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immomag Oktober 2020

IMMOBILIEN-NEWS So wird

IMMOBILIEN-NEWS So wird der „Vorwärts“-Campus einmal aussehen. In der Bildmitte die Rückfront des historischen Gebäudeteils. Im Dresdner Südwesten wächst ein Bürohaus, das in seltener Synthese innovatives Bauen des 20. und 21. Jahrhunderts in sich vereint. „Vorwärts“ in die Zukunft „Es ist einfach ein Haus, das für sich spricht. Auch ohne jede Vorbildung in Architekturgeschichte erkennt jedermann intuitiv die ästhetische Qualität dieses Gebäudes“, sagt Matjaz Markelj über das Projekt, das in den letzten drei Jahren für ihn zu weit mehr als einem Geschäft geworden ist. Der Geschäftsführer der Berliner Genesis Macellum GmbH & Co. KG spricht über die Immobilie Fabrikstraße 13. In Architekturführern und Fachkreisen kennt man den Bau als den ehemaligen Fleischverarbeitungsbetrieb der Konsumgenossenschaft „Vorwärts“ Dresden. So manch älterer Einwohner der Stadt kann sich noch an die Zeit erinnern, als hier Fleisch- und Wurstwaren für die Dresdner Läden und Kaufhallen der Handelskette Konsum hergestellt wurden – deren Namen man in der Stadt, heute wie gestern, auf der ersten Silbe betont und mit einem „umm“ abschließt. Dass der Konsum der „KON-summ“ ist, wissen auch jüngere Dresdner, und Zugezogene lernen es schnell. Dass das ostdeutsche Handelsunternehmen eine Geschichte hat, die weit über die DDR hinausgeht und dass die Koteletts und Würste für die Töpfe und Teller von Dresden und Umgebung einmal in einem Klassiker der Industriearchitektur des 20. Jahrhunderts produziert wurden, ist weniger bekannt. Der Grund hierfür dürfte vor allem sein, dass in dem markanten Backsteingebäude an der östlichen Peripherie von Löbtau sehr lange Komplettstillstand herrschte. Im Jahr 1991 drehte der Konsum hier den Schlüssel um, alles (Arbeits-)Leben entwich aus den Mauern und für mehr als 25 Jahre dämmerte und bröckelte der Solitär vor sich hin. 2017 schließlich erwirbt die Genesis Macellum-Gruppe das Grundstück mit dem alten Fabrikgebäude und mehreren Nebengelassen jüngeren Datums. Man hat Großes vor, denn an der Fabrikstraße 13 soll bald wieder gearbeitet werden. Nur dieses Mal nicht mit Schweinehälften, Fleischermessern und Räucheröfen. Eine große Idee, nur in Teilen verwirklicht Rückblende: 1927 beginnt die Konsumgenossenschaft „Vorwärts“ mit den Bauarbeiten an der Fabrikstraße. Ursprünglich sollte das gesamte Karree mit einem hochmodernen Industriegebäude bebaut werden, eine regelrechte Nahrungs- und Genussmittelfabrik wollte man erschaffen. Wenn es nach dem Architekten Kurt Bärbig und seinen Auftraggebern gegangen wäre, dann wäre hier nicht nur ein Fleischverarbeitungsvertrieb entstanden – auch eine Großbäckerei, eine Brauerei und eine Brennerei waren geplant. Die im Herbst 14 www.sz-immo.de | Oktober 2020

