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Wirtschaft in Sachsen Frühjahr 2021

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14 GESCHÄFTE &MÄRKTE

14 GESCHÄFTE &MÄRKTE Analyse leichtgemacht Die DresdnerFirma anvajo stelltein Laborgerät her, mitdem man unkompliziert Flüssigkeiten analysierenkann. Bald soll es auchinArztpraxenzum Einsatz kommen. Von LuiseAnter Die Revolution wiegt 240 Gramm. So vielbringt das fluidlab auf die Waage. Das Produkt der Dresdner Firma anvajo ist ein Hybrid aus Spektrometer und Mikroskop,zwei Kerntechniken derLabordiagnostik. Mit ihnen untersucht man zum Beispiel, welche chemischen Reaktionen in einer Flüssigkeit ablaufen, wie es um das Bakterienwachstum steht, wie viele Zellen eines bestimmten Typs vorkommen und wie gesund sie sind. Bisher sorgen diese Techniken für allerlei Geräte im Labor. Das fluidlab vereint sie: Mikroskopie, Sensoren, Spektrometer –all das ist indem handlichen Gerät integriert. „Wir haben sehr von der Smartphone-Entwicklung profitiert, die etwa leistungsfähige Mikro-Optiken oder viel Rechenleistung auf kleinem Raum hervorgebracht hat“, sagt Firmengründer StefanFraedrich. Er war es, der die Idee für das Gerät hatte –ineinem Krankenhaus inGhana. Dort hat der ursprünglich aus Schmiedeberg/Dippoldiswalde stammende Gründer während seiner Ausbildung zum Rettungssanitäter ein Praktikum gemacht. Und gesehen, wie schlecht der Zugang für viele Menschen zur Labormedizin, zur Analyse von Blut und Urin ist. Alles wird in Zentrallabors geschickt, doch das ist teuer und aufwendig. „Das wollte ich ändern“, sagt er. Nach seiner Rückkehr hat erander TU Dresden Elektrotechnik studiert. „Die meiste Zeit habe ich nicht in Vorlesungen, sondern in Labors verbracht.“ Dort hat ermit zwei Kommilitonen das fluidlab entwickelt. Um es auf den Markt zu bringen, gründeten sie 2016 anvajo. Der Name setzt sich aus den Vornamen der drei kleinen Schwestern der Gründer zusammen: Anne, Vanessa, „Auch fürdie Patientenist es besser,jeden Tag eine Tablettezu nehmen,als ein Lebenlangzur Dialysezumüssen.“ Anvajo bietet schnelle und kompetente Lösungen für Laboruntersuchungen. Josephine. Heute hat das „Taschenmesser fürden Laborbetrieb“,wie sie es bei anvajo nennen, Nutzer auf der ganzen Welt, vonDresdenbis Taipeh. Es sindvor allem Wissenschaftler, tätig etwa in der Forschung zuKrebs oder Herzinfarkten. An der TU Dresden zum Beispiel untersucht der Pharmakologe Dr. Erik Klapproth, welche Prozesse nach einem Herzinfarkt ablaufen und wie sich Herzmuskelzellen verhalten. Auch in der Veterinärmedizin kommt das fluidlab zum Einsatz, um Tierurin auf Harnwegserkrankungen und Niereninsuffizienzen zu untersuchen –direkt vor Ort inder Praxis. Momentan nutzen 700 Tierartzpraxen das fluidlab. Mit dieser sogenannten Point-of-Care- Lösung will anvajo auch inden Humanmedizinbereich. Der Fokus liegt dabei einerseits auf der Entwicklung eines Bluttests zur Analyse der Eisenwerte, andererseits auf dem Nierenscreening: Ärzte sollen direkt in der Praxis die Nierenwerte imUrin und imBlut untersuchen können – und so eine Niereninsuffizienz rechtzeitig entdecken. „Das spart nicht nur dem Gesundheitssystem Fotos: PR Kosten,“ so Fraedrich. „Auch für die Patienten ist es besser, jeden Tag eine Tablette zu nehmen, als ein Leben lang zur Dialyse zu müssen.