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Wirtschaft in Sachsen Frühjahr 2021

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32 PERSONAL &FÜHRUNG

32 PERSONAL &FÜHRUNG DieWirtschaft schwächelt Die Corona-Krise dämpft die Geschäftserwartungen. Es gibt aber auchHoffnung. Von Annett Kschieschan Die Corona-Krise hat auch den Beginn des Jahres 2021 geprägt. Viele Hoffnungen der sächsischen Wirtschaft wurden durch den Lockdown in den ersten Wochen des ersten Quartals ausgebremst. Der ifo-Geschäftsklimaindex der gesamten regionalen Wirtschaft bleibt dementsprechend zum Jahresanfang auf niedrigem Niveau. Lageeinschätzungen und Geschäftserwartungen der befragten sächsischen Unternehmen ließen nach Aussage der Experten des ifo-Instituts im Januar nochmals nach und verbesserten sich auch imFebruar nurleicht. Industrie: Stimmungsbarometer steigt wieder Es gibt aber auch Positives zu vermelden: Die Stimmung in der sächsischen Industrie nahm im Januar weiter Fahrt auf. Die Kapazitätsauslastungder Industrieunternehmen erreichte zumBeginn desersten Quartals 81 Prozent und damit fast wieder das Durchschnittsniveau der vergangenen Jahre. Lageeinschätzungen und Geschäftserwartungen stiegen im Januar undFebruarkräftig. Dienstleister:ifo-Geschäftsklima verbessert sichdeutlich Und auch inder Dienstleistungsbranche ist wieder Licht amEnde des Tunnels zu sehen.Das Geschäftsklima hier hatte sich zu Jahresbeginn noch abgekühlt, im Februar verbes- Sachsen-Barometer Stimmungsindikator –5 Beschäftigung Salden ausFirmenurteilen zum Geschäftsklima und –10 Beschäftigungserwartungen –15 +4,1* +2,8 +3,3 +3,5 +3,2 –20 +2,4 +1,8 +2,1 +1,2 +0,6 +0,2 +0,5 –0,2 –4,1 –5,0* BIP-Wachstumsrate in Prozent 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 Quellen: Ifo-Institut Dresden, Creditreform serte sich die Stimmung dann leicht. Auch wenn viele Unternehmer noch immer eher pessimistisch auf die nächsten sechs Monate schauen, verbesserte sich die Geschäftslage im zweiten Monat des Jahreswieder etwas. Bauwirtschaft: Geschäftserwartungenweiter gesunken Das sächsische Bauhauptgewerbe befindet sich dagegen im Stimmungstief. Die Geschäftserwartungen sanken im Februar nochmals, wobei sich die Einschätzung der Lage wieder leicht verbessern konnte. Die Branche hofft auf bessere Monate im Sommer. „Durch die Erholung auf den Absatzmärkten nehmen die Geschäftsklima SZ-Grafik: Gernot Grunwald +30 +25 +20 +15 +10 Betriebe im verarbeitenden Gewerbe wieder Fahrt auf. Unter anderem aufgrund ausbleibender Aufträge der öffentlichen Hand werden viele Bauunternehmer pessimistischer inden Erwartungen“, sodie Einschätzung von Thomas Schulz, Prokurist beiCreditreform Dresden. Handel:Geschäftsklimakühlt sich stark ab Auch der Handel bleibt stark von der Corona--Krise in Mitleidenschaft gezogen. Das schon im Januar sichtbare Stimmungstief verstärktesich im Februar weiter. Die Lageeinschätzungen der befragten Handelsunternehmen fielen erneutdeutlich. +5 0 *Prognose Zahlungsmoral: Sächsische Firmen sind zuverlässigePartner Diegute Nachricht:Inder Zahlungsmoral schlägtsich derFrust überdie Corona-Krise nicht nieder. Der branchenübergreifende Zahlungsverzug beträgt demnach im Freistaat nur noch 7,1 Tage und verbesserte sich im Vergleich zumVorjahreszeitraum um 3,8 Tage. Das ist nach Ansicht der Experten umso bemerkenswerter, als dass die Gesamtkonjunktur im Vergleichsquartal durchweg positiver als 2020 war. Damit bleibe Sachsen der Top- Zahler im bundesweiten Ranking. „Die sächsischen Unternehmen zahlen im Bundesvergleich ihre Rechnungen am schnellsten. GestütztdurchmassiveHilfsmaßnahmen der öffentlichen Hand ist das ein hoffnungsvoller Indikator für eine überwiegend gute Krisenbewältigung bei den sächsischen Betrieben“, so Thomas Schulz. Deutschlandweit hatte sich das Zahlungsverhalten insgesamt von 10,7auf 9,3Tageebenfalls verbessert. Unter den „Spitzen-Bundesländern“ finden sich neben Sachsen Bayern mit 8,0 Verzugstagenund Hamburgmit 8,2 Tagen. Liquidität: Unternehmen haben vorgesorgt Als Gründe für die gute Zahlungsmoral werden einerseits die massivenHilfsmaßnahmen seitens der öffentlichen Hand und andererseits die Anpassung der Unternehmerandie Krisensituation insFeld geführt. Zudem hätten sich