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Medizin_Heute_4/2020

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MAGAZIN FÜR GESUNDHEIT UND MEDIZIN IN SACHSEN

Seite 4 Schwerpunktthema

Seite 4 Schwerpunktthema Diabetes WENN DAS SMARTPHONE DIEINSULIN-NADELSTEUERT An denHelios Weißeritztal-Kliniken in Freitalentsteht ein neuer Schwerpunktder Behandlung von Diabetespatienten über dieRegionhinaus. Text:JensFritzsche Foto:Thorsten Eckert Fü Fr Fm Fanche Krankheiten haben sich Mediziner vel vi zu niedliche Namen Fu Fs Fg Fedacht. a Diabetes mellitus ist so ein Beispiel. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet das so viel wie „honigsüßer Durchfl fluss“ – was damit zusammenhängt, „dass die altvorde- ren Äzte Är bemerkt haben, dass der Urin der Patienten süßlich schmeckt“, weiß Dr. Andreas Reichel. Er ist seit wenigen Wochen neuer Chefarzt fürden Fachbereich Diabetologie an den Helios Weißeritztal- Kl iniken Freital. Und wird hier mit seinem erw eiterten Team aus Ärzten, Diabetesberatern und Ambulanzschwestern eines der größten Fachzentren zur Behandlung vor allem von Diabetes mellitusTyp1aufbau- en. „Mit dem Thema Diabetes habe ich mich schon in den vergangenen gut 30 Jahren am Uniklinikum Dresden befasst –woichebenfallseine Diabetes-Am bulanz entwickelt habe, in der rund 450 Patienten betreut wu rden“, macht er deutlich, dass das Thema ein durchaus drängendes ist. Denn anders als beim zunehmend häufiger werdenden Diabetes Typ 2 – einer ty pischen Krankheit der Wohlstandsgesellschaft mit Übergewi wicht durch allzu üppige Ernährung und Bewegungsmangel – handelt es sich beim Typ 1umeinesogenannteAutoimmunerkr ankung. „Der Auslöser ist vi elleicht vergleichbar mit dem Thema Heuschnupfen“, so der Freitaler Spezialist. Dortreagiertdiekörpereigene Abwehr auf eigentlich harmlose Pollen, die das Immunsystemfü rgefährliche Eindringlinge hält und allergische Reaktionen auslöst. „Beim Diabetes Typ 1 reagiert der Körper auf eine Fehlinformationvon Zellen undproduziert über kurz oder lang kein lebenswichtiges Insulin mehr –mit lebensbedrohlichen Auswi rkungen“, beschreibt Dr. Andreas Reichel. Denn der Körper braucht Energie, und ein wichtiger Energie- „DERDURCHBRUCH KAM MIT DER MÖGLICHKEIT,BLUTZUCKER DURCH DEN ERKRANKTEN SELBST RELATIV EINFACH MESSEN ZU KÖNNEN. Dr. Andreas Reichel baut in Freital das neue Diabetes-Zentrum aus. Seit über 30 Jahren ist die Behandlung von „Zucker“ sein Spezialgebiet. träger ist dabei Zucker. Ihn brauchen die Körperzellen. Über den Blutkreis- lauf wird der Zucker transportiert – aber es braucht eben noch den „Türöffner“, damit der Zucker auch tatsächlich ins Zelleninnere gelangt, „Dafür produziert der Körper in der Bauchspeicheldrüse Insulin; das schleust den Zucker quasi in die Zellen ein.“ Bei Diabetes-Patienten ist die Insulin-Produktion außer Takt, „oft stellt der Körper gar kein Insulin mehr her“, so der Freitaler Chefarzt. Dann ist dringender Handlungsbedarf angesagt. Häufiger sind junge Menschen betroff ffen Im Volksmund ist oft vom „Alters-Zu- cker“ die Rede. Mit zunehmender Lebenszeit steigt die Gefahr, an Diabetes zu erkranken. „Dies gilt für den Typ 2, die schon erwähnte Wohlstandskr krankheit“, stellt Dr. Reichel klar. Zu wenig Bewegung, ungesunde Ernährung steigern hier das Risiko. Bei Diabetes Typ 1 hingegen ist der Lebenswandel nicht ausschlaggebend für die Erkrankung. „Hier geht es wie beschrieben um eine Fehlreaktion unseres Immunsystems!