“ Werrechtzeitig wisse, dass er eine kranke Niere hat, könne außerdem seinen Lebensstil verändern. Schließlich gilt Niereninsuffizienz alseine typische Begleiterkrankung von Diabetes, Bluthochdruck oder Fettleibigkeit. Zurzeit arbeitet anvajo an der Zulassung und der ökonomischen Optimierung, damit sich das Analysegerät für Ärzte auch finanziell lohnt. ImJahr 2023 soll es so weit sein. „Wir bekommen vor allem von Verbänden und Medizinern aus dem Ausland viel Zuspruch, zum Beispiel aus Australien und den USA“, sagt Fraedrich. In Deutschland sei die Skepsis noch etwas größer, Innovationen im Gesundheitssystem schwieriger. Fraedrich ist aber optimistisch, dass erauch hiesige Ärztevertreter überzeugen kann. Mit dem Eintritt indie Humanmedizin verbindet erauch einen Schub für sein Unternehmen, das sich noch mit Risikokapital finanziert. „In ein paar Jahren sind wir profitabel“,glaubtFraedrich. Anfang 2020 hatdas Unternehmen denneuen Hauptsitz auf der Zwickauer Straße in Dresden bezogen. Hier ist fast alles vereint –Entwicklung, Produktion, Kundenservice. Die meisten der 65 Mitarbeiter aus zwölf Ländern arbeiten inDresden, einigeauchamBerlinerStandort oder im Außendienst. Der Umzug war gerade geschafft – dann kam Corona. „Das war eine Bremse“, sagt Fraedrich. „Wir hatten massive Umsatzausfälle und viele potenzielle Kunden waren für unseren Außendienst wegen der Kontaktbeschränkungen schwer zu erreichen.“ Doch mittlerweile, sagt er, gehe es wieder deutlich aufwärts. „Wir bleiben das enfant terrible im Diagnostik-Bereich.“ Vonder Idee zumStart up • Stefan Fraedrichhat mitzweiKommilitonen dasfluidlab entwickelt. • Unterdem Namen Anvajo istdie Idee seit 2016 als Unternehmen auf dem Markt. • DerNamesetztsichaus den Vornamen der drei Schwesternder Gründer zusammen: Anne, Vanessa, Josefin. D Sachsen öffnet seinen Datenschatz Das sächsische OpenDataPortalist jetzt online. Jederkannzugreifen und über 3.000 Datensätzeeinsehen. Von Nora Miethke er Freistaat Sachsen betreibt jetzt eineigenes Open Data Portal. Unter www.opendata.sachsen.de. können Nutzer und Nutzerinnen nach offenen Verwaltungsdaten, sogenannte Open Government Data, suchen und diese Daten kostenfrei für eigene, auch geschäftliche Verwendungszwecke nutzen, teilte die Landesregierung mit. Die Daten wurden in der täglichen Arbeit der jeweiligen Be- Ein Schatz inder Sächsischen Staatskanzlei ist nicht zu sehen -der an Verwaltungsdaten. Sie werden jetzt schrittweise zugänglich gemacht. Foto:Imago hörde erhoben und können ohne jede Einschränkung frei zugänglich gemacht werden. Derzeit können im Portal über 3.300 Datensätze aus 38 staatlichen und kommunalen Datenquellen genutzt werden. Dazu gehören beispielsweise die Hochwasserrisikogebiete inSachsen, das amtliche Liegenschaftskataster-Informationssystem oder auch eine Programmierschnittstelle (API) mit der Fahrplanauskunftdes Verkehrsverbunds Oberelbe. „Mit unseremOpenData Portal geben wir Wirtschaft und Wissenschaft das geeignete Werkzeug an die Hand, um Innovation voranzutreiben und Wertschöpfung zugenerieren“, betont der Staatssekretär für Digitale Verwaltung und Verwaltungsmodernisierung, Thomas Popp. Daten der öffentlichen Verwaltung seien die Grundlage für viele Apps, smarte Städte, künstliche Intelligenz und vieles mehr.Open Data ermöglichen eine direkte wie auch indirekte Wertschöpfung. In der App- und Softwareentwicklung können offene Verwaltungsdaten breit verwendet werden. Ein Dienstleister kann zum Beispiel für den Nutzer Sehenswürdigkeiten, Aktivitäten und Unterkünfte auf lokaler Ebene in einer einfach zu bedienenden Karte sichtbar machen. Neben Informationen aus dem Tourismusbereich finden für diese Art von Apps insbesondere umfangreiche Geodaten Anwendung. Indirekt kann das Open Data-Portal zur Wertschöpfung beitragen, indem es etwa bei strategischen Entscheidungen wie der Wahl eines neuen Unternehmensstandorts herangezogen werden kann. Investoren können Daten finden, die Aufschluss geben über den Qualifizierungsgrad der Fachkräfte inder Region, die Anbindung an den ÖPNV oder die Verfügbarkeit von Bauland für Eigenheime –alles Faktoren, die für die Bindung von Fachkräften und damit die Standortwahlwichtigsind. Mit dem derzeit verfügbaren Datenumfangsteht derFreistaat im bundesweitenVergleich auf Platz fünf. www.opendata.sachsen.de.

