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Tour Saxe 2020

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LEIPZIG 30 LEIPZIG 31

LEIPZIG 30 LEIPZIG 31 Die ehemaligen Buntgarnwerke Kultur in ehemaligen Fabriken In Leipzig gibt es viele gelungene Beispiele, wie reizvolle Industriearchitektur neu genutzt wird. Leipzig bricht jedes Jahr Rekorde: 2019 kamen erneut mehr Touristen in die sächsische Metropole als je zuvor. Mit 3,6 Millionen Übernachtungen erlebte die Messestadt ihr bestes touristisches Jahr. So stand Leipzig auch bei der New York Times auf der Liste der „52 Places to go in 2020“. Die einflussreiche US-amerikanische Zeitung legte ihren Lesern Leipzig für einen Besuch ans Herz. In diesem Jahr lockt die Halb-Millionen-Metropole vor allem mit vielfältigen Aktionen zum Jahr der Industriekultur. Bis heute lassen sich die Spuren der prägenden Ära der Industrialisierung in ganz Leipzig bestaunen. Vor allem in den Stadtteilen Plagwitz, Schleußig und Lindenau haben sich in den vergangenen Jahrzehnten alte Fabrikkomplexe in bunte Kunst- und Kulturzentren verwandelt. Aber auch das Alte Messegelände im Osten oder die 170 Jahre alte Kulturfabrik WERK 2 im südlich gelegenen Connewitz zählen zu den wesentlichen Denkmälern der Industriekultur. Szeneviertel Plagwitz: wo früher die Spinnmaschinen ratterten Besonders beeindruckend zeigt sich die Industriearchitektur auf dem 90 Hektar großen Fotos: Andreas Schmidt, Leipzig Tourismus & Marketing GmbH (2) Flächendenkmal in Leipzigs Szeneviertel Plagwitz. Im 19. Jahrhundert als erstes großräumiges Industriegebiet Deutschlands planmäßig entwickelt, ist der Stadtteil im Leipziger Westen zum einen beliebtes Wohnviertel mit modernen Industrielofts und prachtvollen Backsteinbauten, zum anderen zieht es immer mehr Künstler und Kulturschaffende mit ihren Ateliers in die alten Industriekomplexe. Wo früher die Spinnmaschinen ratterten, können heute Galerien und Manufakturen besichtigt werden. Vor allem dem Engagement des Unternehmers Carl Erdmann Heine (1819-1888) verdankte Plagwitz seine Entwicklung als Industrie- und Wohnstandort, durchzogen von Wasserwegen wie dem Karl-Heine-Kanal, der früher wirtschaftlich genutzt wurde und heute Touristen anlockt, Leipzig vom Wasser aus zu entdecken. Auch bei einer Paddeltour auf der Weißen Elster geht es vorbei an Industriedenkmälern wie den Buntgarnwerken. Das unverwechselbare Gebäude mit seiner speziellen Klinkerfassade an der Nonnenstraße entstand zwischen 1887 und 1895. Schon der erste Eindruck des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudekomplexes vermittelt den Prunk des damaligen Industriepalastes. Eine zweigeschossige Brücke aus Glas und Eisen verbindet die Gebäude auf beiden Seiten der Weißen Elster. Heute beherbergen die Buntgarnwerke Lofts und Appartements. Wer zu Fuß oder mit dem Rad die Industriekultur entdecken will, findet gleich zwei Kilometer weiter westlich das Kunstkraftwerk im Stadtteil Lindenau/Plagwitz, das sich binnen kurzer Zeit zu einem gefragten Zentrum zeitgenössischer Kunst und Kultur in Europa etabliert hat. Aktuell lockt das ehemalige Heizkraftwerk mit der multimedialen 360°- Show „VAN GOGH experience“, bei der die Farb- und Bildwelten von Vincent van Gogh in überdimensional und immersiv an die bis zu acht Meter hohen Wände und die Decke sowie auf den Boden der Halle projiziert werden. Einen kurzen Spaziergang über den Karl- Heine-Kanal weiter liegt die Baumwollspinnerei, einst die größte Baumwollspinnerei Kontinentaleuropas. Seit dem Ende der Baumwollgarnproduktion 1992 sind gut 100 Künstlerateliers sowie elf Galerien und Ausstellungsflächen entstanden und bilden ein Zentrum der Leipziger Kunstszene, die weltweit ihresgleichen sucht. Zu den Pionieren der Wiederbelebung zählte kein Geringerer als der berühmte Maler Neo Rauch. Nördlich von Plagwitz lässt sich an der Lützner Straße ein weiteres Kreativzentrum entdecken. Wo früher Tapeten hergestellt wurden, arbeiten heute Künstler, Kreative und Handwerksbetriebe im „Tapetenwerk“ und stellen ihre Arbeiten in Galerien aus. Mit seinen Klinkerfassaden, Hallenbauten, Werkstattbereichen und Kontorhäusern ist das Tapetenwerk ein typisches Beispiel für die Industriearchitektur der Gründerzeit. Wer weiter in den Süden Leipzigs fährt, findet in Leipzig-Connewitz ein weiteres gelungenes Beispiel für die Umnutzung denkmalgeschützter Industrieanlagen. An der Kochstraße ist mit dem WERK 2 eines der größten soziokulturellen Zentren in Sachsen entstanden. Kreativwerkstätten, Livemusik, Theater, Messen und Lesungen locken Besucher in die 1848 erbaute ehemalige Fabrik für Gasmesseranlagen. Später wurde sie um eine Eisengießerei erweitert und erhielt im Laufe der Jahre weitere Nebengebäude sowie eine Industriehalle in Form einer dreischiffigen Basilika, die heute als Veranstaltungshalle genutzt wird. Zurück in Leipzigs schöner Innenstadt mit ihren prunkvollen Passagen und Höfen, lässt sich auch hier am Markt 11 eine Hommage an die Industriekultur entdecken. Die Goethe Chocolaterie hat sich zum Festjahr einen besonders kreativen Beitrag einfallen lassen: In ihrer Filiale in der Marktgalerie hat die Firma ein Schaufenster zum Thema Industriekultur gestaltet – größtenteils aus Schokolade. Vor der Kulisse der Buntgarnwerke kreierten die Mitarbeiter ein Schaustück mit Boot und Bäumen aus 100 Prozent Schokolade. So wurden zum Beispiel die Blätter der Bäume aus mit Matcha gefärbten Kaffeebohnen hergestellt. Skadi Hofmann WEITERE INFOS www.leipzig.de/freizeit-kultur-und-tourismus Das Kunstkraftwerk Leipzig grassi Die Kunsthalle für die Leipziger Schule Metamorphosen – Industriekultur in der Fotografie 24.09.–20.12.2020 Im Gehäuse – Malerei aus 70 Jahren 31.01.–17.05.2020 This is not funny – junge Kunst aus Leipzig 25.06.–06.09.2020 KUNSTHALLE otto-schill-straße 4a, 04109 Leipzig mittwoch 12–20 uhr, donnerstag bis sonntag 10–18 uhr, feiertage 10–18 uhr www.kunsthalle-sparkasse.de facebook.com/KunsthalleLeipzig

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