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immomag März 2020

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ARCHITEKTUR Unverbaute

ARCHITEKTUR Unverbaute Silhouette? Damit ist es schon lange vorbei. Dresden hat offiziell rund 350 Hochhäuser. Je nach Standort, wie hier von der Bergstraße, verstellen sie den Altstadt-Blick. Foto: Tobias Hoeflich Experten loben Dresdner Hochhausleitbild Im Gegensatz zu Berlin legt Dresden klare Gebiete fest, an denen sich Investoren orientieren können. Ein Hochhaus bleibt weiter ein Privileg. Fast bis auf den letzten Platz war der Rathaus-Plenarsaal am Abend des 25. Februar gefüllt, das Interesse am neuen Hochhausleitbild war groß. Geduldig verfolgten die Gäste den fast 80-minütigen Vortrag von Stadtplaner Christian Blum und Architekturhistoriker Christoph Schläppi. Seit Mai 2019 haben die beiden Schweizer sämtliche Gebäude in Dresden, die höher als 30 Meter sind, erfasst und wichtige Sichtachsen analysiert. Daraus haben sich drei Gebiete ergeben, in denen weitere Hochhäuser entstehen können. Neben dem Areal um den Hauptbahnhof sind das Bereiche zwischen Nossener Brücke und Freiberger Straße sowie in Dobritz und Niedersedlitz. Im innerstädtischen Raum empfehlen die Leitbild-Autoren, die Hochhäuser an Grunaer Straße und Stübelallee bei Sanierungen zu erneuern sowie neue dazwischenzusetzen. Dagegen sollten die Hochhäuser in der Johannstadt perspektivisch durch niedrigere Wohngebäude ersetzt werden. Nicht nur das Publikum fand lobende Worte für das Dresdner Hochausleitbild, das Ende März fertiggestellt und nach der Sommerpause im Stadtrat diskutiert werden soll. Auch der Professor für Baugeschichte an der TU Dresden, Hans-Georg Lippert, bezeichnete den Dresdner Ansatz, genaue Ja- und Nein-Gebiete für den Hochhausbau festzulegen, als sehr gut. Im Vergleich zu Berlin, wo ebenfalls ein Hochhausleitbild erarbeitet werde, sei dies konkret und mit Gestaltungskriterien versehen. Dagegen sei das Berliner Modell sehr abstrakt. „Ihre Arbeit hat eine hohe analytische Qualität“, lobte Lippert die Autoren. „Nicht prominente Einzelstandorte sollten das Ziel in Dresden sein, sondern die Verantwortung für die Stadt als Ganzes.“ Cornelius Scherzer, Professor im Fachgebiet Freiraumplanung der Hochschule für Wirtschaft und Technik Dresden, hob die plausible Ableitung der möglichen Hochhausstandorte aus der Topografie der Stadt hervor. Zu beachten sei, dass Kaltluftschneisen, die auch an Gewässer gekoppelt sind, nicht weiter zugebaut werden. Einer, der in der Praxis viele Hochhausprojekte mitentwickelt, ist Stephan Schütz. Der Architekt vom Büro Gerkan, Marg und Partner (GMP) findet besonders gut, dass das Leitbild in Dresden öffentlich diskutiert wird und sich Bürger mit einbringen können. „Herausgekommen ist etwas, das klare Handlungsanweisungen bietet und Standorte benennt“, sagt er. Das Gegenteil davon sei das Berliner Hochhausleitbild. „Ein Glück, dass Dresden jetzt solch ein konkretes Handlungsszenario hat.“ Wie viel öffentliche Nutzung Hochhäuser bieten können, zeigen die Beispiele seines Büros aus China. Dort sei Mehrwert für die Stadt ein wichtiges Thema. „Deshalb ist es auch für Dresden wichtig, möglichst viele öffentliche Bereiche in künftigen Hochhäusern vorzusehen“, sagt Schütz. GMP hat das neue Verwaltungsgebäude von Drewag und Enso an der Fritz-Löffler-Straße entworfen. Dort wird es einen öffentlich zugänglichen Innenhof mit Wasserspiel geben. Ein Hochhaus gegenüber dem World Trade Center? Aus der interessierten Dresdner Bürgerschaft kamen neben viel Lob auch Hinweise und Anfragen. Dass ein Hochhaus immer auch ein optischer Magnet ist, der die Umgebung aufwerten soll und Zentrumscharakter bekommen soll, regte ein Anwesender an. Genau das sei die Absicht des Hochhausleitbildes – neue Zentren zu schaffen, sagte Christian Blum. Warum nicht auch Blickachsen aus dem Dresdner Westen, zum Beispiel Mobschatz, für die Analyse zugrundegelegt wurden, wollte Torsten Kulke wissen, der Vorsitzende der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden. Die seien nochmals geprüft, aber keine schützenswerten gefunden worden, sagt Blum. Kulke fragte auch, ob bei den Kostenstrukturen für Hochhäuser auch Sozialwohnungen denkbar wären. In München gelinge es bereits, in einem Hochhaus sowohl Sozialwohnungen für rund sechs Euro Kaltmiete als auch andere für 24 Euro pro Quadratmeter bei fast gleicher Ausstattung anzubieten, erklärte der Leiter des Stadtplanungsamtes, Stefan Szuggat. Und es gab es auch Anfragen zu konkreten Grundstücken. Ob gegenüber dem World Trade Center nicht auch ein Hochhaus stehen könnte, fragte ein Architekt. Laut Leitbild sind dort aber nur höhere Häuser mit maximal 28 Meter Höhe möglich. „Natürlich wird es immer Fälle geben, bei denen sich Investoren durch unsere Vorgaben reglementiert sehen“, sagte Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). Doch es sei Aufgabe der Stadt, Regeln zu definieren. Grundsätzlich wird es in Dresden ein Privileg bleiben, ein Hochhaus zu bauen, sagten die Leitbild-Autoren. (Sächsische Zeitung, Kay Haufe) 22 www.sz-immo.de | März 2020

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