Aufrufe
vor 2 Monaten

Wirtschaft in Sachsen Frühjahr 2021

  • Text
  • Entscheider
  • Wirtschaft
  • Corona
  • Thema
  • Dresdner
  • Frauen
  • Mitarbeiter
  • Zeit
  • Sachsen
  • Dresden
  • Unternehmen

44 LEBEN &STIL

44 LEBEN &STIL Bastelnper Video Ostereier filzen und Seifen herstellen – Das geht auch von zu Hause. Die beiden Jungunternehmer Luisa und Robin Koß haben sich dafür etwas überlegt: Sie betreiben die Kerzenwerkstatt in Moritzburg. Dort kann man normalerweise selber Kerzen ziehen und Frühlingskränze basteln. Im Frühjahr vergangenen Jahres musste das Geschäft Corona bedingt schließen, auch imWinter wurde die Ladentür wieder verriegelt. Deshalb haben die beiden in den Online-Handel investiert. Jetzt kann sich jeder Interessierte das passende Set einfach nach Hause bestellen und dort eifrig nach Videoanleitung basteln. Die große Luisa u.Robin Koß Kerzenwerkstatt Moritzburg Auswahl richtet sich an Kinder und Erwachsene. Entweder man legt selbst Hand an und bestellt ein Bastelset, um Seifen mit passenden Duftnoten zu versehen, frühlingshafte Kränze zu entwerfen oder Ostereierkerzen zu gießen, oder aber man lässt die Profis ans Werk. Sie gestalten individuelle T-Shirts, Taschen und vieles mehr. „Damit konnten wir sogar noch mehr Kunden aus ganz Deutschland erreichen.“ Auch langfristig will das frisch verheiratete Paar am Online- Handel festhalten. „Aber ich freu mich auch auf den normalen Betrieb in der Werkstatt“, sagt der 31-Jährige Robin Koß. Foto:Robin undLuisaKoß Tourismus: durch die DerLockdown hatdas Gastro-und gebracht.Einige Tourismusbetriebe undhoffen, dass der Der Elbradweg wurde zum beliebtesten Radfernweg Deutschlands gekürt. Archivfoto:W.Wittchen Womo-Dinner Sich mal wieder kulinarisch verwöhnen lassen? Die Spitzgrundmühle in Coswig hat das „Drive-In“ neu erfunden. Eigentlich beherbergt das Hotel Touristen in 14 Zimmern, veranstaltet Hochzeiten im Ballsaal und kocht nach tschechischer Küche im Restaurant. Seit Anfang Januar hat sich die Spitzgrundmühle Corona bedingt neu erfunden: Beim „Womo-Dinner“ kann man die tschechischen Köstlichkeiten in den eigenen vier Wänden genießen: Einfach telefonisch einen Parkplatz reservieren. Mit dem Wohnmobil hinfahren und die Speisekarte entgegennehmen. Den Rest erledigt das Personal vor Ort. Nicht Normalerweise verwöhnt Elisabeth König ihre Gäste am Lichtenhainer Wasserfall mit köstlichen Speisen aus der Region. Das 170 Jahre alte Fachwerkhaus liegt idyllisch am Dorfbach und lädt Wandergäste aus dem Kirnitzschtal zum Verweilen ein. Seit dem Ausbruch der Pandemie musste Betreiberin Elisabeth Königdie Türen mehrmals schließen. Im Winter hat sie sich kurzerhand was Neues überlegt:EineGulaschkanone. Seitdemist die Suppenkönigin, wie sie liebevoll genannt wird, auf dem Markt anzutreffen. Mittwochs in Pirna und freitags in Sebnitz : „Dort warten die Leute schon mit den Töpfchen auf Azubi Jonas Meyer Gasthof Spitzgrundmühle auf Plastiktellern, sondern mit richtigem Besteck auf weißer Tischdecke werden die Speisen serviert und im eigenen Wohnmobil genossen. Einziger Haken an der Sache: Man braucht einen Wohnwagen. Die Spitzgrundmühle wollte hier mit angemieteten Wohnwagen nachhelfen, konnte beim Gesundheitsamt aber keine Erlaubnis erhalten. Die Spitzgrundmühle hat täglich von 11 bis 20Uhr geöffnet und bietet neun Parkplätze. Eine Reservierung ist per E-Mail unter (info@spitzgrundmuehle.com) oder Telefon (03523/77500) möglich. Ein vorheriger Spaziergang durch denFriedewaldlohnt sich. Foto:privat Suppe vomMarkt Elisabeth König Gasthof Lichtenhainer Wasserfall mich.