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Wirtschaft in Sachsen Herbst 2020

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Foto: Steffen Unger U Viele Azubis eingestellt lrich Thiemes ersten Jahre in der Meißner Traditionsdruckerei sind schon von Umbrüchengeprägt,als an dieWende nochgar nichtzu denken ist: Sein Vater stirbt, lange bevor er seine Ausbildung abgeschlossen hat –nur durch eine Ausnahmegenehmigung kann das Familienunternehmen weiter bestehen. Als Thieme 1986 endlich den Betrieb leiten darf, beginnt er damit, die Druckmaschinen nach und nach zumodernisieren: „Nur umdrei Jahre später alles wegzuschmeißen.“ Druckbranchewar in besonderer Situation Durch die Wende wurden die relativ modernen Buchdruck-Maschinen von einem auf den anderen Tagmuseumsreif. Trotzdem blieb seine Branchevon einer großen Pleitewelleverschont:Zwar arbeitetedie neue Konkurrenz schon ganz selbstverständlich mit einem völlig neuen Druckverfahren, dafür gab esaber auch imWesten noch keine großen Druckkonzerne. Seine großen Auftraggeber wie die bekannte Meißner Porzellanmanufaktur und den Kunstverlag Brück &Sohn konnte Thieme biszuletzt halten. Die unausweichliche Entwicklung traf die Branche erst später: Vor zehn Jahren musste auch Thieme Insolvenz anmelden. Seit der Übernahme durch dasDruckhaus Mainfranken ist das Unternehmen breiter aufgestellt und lässt sich vonder Corona-Krise nicht ausder Ruhe bringen. Mit dem neuen Eigentümer kamen viele neue Aufträge von Internetdruckereien dazu – die seien auch während der Krise konstant geblieben und würden die Hälfte des Umsatzes ausmachen, erklärt Thieme, der trotz der Krise so so viele Azubis eingestellt hat wie noch nie. Außerdem hat er eine neue Druckmaschine für 2,3 Millionen Euro angeschafft, die nicht nur schneller und umweltschonender druckt, sondern auch wirklich das neuste Druckverfahren ermöglicht. (SZ/mgr) Voll im Fahrrad-Boom ie Coronakrise hat viele Händler hart getroffen Fahrradgeschäfte in ganz Deutschland. „Nachder Inzwischen übernimmt John regelmäßig D mit Sicherheit nicht dazu, wie die Entwicklung Wende haben sich viele als Fahrradhändler von Little John Bikes eindrucksvoll bestätigt. Nie in der Firmengeschichte wuchs das Unternehmen schneller als in diesem Jahr, E-Bike-Boom und grüner Welle sei Dank. „Allein in den vergangenen selbstständig gemacht, die nun vor der Herausforderung stehen, ihr Lebenswerk zu übergeben“,sagter. Diese Lücken fülle nuninvielen FällenLittleJohn Bikes. neun Monaten konnten wir sechs neue Filialen eröffnen“, sagt Steffen John, Geschäftsführer, Gründer und damit auch Namens- DieEröffnungder 50. Filialeals nächster großer Meilenstein geberdes Unternehmens. Mit seinen insgesamt 35 Filialen, die meisten in den neuen Ländern, und 250 Mitarbeitern ist Little John Bikes heute eines der führenden Fahrradeinzelhandelsunternehmen in Deutschland. Niemals hätte sich John daserträumen lassen, als er Anfang der 90er-Jahre seinen kleinen Zulieferbetrieb in Neukirchinder Lausitz gründete.1997 folgte der größte Bruch in der Unternehmensgeschichte. Aus dem Zulieferer wurde nach und nach eineigenständiger Fachhändler. Nachdem der Firmensitz vor sechs Jahren nach Dresden verlegt worden ist, wurde der Expansionskurs nochmals beschleunigt. „Innerhalb der nächsten zwei Jahre wollen wir die 50. Filiale eröffnen“, sagt John. „Das ist der nächste großer Meilenstein für uns.“ Und dann? Gerade die Fahrradwelt drehe sich so schnell, dasseine seriöse Prognose kaum möglich sei. Eines aber steht für Steffen John fest: „Was immer die Zukunft bringt, wir werden es unserenKundenanbieten.“ (SZ/hbe) A uf der Äußeren Weberstraße in Zittau läuft’s. Zufrieden stemmt Frank Scholze die Hände in dieHüften. Aufseine Leute kann sichZittaus größter Bauunternehmer verlassen. Seine Leute aber auch auf ihn. An diesem Nachmittag auf der Baustelle redet Frank Scholze vom Abschied. Nach 30 Jahren werden er und seine Frau Petra, Mitgesellschafterin und Prokuristin, die von ihnen mitgegründete Oberlausitzer Straßen-, Tief- und Erdbaugesellschaft verlassen. Er sei jetzt 64, sagt Frank Scholze, und seine Entscheidung habe ganz pragmatische Gründe. Nach und nach werde die ganze Mannschaft verjüngt. „Die Firma muss sich aufs digitale Zeitalter einstellen“, sagtder Oderwitzer.