IMMOBILIEN-NEWS 1929 beginnende Weltwirtschaftskrise, die die Weimarer Republik hart trifft, lässt aber nur den Bau zweier Gebäudeflügel und einer unterirdischen Wagenhalle zu. Der im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtete verklinkerte Stahlskelettbau, den wir heute sehen, war und ist also nur ein „Rumpf“ einer ursprünglich viel größeren Idee. Für das Architekturbüro, dass Matjaz Markelj mit der Wiederbelebung des Geländes beauftragt hat, ist das aber viel mehr gestalterische Chance als Grund zu rückwärtsgewandter Experten-Trauer. Denn die Genesis Macellum-Gruppe saniert den Bärbig-Bau nicht nur – sie macht ihn in Synthese mit neuer Architektur zum wohl bemerkenswertesten Bürohaus-Neubau Dresdens. Was im Vergleich zu einem Neubauvorhaben ungleich mehr Herausforderungen bereithält. „Zunächst galt es für uns, bei all den Umbauten, Einbauten, Teilsanierungen und Schadensbildern der vergangenen Jahrzehnte den Blick auf wieder herauszuarbeitende Qualitäten des historischen Gebäudeteils zu behalten“, sagt Thomas Kanthak, Mitinhaber des Dresdner Architekturbüros rka Architekten. Selbstredend im Rahmen strenger Bestimmungen, denn das Vorwärts-Ensemble steht bereits seit 1978 unter Denkmalschutz. „Wir wollen das Gebäude in all seinen Facetten und Details wieder erlebbar machen, aber auch im Kontext heutiger Ansprüche muss es im Hinblick auf Komfort, Behaglichkeit und Energieeffizienz nutzbar sein.“ Nur „nutzbar“ wäre für das, was Matjaz Markelj und die rka Architekten in Löbtau entstehen lassen, etwas zu viel der Bescheidenheit. Denn die Wiedererweckung und zeitgenössische Ergänzung des „Vorwärts“-Areals wird nicht nur ein Bürohaus, sondern im Grunde einen ganzen Campus hervorbringen. Dabei entsteht im selben funktional-modernen Geist, in dem Kurt Bärbig vor 90 Jahren seine zwei Gebäudeflügel entwarf, ein Komplex mit insgesamt etwa 35.000 Quadratmetern vermietbarer Fläche. „Modern“ bedeutet in diesem Fall unter anderem, dass beim Neubau ab dem ersten Obergeschoss alle Bauteile in Holzbauweise errichtet werden. Das Erdgeschoss, das Kellergeschoss mit Tiefgaragenebene und alle Erschließungskerne mit Brandwänden werden in Betonbauweise errichtet. „Dass der Neubau zu großen Teilen in Holzbauweise errichtet werden soll, macht das Vorhaben in dieser Größenordnung und Gebäudeklasse in Sachsen zu Pionierarbeit“, sagt Architekt Thomas Kanthak. Demzufolge war er auch von einigen genehmigungstechnischen Herausforderungen begleitet. „Auch soll der Neubau in sehr kurzer Frist errichtet werden. Hierbei muss die Geschwindigkeit des Betonbaus dem Takt des Holzbaus zumindest angenähert werden. Und darüber hinaus gilt es natürlich, gestalterisch auf angemessene Weise auf den markanten klassisch-modernen Baukörper des Altbaus zu antworten und den in den späten Zwanzigerjahren angefangenen Gesamtkomplex funktional weiterzubauen.“ Weiterbauen mit Hingabe und Behutsamkeit Dass es einfachere Bauvorhaben gibt, ist auch Matjaz Markelj klar. Für den Bauherren ist das aber kein Problem, sondern vielmehr der Kern seines Denkens und Arbeitens. „Meine Nische sind sozusagen tailor-made Produkte. Beim Bauen sind wir heute in einer Art ‚Kommerzmatrix‘ angekommen, die oft nur noch auf kurzfristig renditeorientierte Architektur fokussiert“, findet der Geschäftsführer, der auf der Riesaer Straße in Dresden bereits 2011 ein historisches Gebäude zu einem Bürohaus umgebaut hat. „Die meisten Büro- und Gewerbeobjekte sind heute uniform und nicht für flexible Nutzungsmöglichkeiten errichtet. Es stellte sich der Genesis-Gruppe die Frage, wie man sich am Markt Gehör verschafft.“ Auch deshalb wird die Bauweise des „Vorwärts“-Neubaus bewusst herausgestellt: „Die Holzlamellen an der Fassade sollen den Holzbau nach außen sofort erkennbar machen“, Klare Linien und zeitlose Ästhetik treffen auf ein hohes Maß an Zweckmäßigkeit. Das Dokument aus dem Stadtarchiv zeigt den Bärbig-Bau in den frühen Dreißigerjahren. ergänzt Thomas Kanthak. „Auch, weil wir damit ein klares Zeichen für den Holzbau im urbanen Kontext setzen möchten. Trotzdem werden wir dem Ensemble nicht zu deutlich einen Stempel aufdrücken. Wir versuchen vielmehr – ohne übertriebene Ehrfurcht vor der Geschichte des historischen Gebäudeteils – die Aufgabe der Sanierung und des ‚Weiterbauens‘ mit besonderer Hingabe und Behutsamkeit anzugehen. Und wir möchten sie mit nicht alltäglichen Mitteln lösen.“ Das Ergebnis dieser Bemühungen wird im Sommer 2021 für die Fleischfabrik seiner Bestimmung zugeführt. Interessenten für die Räumlichkeiten haben beim jetzigen Baustand noch immer die Möglichkeit, sich ihre Büros individuell zu gestalten. „Der Kunde kann noch umfänglich mitentwerfen“, verspricht Matjaz Markelj, „Im Rahmen eines bestimmten Preisbandes ist vieles möglich, sowohl in Bezug auf die Optik als auch auf die Raumaufteilung. Wir schneidern dem Interessenten sein neues Domizil gern auf Maß. Schon, um damit Gleichförmigkeit aus diesem besonderen Bau herauszuhalten.“ Aktuell kann die Genesis Macellum GmbH & Co. KG sieben Mieter für den „Vorwärts‘-Campus vermelden, plus Verhandlungen mit zahlreichen weiteren Interessenten. Warum aber findet man zu einem Immobilienprojekt dieser Größe und Qualität bisher so wenig Informationen im Netz? Matjaz Markelj begründet diese Zurückhaltung so: „Bis zur erkennbaren Projektreife gehen wir in der Regel nicht an die Öffentlichkeit. Das Areal ist jetzt an dem Punkt, an dem es an den Markt gehen kann. Genau an diesem Punkt ergibt sich für uns und den Kunden auch ein Preis, der für sich spricht. Intensiv die Werbetrommel rühren muss man dann gar nicht mehr.“ (sz-immo) Informationen zum Projekt und Mietanfragen unter hausverwaltung@ genesis-management und +49 (0) 30 860088200 Hintergründe zur Geschichte des Bärbig-Baus auf www.das-neue-dresden.de/ fabrik-konsumgenossenschaft.html www.sz-immo.de | Oktober 2020 15

Sächsische Zeitung und Sächsische.de

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