“ Gemeinsam mit ihren Azubis verkauft sie drei verschiedene Suppen für die Mittagspause. Das Angebot variiert. „Eine vegetarische Suppe haben wir immer mit dabei. Ansonsten gibt es natürlich auch Klassiker“, sagt die 37-Jährige. Diese Woche will das Team einen Linseneintopf, eine Soljanka und eine Kartoffelkürbissuppe vorbereiten.Gekochtwirdimmer am Vortag. „Damit es auch wirklich gut durchgezogenist.“Mit den gewöhnlichen Einnahmen der Gaststätte sei das aber nicht zuvergleichen. „Eine Perspektive für 13Mitarbeiter ist die Gulaschkanone auf Dauer nicht.“ Foto:Steffen Unger VonLuisaZenker Seit nunmehr zwölf Monaten beherrscht die Corona-Pandemie die Gesellschaft weltweit. Es ist eine Zeit der Ungewissheit. Gerade die Tourismuswirtschaft trifft es in diesen Zeiten hart: Geschlossene Restaurants, Hotels, Freizeitangebote. „Die Corona- Pandemie stellt den Tourismus vor große Herausforderungen, und die Lage für die gesamte Branche ist extrem schwierig“, sagte Sachsens Ministerin für Kultur und Tourismus Barbara Klepsch (CDU) im Februar auf einer Pressekonferenz, Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Kamenz besuchten im vergangenen Jahr nur 4,8 Millionen Gäste den Freistaat – das sind 43 Prozent weniger als im Rekordjahr 2019. Die Touristen – überwiegend aus Deutschland –buchten insgesamt 13,52 Millionen Übernachtungen insächsischen Pensionen, Hotels und auf Campingplätzen. Diese Zahlen entsprechen ungefähr dem Niveau von vor 20Jahren. Auch das gute Sommergeschäft hat das insgesamt et- „Sobaldwir alle wieder dürfen, wie wir wollen, wird der Tourismusmotor anspringen.“ wa viermonatige Verbot touristischer Reisen nicht ausgeglichen –vor allem, weil Touristen die umsatzintensiven Feiertage wie Ostern, Weihnachten und Silvester nicht nutzen konnten. Eine Online-Befragung der Sparkassen zeigt: Mehr als ein Viertel der Tourismusbetriebe steht nach eigenen Angaben kurz vor der Insolvenz, viele haben keine Rücklagen mehr, umindie Qualität zu investieren. ImMärz wurde bekannt, dass das erste große Hotel in Dresden,das Quality PlazaHotel, Insolvenz anmelden musste. Und mehr als die Hälfte der ostdeutschen Tourismusbetriebe befürchtet, die Mitarbeiternichthalten zu können. An dieser Stelle könnte man weitermachen mit negativen Berichten aus dem Gastronomie- und Hotelgewerbe. Ist diese Krise nicht aber auch eine Zeit der Möglichkeiten für Veränderungen? Das zumindest fragt der Ostdeutsche Sparkassenverband und versucht in einer Analyse, Hoffnung zu geben: Die Entwicklung im Sommer 2020 habe gezeigt, dass trotz bestehender Hygienemaßnahmen, Abstandsregeln und Maskenpflicht, das Geschäft wieder anlaufen könne. Gerade die Gastronomie, der Einzelhandel und der Tagestourismus konnten sich schnell erholen, sogar mit überdurchschnittlichen Zahlen. Schon jetzt warnen Gastwirte inder Sächsischen Schweiz, von Touristen überrannt zu werden.Die Region habe nicht ausreichend Parkplätze und Restaurants. Im Tourismusbarometer 2020 des Sparkassenverbands wird die Tourismuswirtschaft ostdeutscher Regionen während der Corona-Krise analysiert. Studien gehenvon ungebremster Reiselust aus Die Studie identifiziert nicht nur Branchenprobleme, sondern auch Marktpotenziale. Das Barometer der Bänker bleibt trotz vielerroter Zahlen optimistisch, wasdie kommenden Monate angeht: „Ob Reiseanalyse oder Freizeitmonitor, praktisch alle aktuellen Marktforschungsstudien gehen von einer ungebremsten Reiselust der Deutschen aus.“ Hinzu komme eine durch Konsumverzicht undVorsicht gestiegene Sparquote.Die Deutschenhabenalso ausreichendBudget fürs Reisen. Werals Betrieb dabei auf folgende Stichwörter setze, habe in diesem Jahr eine Chance, schnell aus der Krise zu kommen: Gut kommunizierte Hygienekonzepte, eine geregelte Besucherlenkung, abwechslungsreiche Naturer-

