2019 erwirtschafteten 381.000 Mitarbeiter in rund 11.300 Filialen 55,7 Milliarden Euro Umsatz. (mr) ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

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