GESCHÄFTE&MÄRKTE 15 NeuerRettungsanker Ein Gesetz sollUnternehmenbei drohenderZahlungsunfähigkeithelfen. Doch es bringt auch neue Verantwortung mitsich. Am1.Januartratdas „Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen“, das sogenannte StaRUG, in Kraft. Dieses soll Unternehmen bei drohender Zahlungsunfähigkeit absofort die außergerichtliche Sanierung erleichtern. Sanierungals Chance vorder Insolvenz Um die vorinsolvenzliche Sanierung frühzeitig effektiver zu gestalten, können Unternehmen nun selbstständig einen sogenannten Restrukturierungsplan erarbeiten. Indiesem Plan sind insbesondere die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens offenzulegen und darzustellen, wie die drohende Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens beseitigt wird (Sanierungskonzept). Dies erfordert neben der integrierten GuV- sowie Liquiditätsplanung die Darstellung der operativen und finanziellen Restrukturierung sowie die notwendigen flankierenden Restrukturierungsmaßnahmen. Der Sanierungsplanwirdmit den Gläubigern verhandelt. Dazu werden diese inGruppen eingeteilt – ähnlich wie im Insolvenzverfahren. Innerhalb der Gruppen müssen je drei Viertel der Gläubiger mit den Restrukturierungsmaßnahmen einverstandensein, danngiltdies als Zustimmung. Im Rahmen der Verhandlungen können abweichende Minderheiten von den anderen Gläubigergruppen auch überstimmt werden. Dafür gelten Voraussetzungen: Die Überstimmten dürfen bei einer Umsetzung des Plans wirtschaftlich nicht schlechter gestellt sein als zuvor. Manche Forderungen sind abernichtverhandelbar: die von Arbeitnehmern etwa, solche aus der betrieblichen Altersvorsorge sowieausstehende Bußgelder. Hat die Mehrheit der Gläubiger dem Restrukturierungsplan zugestimmt, kann die Sanierung angegangen werden. Dieses Mehrheitsprinzip ist ein entscheidender Vorteil. Denn durch eine freie Sanierung hatten Unternehmen zwar bisher schon – theoretisch –die Möglichkeit, sich außerhalb der Insolvenz zu sanieren. Doch hier konnte schon das „Nein“ eines einzelnen Gläubigers alle Bemühungen kippen. Das Vorgehen führte in der Praxis daher häufig nicht zumgewünschten Erfolg. Neuer Ansprechpartner: Restrukturierungsgericht StaRUG-Verfahren sind im Prinzip komplett ohne gerichtliche Bestätigung durchführbar.Sie istabertrotzdem möglich und oftmals auch erforderlich, beispielsweise, wenn eine gerichtliche Planabstimmung nötig wird, Gläubiger in ihren Vollstreckungsmöglichkeiten beschränkt werden sollen oder der Restrukturierungsplan vom Gericht bestätigt werden muss, weil Gläubigergruppen überstimmt wurden. Für diese Aufgaben wurden die sogenannten Restrukturierungsgerichte geschaffen. Das sind die jeweils für das Unternehmen zuständigen Amtsgerichte, die sich im Bezirkeines Oberlandesgerichts befinden. Externe Experten unterstützen In bestimmten Fällen ist die Kooperation mit einem vom Gericht bestellten Restrukturierungsbeauftragten erforderlich. Beispielsweise, wenn Verbraucher sowie kleine Unternehmen von den Restrukturierungsmaßnahmen betroffen sind oder der Restrukturierungsplan gegen den Gastbeitrag von Dr.NilsFreudenberg Werhilft, wenn Firmen das Wasser bis zum Halse steht? Vielleicht das neue StaRUG. Willen einer Minderheit durchgesetzt werden soll. Auf Wunsch kann daneben eine Sanierungsmoderation beim Gericht beantragt werden.Die unabhängige Fachperson unterstützt den Prozess und vermittelt beiStreitfragen. Wenn die Restrukturierung misslingt Wird die Restrukturierung bei Gericht angezeigt, ist für ihre Dauer auch die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt. Doch das Unternehmen muss umgehend melden, wenn die Restrukturierung