LEBEN &STIL 45 Kreativ Krise Hotelgewerbe weitgehend zumErliegen wagenallerdings gerade jetzteinen Neustart – Zukunftspotenzialhat. Eigentlich hatte der Gastwirt Ronny Pätzold vormehr alseinem Jahr einen Imbisswagen angeschafft, um damit bei großen Festen auszuhelfen. Dann Burgertruck Ronny Pätzold, Ricky Dietel Renneberg Hotel im Erzgebirge kam Corona und alles anders als gedacht. Seitdem hat der Gastwirt vom Schönfelder Renneberg Hotel im Osterzgebirge das Geschäft mit den Hamburgern entdeckt. Während das Hotel geschlossen bleibt, sind seine Mitarbeiter in der Region unterwegs, um die mit Brötchen ummantelten Rinder- und Wildschweinsteaks zu verkaufen. Auch Pommes und Bratwurstgibt es im Angebot. Was mit einem einzigen Imbisswagen anfing, hat sich zu einer großen Tour entwickelt. Drei Fahrzeuge sind mobil von Montag bis Samstag in Dippoldiswalde und Freiberg unterwegs. Jeden Tag an einem anderen Ort. Die genaue Tour kann im Internet verfolgt werden.. An Discountern oder auf Marktplätzen ist der Burgertruck anzutreffen. „Dort, wo die Leute halt unterwegs sind“, sagt Mitarbeiter Ricky Dietel. „Eigentlich kaufen sie alle bei uns ein, ob Monteure, Rentner oder Familien.“Gastwirt Pätzold plant nun auch langfristig, die Burgertrucks einzusetzen. „Das bleibt auf alle Fälle“ Trotzdem hofft er, das Hotel bald wieder öffnen zu dürfen. Foto:Egbert Kamprath Tapetenwechsel lebnisse und flexible Buchungsbedingungen seien entscheidende Faktoren in diesem Jahr. Und noch ein Wort nimmt das Barometer unter die Lupe: Resilienz. Kreativund innovativneue Konzepte entwickeln Übertragen indie Welt der Unternehmen bezeichnet der Begriff die Kraft langfristig im Marktzubestehen, gerade in Krisenzeiten. Und das heiße, kreativund innovativ nach vorn zu blicken. Es bedeute, die Zeit zu nutzen, um in die Digitalisierung zuinvestieren; den Teamgeist zuentfachen, um die Mitarbeiter auch künftig an den Betriebzubindenund es .Sich mit anderen Betrieben in der Region zu vernetzen, um gemeinsam Lösungen und Wege zu finden. Die hier angeführten Betriebe sind Beispiele, wie man kreativ durch die Krise kommt: Eine Kerzenwerkstatt, dienun auf das Basteln perVideo setzt. Ein Restaurant, das schon drei Imbisswägen angeschafft hat, um seine Burger amMarktplatz zuverkaufen. Das Designhotel „Laurichthof“ inPirna ehren die Bänker sogar mit dem Tourismuspreis „Marketing Award -Leuchttürme der Tourismuswirtschaft“. Das Hotel habe AHA-Gebote inAHA-Erlebnisse verwandelt. Auch anderes lässt hoffen: So warSachsen auf derdiesjährigen Internationalen Tourismusmesse als Kulturdestination vertreten. Ministerin Barbara Klepschsieht darin einen wesentlichen Schritt „auf dem Weg zum touristischen Neustart Sachsens, um nach dem Lockdown den Tourismus schnell wieder anzukurbeln und Sachsen verstärkt in Deutschland undinder Welt als attraktives Reiseziel zu positionieren.“ Der Elbdradweg wurde zum beliebtesten Radfernweg in Deutschland gekürt. Und trotz Corona-Krise steht Sachsen im deutschlandweiten Vergleich nichtschlecht da. Mit einem Minus von 34,9 Prozent bei den Übernachtungen im letzen Jahr schneide Sachsen deutlich besser ab als die Mehrheit der anderen Bundesländer. Gerade große Städte wie Bremen oder Hamburg hatten durch fehlende Geschäftsreisen einen viel stärkeren Umsatzeinbruch. Wassich aber dieses Jahr noch positiv auf den Inlandtourismus auswirke, dürfe im nächsten Jahr nichtaußer Acht gelassen werden. Das Fernweh nach