„Dasist wichtig,um dranzubleiben.“ Aber für einen wie ihn, der nicht mal E-Mails beantwortet, sei das nichts mehr. Dranbleiben musste Scholze immer. Seit drei Jahrzehnten. Seit jenem 1.Juli 1990, dem einzigen Tag, an dem es in den Wende-Wirren möglich war,dassehemalige PGH-Mitglieder Gesellschafter einer GmbH werden konnten. An jenem Tagalso gründeten 40 Zittaus größter Bauunternehmer geht Führungs- und Generationswechsel bei der Osteg: Petra und Frank Scholze (r.) übergeben die Firmenleitung an Jan Wildenhain (l.) Foto: MatthiasWeber Mitarbeiter der Zittauer „PGH Steinsetzer und Straßenbauer“ Hals über Kopf dieOsteg.„Und du, Frank, machst denGeschäftsführer“, haben sie beschlossen. Frank Scholze erzählt das schmunzelnd: „Ich war jungund unerfahren,abersehr motiviert“, sagt er. Aber es kamen schwierige Zeiten: Ende der 1990er setzt das große Firmensterben am Bau ein. Auch jetzt ist das Geschäft nicht leicht. „Die Hochwassermaßnahmen sind alle so gut wie fertig“, erklärt Scholze, „undBreitbandwird auch bald überall liegen.“ Deswegen will die klassische Tiefbaufirma jetzt auch imHochbau Fuß fassen. Frank Scholze schickt seine Leute nicht weit weg auf Montage. „Wir bauenregional“, sagter. Vielen seinerMitarbeitersei daswichtiger als derVerdienst. Und Scholze wäre nicht Scholze, hätte er nicht auch seinen Ausstieg schon weit vorausschauend geplant. Bis zum Jahresende wollen die Alten ihre Nachfolger Marco Matthäi undJan Wildenhain noch „hilfreich begleiten“, wie Frank Scholze das nennt, danngeht Zittaus größter Bauunternehmer.(SZ/ju)

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Foto: ClaudiaHübschmann Sie lassen die Bänder rollen V on den Fenstern der kleinen Bautzener Firma Covac blicken die Mitarbeiter direkt auf das große Werksgelände des Schienenfahrzeugbauers Bombardier. Und stünde nicht noch eine Werkhalle dazwischen, hätten sie das neue Prüfzentrumfür Waggons vor Augen. Dort steckt auch ihre Arbeit drin: Covac lieferte dafür Schalt- und Steueranlagen. Covac-Technik lässt aber auch im Bautzner Senfwerk, bei Müllermilch in Leppersdorf und bei Jägermeister inKamenz die Bänder rollen. Für einen namhaften Lkw-Hersteller in Schweden rüsteten die Bautzener ein Werk mit Elektronik aus, ebensoeine Flugzeugwerftimsibirischen Irkutsk. Covac-Gründer Klaus Lehmann trug einst beim DDR-KombinatSchienenfahrzeugbau Verantwortung für Elektronik. ImUmbruchjahr1990 sollte er spezielle Technik besorgen und traf dabei inBerlin einen Unternehmer aus der Schweiz. Dessen Firma Covag lieferte genau das Gesuchte – da taten sich Geschäfte auf. Der Schweizer und der Oberlausitzer gründeten ihre gemeinsame Firma Covac inBautzen. Fünf Jahre später trennten sich ihre Wege im Guten. Klaus Lehmann hatte genug verdient, umseinem Compagnon dessen Geschäftsanteile abzukaufen und die GmbH allein zu führen. Sohn Gerd arbeitet seit1999imväterlichenBetrieb mit.Ursprünglich Klempner und Installateur, sattelte erauf Elektronik umund setzte sich dazu auch inden Hörsaal der Berufsakademie Bautzen. Ende 2013 räumte der Vater den Chefsessel für den Sohn, der sich in dieGeschäftsführung eingearbeitethatte. Wenn der 47-Jährige seinen Vorgänger mal braucht, ist er nicht weit: Der mittlerweile 72-Jährige macht sich noch in Forschung und Entwicklung bei Covac nützlich. „Aus der operativen Arbeit halte ich mich aber heraus und treffe auch keine Entscheidungen für den Betrieb“, erklärt Klaus Lehmann –und freut sich, dass es dem Unternehmen mit mittlerweile 20Mitarbeitern drei Jahrzehnte nach dem Start als Fast-Einzelkämpfer so gutgeht. R Nach oben gearbeitet ichard Raue aus Leutewitz bei Meißen hat sich ganz nach oben gearbeitet. Der heute 35-Jährige fing als Mauerlehrling