“ Und so sind – auch wenn diese Krankheit in jedem Lebensalter plötzlich auftreten kann – vor allem junge Menschen von Diabetes Typ 1 betroffen. „Das liegt daran, dass unser Immunsystem in jungen Lebensjahren sehr aktiv ist“, kennt Dr. Andreas Reiche einen der Gründe. Noch bis in die 1980er Jahre hinein war die Diagnose Diabetes Typ 1 mit dem Wissen verbunden, dass die Betroffenen keine hohe Lebenserw rwartung hatten. Schäden an Nieren, Nerven und Augen waren Folgen der Erkrankung, Patienten mussten an die Dialyse. „Alles das ist heute nicht mehr so!“ Der Durchbruch kam mit der Möglichkeit, Blutzucker durch den Erkrank- ten selbst relativ einfach messen zu können – darauf baut nun die moderne Behandlung auf. „Und die Lebenserwartung ist längst ähnlich wie bei Gesunden, eine gute Therapie vorausgesetzt“, macht der Spezialist deutlich. „Einschränkungen gibt es für die Betroffenen noch, manchmal sind auch Aufwand und Belastung hoch aber die meisten Menschen mit Typ 1-Diabetes können eine gute Einstellung erreichen“, ist Dr. Reichel überzeugt. Und wie funktioniert sie nun, die möglichst perfekte Diabetes-Behandlung? „Im Prinzip müssen wir nur die Natur nachbauen“, sagt Andreas Reichel mit einem Augenzwi winkern. Denn genau das ist eben doch nicht so einfach. Es geht um die richtige Dosierung des Insulins im Blut. Je nachdem, wie viel Energie benötigt wird – und das möglichst auch noch in kurzer Zeit. Der Körper hat für diese Regulierung – für den perfekten Einsatz des Insulins – ein eigenes Organ; die Langerhans’schen Inseln. „Daher auch der Name Insulin …“ Diese Langerhans’schen Inseln messen quasi den Zuckergehalt im Blut, kennen den aktuellen Energiebedarf des Körpers und dosieren nun das Insulin absolut exakt. „Bei den betroffenen Patienten ist dieses System gestört, also müssen wir das Insulin von außen in den Körper bringen – und zwar ebenfal alls in der perfekten Dosierung, macht der Freital aler Chefarzt klar. Es muss auf die genaue und für den Körper in diesem Moment notwendige Menge an Zucker im Blut geachtet werden. Dabei kommt der Zucker über die Nahrung in den Körper – als echter Zucker, in Süßigkeiten oder zuckerhal altigen Lebensmitteln –, aber auch durch umgewandelte Stärke. In Reis, Brot oder auch Obst, überall ist Stärke enthal- ten, aus der dann im Körper Zucker wird. Nicht zuletzt produziert auch die Leber Zuckerum – „zum Beispiel, wenn man längere Zeit nichts isst oder Stress hat“, fügt Dr. Reichel an. Beruflichen Stress, Probleme, Sport. Möglichst ähnlich schnell wie der Körper reagieren Alles das zeigt, wie komplex das Thema ist und wie komplex also auch die Lösung angegangen werden muss. Deshalb ist auch das Team um Dr. Reichel fachlich breit aufgestellt. „Das schwierigste Problem, das wir lösen müssen ist allerdings, dass wir abschätzen müssen, wie viel Insulin der Körper in der nächsten Zeit benötigt“, räumt der Diabetes-Spezialist ein. „Deshal alb muss es uns gelingen, möglichst ähnlich schnell wie der Körper reagieren zu können“, stellt er klar. Wenn Insulin gespritzt wird, dauert es etwa 20 Minuten bis zur Wirkung. Hinzu kommt, dass diese Wirkung dann zwei bis drei Stunden anhält. „Der Patient muss also sehr genau planen, was er in den kommenden Stunden tun will!“ Treibt er Sport, braucht er mehr Energie und muss seinen Insulin- Haushal alt darauf ausrichten. „Aber nicht jede Joggingrunde ist gleich, mal gibt es Gegenwind, mal ist die Tagesform anders – leicht ist das also nicht“, kennt der Freital aler Mediziner die Grenzen. Und er weiß natürlich auch, dass immer Unvorhergesehenes passieren kann. Deshalb kommt es nicht nur darauf an, die Patienten möglichst gut auf ein Leben mit Diabetes einzustellen. „Sondern wir brauchen auch sehr gute technische Unterstützung!“ Und die gibt es mittlerweile, klingt Dr. Reichel zufrieden. Seit 2016 stehen den Patienten beispielsweise von den Krankenkassen bezahlte Geräte zur kontinuierlichen Blutzuckermessung zur Verfügung; sogenannte CGM-Systeme. „Das