misslungen ist –wenn aus der drohenden tatsächliche Zahlungsunfähigkeit geworden ist oder Überschuldung vorliegt. Im Rahmen einer präventiven Restrukturierung über das StaRUG fließt kein Insolvenzgeld. Diese Leistung der Bundesagentur für Arbeit sichert die Löhne und Gehälter der Beschäftigten während einer Foto:Adobestock Unternehmenssanierung für bis zu drei Monate. Sie wird aber nur in der Regelinsolvenz, einer Insolvenz in Eigenverwaltung oder einem Schutzschirmverfahren gewährt. Im Zuge der außergerichtlichen Restrukturierung gibt esauch keine Möglichkeit, laufendeVerträgemit Vermietern oder Lieferanten kurzfristigzukündigen – was ebenfalls den gerichtlichen Sanierungenvorbehaltenist. Viele Filialisten nutzen daher das Schutzschirmverfahren für eine Sanierung und die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit, denn häufig erfolgteine Anpassungder Filialstruktur. Haftungsthemen beachten Frisches Kapital aus Ihrer Mit dem StaRUG erhalten Unternehmen eine neue Möglichkeit, ohne Insolvenz mehrheitstaugliche Restrukturierungskonzepte umsetzen zu können. Im Ergebnis kann damit eine finanzwirtschaftliche Sanierung gelingen, die inErgänzung zu den leistungswirtschaftlichen Maßnahmen zum Erfolg der Sanierung erforderlich ist und dem Unternehmen so innerhalb weniger Monate einen Neustart ermöglicht. Es ist jedoch komplex und erfordert erhebliches betriebswirtschaftliches und rechtliches Know-how. Zugleich hat der Gesetzgeber dem Management von Unternehmen neue Pflichten in die Hand gegeben, denn mit dem Unterlassen solcherSanierungsbemühungenmachen sie sich künftig haftbar. Deutsche Industrie REIT-AG Telefon 0331-7400 76 513 E-Mail info@deutsche-industrie-reit.de www.deutsche-industrie-reit.de Gewerbeimmobilie DasStaRUG DieChancen Der Autor • Unternehmen können selbst Restrukturierungspläne entwickeln und verhandeln • Gläubigerwerden in Gruppen gefasst, 75 Prozent Zustimmung in der Gruppe gelten alsderen „Ja“ • Minderheitenkönnenu.U.überstimmt werden • Restrukturierungsgerichteschützen Unternehmen beispielsweise vor Vollstreckungsmöglichkeiten der Gläubiger • DieZusammenarbeitmit einemRestrukturierungsbeauftragtenist in bestimmten Situationen Pflicht • Optional kann eine Sanierungsmoderation beantragtwerden • Verfahrenwirdnicht öffentlich • EinRestrukturierungsplanbiete Unternehmen verschiedene Möglichkeiten, zukunftsorientiertzuhandeln.Dazugehören u.a. folgendeOptionen: • Bereinigung der Passivseite, Verzichtder Gläubiger • Beteiligungsverhältnisse verändern • Eigenkapital erhöhen • Eventuelle Bürgschaften von Partnerunternehmen hinzuziehen • Operative Maßnahmen anschieben, zumBeispiel Abläufeund Strukturen optimieren oder auch dieBereiche Marketing und Vertriebstärken Dr.NilsFreudenberg DerAutor istFachanwalt fürInsolvenzrechtbei der TiefenbacherInsolvenzverwaltung.Seine Zulassung zum Rechtsanwalt erhielt er 2002. Seit 2006 wirderregelmäßig vonGerichtenzum Gutachter,Insolvenzverwalter und Treuhänder bestellt und istReferent derRechtsanwaltskammer Sachsen und Lehrbeauftragterander juristischen Fakultätder TU Dresden. FragenSie denExperten: Tiefenbacher Restrukturierung und Insolvenzverwaltung Telefon: 0351 4778228, Mail: freudenberg@tiefenbacher.de www.tiefenbacherinsolvenzverwaltung.de N Branchenoffen N Größenunabhängig N Deutschlandweit Unser Leistungsportfolio § Ankauf von Gewerbeimmobilien § Vermietung von Gewerbeimmobilien § Sale-and-Lease-Back von Gewerbeimmobilien als Finanzierungsoption für Unternehmen Light-Industrial-Immobilien § Produktionshallen § Industriehallen § Logistikhallen § Gewerbeparks

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