im Baubetrieb seinesVaters an,war Vorarbeiter undPolier, qualifizierte sich zum staatlich geprüften Techniker. Seit fünf Jahren leitet erdas Unternehmen, welches Hoch- und Tiefbauarbeiten, Altbausanierung und Ausbau durchführt. Zeitweise waren 80 Leute beschäftigt. Doch nach dem Nachwende-Boom kamdas große Tief. Inzwischen hat die Firmawieder viele gute Aufträge. Derzeit sind 24Leute angestellt. Firmahat einenguten Ruf Die Firma hat gut zu tun, vor allem inden vergangenen fünf Jahren sind die Aufträge deutlich angestiegen. Bis Mitte nächsten Jahres ist der Betrieb vorerst mit Arbeitversorgt. Nicht nurinder Region Meißen, woRaue-Bau derzeit die Sporthalle in Krögis saniert, hat sich das Unternehmen einen guten Ruf erworben. In Dresden hat die Firma beispiels- weise den kompletten Rohbau für eine Zwei-Feld- Sporthalle hingestellt, die 15. Grundschule inder Neustadt saniert. Auch in der Athletikhalle im Heiligen Grundwar das Unternehmen maßgeblich beteiligt. Gearbeitet wird das ganze Jahr, EntlassungenoderKurzarbeit im Wintergibtesnicht. Ihren Sitz hat die Firma inLeutewitz im ehemaligen Rittergut. Firmengründer Eberhard Raue hatte das Grundstück von der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft erworben. Es gehörte derFamilieSteiger,die 1945 enteignetund vertrieben wurde. Eberhard Raue hat den großen Hof komplett saniert. Es gibt dort 17Wohnungen, die alle vermietet sind. Viele Familien kommen aus Dresden und Umgebung. Sie schätzen die günstigen Mieten, die Ruhe, die großen Wohnungen und den Garten. Die Firma würde gern Leute einstellen, zum Beispiel Maurer, Beton- und Stahlbauer. Doch es findet sich niemand. Der Fachkräftemangel wird auch hier deutlich spürbar.(SZ/jm) G Vonder Kuchenbude zum modernen Küchenstudio ern erinnert sich Ina Starke (49), Geschäftsführerinder PalkoElektro Groß- undEinzelhandel GmbH inDöbeln, andie Zeit nach der Wende. Sie war damals gerade mal 19 Jahre alt, hatte ihre Lehre als Wirtschaftskauffrau abgeschlossen und schlug einen neuen beruflichen Wegein –einen, den sie niemals gehen wollte. Handel war für sie ein Tabuthema. Heute ist sie erfolgreiche Geschäftsführerin einesGroß- undEinzelhandelsunternehmens. Auch Schweißgeräte verkauft Wirklich neu war ihr nach der Wende das Thema weiße Ware nicht. Denn schon von Kindesbeinen an hatte sie mit Waschmaschinen oder Schleudern zu tun. Ihr Vater, Klaus Männel, reparierte die begehrten Maschinen nach Feierabend. „Eigentlich war es sein Traum, sich als Dienstleister in diesem Bereich selbstständig zumachen. Doch das war zu DDR-Zeiten nicht möglich“, sagte Ina Starke. Sie hat nun in gewisser Weise den Traum ihres Vaters verwirklicht. Klaus Männel hatihr dafür denWeg geebnet undsie Ina Starke hat gleich nach der Wende mit Peter Palberg begonnen, die Palko Großund Einzelhandels GmbH aufzubauen. Seit 1997 ist sie Geschäftsführerin. Sie hat sechs Mitarbeiter. Foto: DietmarThomas bis zuseiner Rente unterstützt. Wegen der Partnerschaft der Städte Unna und Döbeln hatte er Kontakt zu Peter Palberg, der in Unna ein Elektrofachgeschäfthatte.Der entschloss sich, in Döbeln einebensolches aufzubauen. „Er wollte nur übergangsweise mitwirken. Von Anfang anstand fest, dass ich einmal das Geschäft übernehme. Deshalb hat ermich in alles mit einbezogen“,sagte Ina Starke. DieWaren wurden zu Beginn gleich vom Laster, der an der Nicolaikirche stand, verkauft. Es fehlten die Räumlichkeiten.„Dann zogen wir in die Kuchenbude, wie wir das Geschäft ander Großen Kirchgasse nannten“, so Starke. Verkauftwurdennicht nurWaschmaschinen und Geschirrspüler, sondern alles, was die Leute brauchten –von der Nähmaschine biszum Schweißgerät. 1992 zog der Laden andie Marktstraße. Fünf Jahre später übernahm Ina Starke das Geschäft. Zuvor besuchte sie die Abendschule, hat nun den Abschluss als Handelsfachwirtin. Schweißgeräte gibt es nicht mehr bei Palko, dafür weiße Ware, Küchen undDienstleistungenwie Reparaturen.(DA/je)

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