viele Mittelständler am Beginn der Krise noch selbst mit ausreichend Liquidität versorgt, um handlungsfähig zu bleiben. Die Gefahr dabei: Nach dem Auslaufen der Corona- Hilfen droht eine drastische Verschlechterung des Zahlungsverhaltens in besonders vom Umsatz abhängigenBereichen. Obwohl sich die Zahlungsmoral im Freistaat über alleBranchenhinweg deutlich verbessert hat, gibt esbei den Wirtschaftssektoren teils große Unterschiede. Während sichdie Zahlungsmoral im Baugewerbe nur relativ moderat um 0,7Tage im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verbesserte, erreichtedas Zahlungsverhalten im Einzelhandel –hier gibt es ein Minus von 7,1 Tagen –und bei den unternehmensnahen Dienstleistungen (minus 8,0 Tage)neueSpitzenwerte. Wielange sich diese positive Entwicklung fortsetzt, hänge nach Ansicht der Experten im „Superwahljahr 2021“ vor allem von der Dauer und Intensität der beschlossenen Hilfsmaßnahmen ab. Für Gesamtdeutschland ist der Ausblick demnach „mäßig bis verhalten, da sich die Situation der Unternehmen unter realen Wettbewerbsbedingungen deutlich verschärfen dürfte.“ Das Sachsenbarometer,der Wirtschaftsindikatorder „Wirtschaft in Sachsen“,erscheintinKooperation mitder Dresdner Niederlassung desIfo Instituts – Leibniz-Institut fürWirtschaftsforschung an der Universität Münchene.V.und der WirtschaftsauskunfteiCreditreform Dresden. www.ifo-dresden.de www.dresdencreditreform.de Vorhang auf für Ihr Produkt! DIE Chance für den Handel. vom 14. bis 23.Mai 2021 sz-auktion.de EIN GEWINN FÜR JEDEN HÄNDLER DIE GROSSE SZ-FRÜHJAHRS- AUKTION WirbietenIhnen drei großeVorteile: 1.) Sieerreichenmehr Aufmerksamkeit für IhrUnternehmen. 2.) Sie ziehenneueKundendurch Ihre Produktplatzierung an. 3.) 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PERSONAL &FÜHRUNG 33 BILDUNGINPANDEMIE-ZEITEN Digitalisierung wagen Deutschland hat einen zweiten harten Lockdown hinter sich. Schülerinnen und Schüler, Eltern und das gesamte Schulsystem standen vor Kurzem damit erneut vor enormen Herausforderungen. Und mit ihnen die Lernplattformen, die den Distanzunterricht gewährleisten sollen. Inden vergangenen Wochen hielten gleich mehrere Systeme dem großen Ansturm nicht stand. Bundesweit kam es zu Ausfällen bei den vielen unterschiedlichen Lernplattformen, die inden einzelnen Bundesländern im Einsatz sind. Auch die sächsische Landesplattform LernSax hatte mit längeren Ausfällenzukämpfen. Schulschließungensind Ausnahmesituationen Zugegeben – die aktuellen Schulschließungen stellen eine Ausnahmesituation dar. Digitaler Unterricht wird den Präsenzunterricht nicht dauerhaft ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen. Deutlich geworden sind jedoch die Versäumnisse der vergangenen Jahre, für die nun die Quittung präsentiert wird. Trotz milliardenschwerer Förderprogramme des Bundes mangelt es vielerorts an durchdachten Konzeptenfür digitalesLernen.Und weitgehend fehlt ein gemeinsames Verständnis, dass offene und gemeinsam genutzte digitale Plattformen wichtige Synergien schaffen und zukunftsfähig vor allem einheitliche Infrastrukturen sind, die auf modernen, flexibel skalierbaren Cloudsystemen basieren. Der deutsche Bildungsföderalismus hatdie Digitalisierungder Schulen ausgebremst. Lange wurde allein darüber diskutiert, wer überhaupt für die Digitalisierung verantwortlich ist –der Schulträger oder das Land. Anstatt Ideen und Investitionen zu bündeln, habensich viele Schulen, Gemeinden oder Länder selbst auf den Weg gemacht und eigene Lernsysteme konzipiert oder eingekauft undoft sogar verschiedene Systeme miteinander kombiniert. Das Ergebnis ist ein Flickenteppich unterschiedlicher „dezentraler“ Lösungen“, bei denen oft nicht einmal eindeutig geklärt ist, ob sie den gesetzlichen Regelungen im Datenschutz entsprechen. Gastbeitrag von Prof. Dr.Christoph Meinel ner integrierten Nutzerverwaltung verfügt sie mit BigBlueButton über ein verlässliches Videokonferenzsystem, das gerade in Zeiten von Distanzunterricht ein wichtiges Instrument ist, um den persönlichenAustauschaufrechtzuhalten. Mehr Innovation und weniger Regulation Natürlich geht es nicht darum, den Präsenzunterricht komplett ins Digitale zu verlegen. Schließlich ist die Schule ein wichtiger Ort für die