Seite 5 Prinzip ist relativ einfach: eine kleine Nadel steckt permanent in der Haut – mit einem Pflaster befestigt –, misst den Glukose-Wert im Gewebe und liefert die Daten dann an eine Smartphone-App“, beschreibt der Freitaler Chefarzt. Beim Blick aufs Smartphone weiß der Patient dann immer aktuell, wie es um seinen Blutzucker steht und kann reagieren. „Aber dafür muss er natürlich geschult werden – auch das tun wir in unserem Diabetes-Zentrum.“ Dazu werden die Daten dann auch regelmäßig bei den Sprechstunden ausgelesen und ausgewertet. Zudem lernen die Betroffenen hier auch, was sie bei bestimmten Werten zu tun haben.“ Die meisten tragen permanent eine kleine Insulin-Pumpe bei sich am Körper, erläutert Andreas Reichel. Nicht größer als eine Zigarettenschachtel, „also sehr diskret“. Per Knopfdruck wird das Insulin dann über eine Nadel abgegeben. „Das schmerzt auch nicht mehr so, wie die früheren Spritzen“, verweist der Spezialist auf einen weiteren wichtigen Aspekt. Und es ist eine wesentlich genauere Steuerung der Insulin-Gaben möglich: Es können nun auch kleinere Mengen, aber dafür regelmäßiger abgegeben werden. „Der nächste Schritt werden dann natürlich Systeme sein, die messen und selbstständig die richtige Menge Insulin spritzen“, blickt Dr. Reichel voraus. Die ersten dieser „halb-geschlossenen Regelkr kreise“ gibt es bereits. „Dafür gibt es spezielle Algorithmen, die für jeden Patienten angepasst werden müssen.“ Ein weiterer Schritt nach dem ersten, der an den Helios Weißeritztalkl kliniken in Freital jetzt mit der Erweiterung des neuen Diabetes-Zentrums gegangen wurde. „Die Bedingungen sind gut hier“, kommt der neue Chefarzt hörbar ins Schwärmen. Zum einen, weil es am Freitaler Krankenhaus bereits seit längerem ein Spezialzentrum zur Behandlung von Patienten gibt, die am diabetischen Fuß leiden. Zum anderen ist hier in Freital und im be- q www.helios-gesundheit.de/ kliniken/weisseritztal Für eine Fettstoffwechselstudie werden TeilnehmerInnen ab dem 50. Lebensjahr mit Gefäßerkrankungen (Verengung an Hals- und Herzkranzgefäßen oder einer Durchblutungsstörung der Arterien an den unteren Extremitäten) oder mit einer Zuckererkrankung (Diabetes mellitus Typ1oder Typ2)gesucht. Wenn Sie mit Blutfettsenkern (Statinen) die LDL-Zielwerte nicht erreichen können oder die verordneten Statine nicht vertragen, sind Sie eventuell geeignet. Sie erhalten ggfs. die Möglichkeit mit einem cholesterinsenkenden Präparat (PCSK9-Hemmer) behandelt zu werden. Die Studienteilnahme und Betreuung ist kostenlos. Bei Interesse melden Sie sich bitte zu einem ärztlichem Informationsgespräch bei uns. 2 Du hast eine Immunschwäche? Jetzt doppelt impfen lassen. Erkundige dich bei deinem nächsten Hausarztbesuch gleich nach bei nachbarten Helios-Kl Klinikum in Dippoldiswalde ein Adipositaszentrum etabliert, das sich mit Übergewi wicht und gesunder Lebensweise befasst, „was ja ebenfalls ein wichtiger Faktor in der Diabetes-Therapie ist“, so Dr. Reichel. Die Experten sind also bereits da, „jetzt werden wir das Ganze weiter bündeln und ausbauen“, ist der neue Chefarzt voller Enthusiasmus und Tatendrang. ............................................................... IMPF- 1x2 IMPFTERMIN VEREINBAREN

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