Auslandsreisen könne laut Sparkassenverband im nächsten Jahr stark steigen. Anzeichen für eine langfristige Verhaltensveränderung bei der Wahl der Zielorte gebe es nämlich Istdiese Krisenicht auch eine Zeit der Möglichkeitenfür Veränderungen? nicht. Die deutsche Tourismuswirtschaft sollte sich deshalb jetzt schon auf einen weltweiten Wettbewerb ab 2022einstellen. Trotzder vielenZahlen im Barometer, einige Fragen bleiben unbeantwortet: Werden sich die Zahlen der Geschäftsreisen dauerhaft reduzieren? Gewinnen Gruppenreisen ab2022 wieder anBedeutung? Geht der Trend zu Outdoorreisen auch weiter, wenn Städtreisen und Veranstaltungsbesuche wieder möglich sind? Und hat Corona das Bewusstsein für Nachhaltigkeit im Tourismus dauerhaft geschärft? Und werden sich die Tourismusbetreiber schnell wieder erholen? Tourismusbarometer 2020 • Seit 1998 spiegelt dasTourismusbarometer der Sparkasse dieTourismusentwicklungin den ostdeutschen Regionen wider. Werdas Arbeiten in den eigenen vier Wänden satthat, kann das Home-Office ins Zittauer Gebirge verlegen. Der Trixi-Ferienpark bietet seit Dezember voll ausgestattete Häuser mitten in der Natur, umden Arbeitsalltag abwechslungsreicher zu gestalten. Spielplätze für Kinder und Restaurants mit To-go- Angeboten laden zur Mittagspause ein. Im angrenzenden Wald kann man Ruhe und frische Luft genießen. Es ist zwar kein Urlaub, aber ein Tapetenwechsel. Der Ferienpark bei Großschönau hat sich noch mehr einfallen lassen, um durch die Zeit zu kommen. „Gerade planenwir ein Online-Koch Wasvon außen wie ein ganz normales Hotel aussieht, entpuppt sich im Inneren als Designeroase. Der 2019 eröffnete Laurichthof in Pirna konnte schon einige Auszeichnungen ergattern: 2020 den German- Award, einen renommierten Design-Preis. Im März 2021 hat der Ostdeutsche Sparkassenverband das Hotel zum Landessieger gekürt. Was die Unterkunft hervorhebt? Jede der 27 Suiten erstrahlt in einem anderen Stil. Japanisch, orientalisch oder ganz anders. Die Möbelstücke wurden von 120 renommierten Designern weltweit entworfen, und das Verrückte: Alles, was man sieht, kann man kaufen. „Ein Annette Scheibe Trixi- Ferienpark bei Zittau event. Unsere Köche bereitenvor der Kamera leckere Speisen zu, die zu Hause mitgekocht werden können“, sagt Geschäftsführerin Annette Scheibe. Schon jetzt haben Mitarbeiter Bastelvideos hochgeladen. Ob Frühlingsdekorationen nähen oder neue Knüpftechniken ausprobieren. Zu Ostern will der Trixi-Park den Gaumen mit Eis-to-go verwöhnen. „Gerade bauen wir auch noch einen Online-Shop auf. Da kann man in wenigen Wochen hausgemachte regionale Produkte ergattern.“ Der Trixi-Park hat sich alsoeine Menge einfallenlassen, um trotzdem durch die Krise zu kommen. Foto:MatthiasWeber Shoppen im Hotel Familie Seidel Designhotel Laurichthof in Pirna Hotel, so vielseitig wie seine Gäste und so wohnlichwie ein schöneres Zuhause –das war die Idee.“, erklärt Annette Katrin Seidel. Gemeinsammit Sohn Franz Philip Seidel betreibt sie das Designhotel. Eigentlich arbeiten die beiden als Architekten. Im Laurichthof haben sie das eine mit dem anderen verbunden. Zwar können in Corona- Zeiten nur Geschäftsreisende die Suiten erleben, doch wer gerade dabei ist, das eigene Heim neu einzurichten, kann sich hier inspirieren lassen undeinen Rundgang durchdas Hotel buchen. Auch Fotoshootings und Filmproduktionen sind im Hotel möglich. Foto:privat

Sächsische Zeitung und Sächsische.de

Unsere Partner