soziale Interaktion. Mit der Digitalisierung bieten sich Lehrkräften vielmehr neue Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung, die nicht nur bei Schulschließungen zumEinsatz kommen. Die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler kann vertieft und ihre Medienkompetenz gefördert werden, damit sie in einer zunehmend digitalisierten Welt selbstbestimmt agieren können. Und dafür braucht es Mut. Zu mehr Innovation und weniger Regulation. ¨Wir Deutschen tendieren dazu, alles bis ins kleinste Detail regulieren und planenzuwollen –soaber würgen wir Innovationen ab. Andere Nationen dagegen fangen einfach an und lernen beim Erproben – Beispiele wie Dänemark und Estland zeigen, wie es gehen kann. Hierzulande verstricken wir uns intheoretischen, oft ideologischen Erörterungen, anstatt loszulegen und zuschauen, was funktioniert und was nicht. Nach dem Motto „Mehr Digitalisierung wagen!“ müssen wir den digitalen Raum aktiv mitgestalten. Sonst tun es andere –etwa Technologiekonzerne aus den USA oder China. Gerade in einem zentralen staatlichen Zuständigkeitsbereich wie dem Schulwesen wäre es verfehlt, die Souveränität über sensible Schülerdaten der Verantwortung kommerzieller Anbieter zu überlassen. Stattdessen brauchen wir ein Umdenken nach dem Prinzip „Public Money –Public Code“. Staatliche Investitionen in denAusbauoffener Systeme undbundesweiterdigitaler Infrastrukturen sowie der Einsatz von Open-Source IT-Lösungen sind notwendig, die Souveränität Deutschlands im digitalenRaumzusichern. EinheitlicheInfrastrukturenund Lernplattformen DieföderaleBildungshoheit istzurespektieren. Sie darf jedoch nicht zulasten eines leistungsfähigen digitalen Schulwesens gehen unddie Vorteile einer einheitlichen Infrastruktur ignorieren: Nachhaltige und belastbare digitale Infrastrukturen sind in ihrer Entwicklung kostspielig und können nur für sehr viele Nutzende effizient betrieben werden. Sie erlauben eine schul- und länderübergreifende Zusammenarbeit, können von IT-Fachleuten professionell administriert werden und berücksichtigen die Bildungshoheit der Länder, die über die Plattform den Schulen eigene Inhalte zur Verfügung stellen können. Und solche einheitlichenLernplattformen gibt es, zum Beispiel die HPI Schul- Cloud, die wir am Hasso-Plattner-Institut Damit digitale Bildung funktioniert, braucht es tragfähige Konzepte. mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung als gemeinnütziges Open-Source-Projekt seit 2017 entwickeln. Sie ermöglicht den nutzerfreundlichen unddatenschutzkonformen Einsatz digitaler Lernmittel und -inhalte, bietet Schnittstellen zu Tools und Programmen verschiedenster Anbieter und stellt alle für den digitalen Unterricht erforderlichenFunktionalitätenbereit. Neben Office-Paket, Messenger, Dateiablage, Design Thinking Board sowie ei- ZurPerson • Prof.Dr. ChristophMeinel stammt ausMeißen und istInformatikerund Professor fürInternet-Technologien undSysteme der UniversitätPotsdam. • Seit über 15 Jahren isterDirektor des Hasso-Plattner-­Institutes(HPI) fürDigital Engineeringund seit 1992 Foto:Adobestock Inhaberdes LehrstuhlsfürInternet- Technologienund -Systeme. • DasHPI istdas führende Exzellenzzentrum fürDigitalisierung in Deutschland. • UnterLeitung vonProf. Meinelwird seit 2016 am Institut dieHPI Schul- Cloud mitFörderung durch dasBundesministerium fürBildung und Forschung entwickelt. Es braucht einengemeinsamen Masterplan Auf dem Weg zueiner sicheren digital unterstützen Schulbildung sind noch viele Hürden zu nehmen: flächendeckende Breitband-Internetanbindung, WLAN in den Klassenräumen, adäquate Geräteausstattung –aber all das reicht noch nicht aus. Es braucht mehr: einen gemeinsamen Masterplan, wie alle Schulen bei der Digitalisierung mitgenommen werden können, wie wir das pädagogische Potenzial digitaler Lernplattformen erschließen und die Lehrkräfte befähigen, die junge Generation auf eine zunehmend digitale Welt vorzubereiten. Die Pandemie hat die Augen geöffnet, ein Anfang ist gemacht. Die Zukunft der digitalen Schule hat begonnen. Deutschland muss den Weg nun konsequent und beherzt in großen Schritten weitergehen. Gemeinsam.

Sächsische Zeitung und Sächsische.de

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