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Immomag Juni 2020

FARBEN Ein Mix heller

FARBEN Ein Mix heller Braunschattierungen mit Weiß und hellem Grau wirkt frisch und trotzdem elegant. Foto: pexels.com/Vlada Karpovich Eine Farbe, die (häufig) sexy macht Die Farbe Rot zeigt auch in der Beziehung von Mann und Frau eine besondere Wirkung. Einer Studie der Technischen Universität in Dortmund und der Bergischen Universität Wuppertal zufolge empfinden Männer Frauen, die rote Kleidung tragen, als attraktiver als Frauen, die sich in alle anderen Farbtöne kleiden. Das gilt aber nur für junge Frauen – interessanterweise verpufft bei älteren Geschlechtsgenossinnen die Wirkung der Farbe auf das andere Geschlecht nahzu komplett. Und: Eine andere Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass Frauen andere in Rot gekleidete Frauen in einem höheren Maße als Rivalinnen empfinden, als dieselben Frauen in andersfarbigen Kleidungsstücken. Rot macht also, kurz gesagt, sexy. Oder zumindest reden uns das Teile unseres Gehirns vehement ein. Auch eine Eigenschaft wie beispielsweise Seriosität kann durch eine kluge Auswahl von Farben fühlbar gemacht werden. Ein Effekt, den Werbeagenturen und PR-Firmen sich schon lange zunutze machen. Wenn es zum Beispiel darum geht, einem Dienstleistungsunternehmen, das sehr stark auf das Vertrauen seiner Kundschaft angewiesen ist, ein neues optisches Erscheinungsbild zu geben, dann werden die Werbeprofis mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Farbpalette zurückgreifen: Blau- oder Grüntöne, Grau und andere „unaufgeregte“ Farben dürften in der Gunst der Grafiker und Webdesigner weit vorn liegen. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel. Was der konservativen Bank oder Versicherung aus Werberperspektive gut zu Gesicht steht, muss noch lange nicht zum hippen Online-Zahlungsdienstleister passen. Denn: Eine scheinbar „unpassende“ Farbwahl sichert in der Welt der Marken ja auch Aufmerksamkeit. Und die ist ein hohes Gut in einer Welt stetig zunehmender „Beschallung“ mit Werbebotschaften. Herkunft entscheidet über Farbempfinden Was man bei all dieser Psychologie aber nie vergessen sollte: Wie wir Farben wahrnehmen, ist nicht unveränderlich in unseren Gehirnen festgeschrieben. Die Emotionen, die Menschen mit visuellen Sinneseindrücken verbinden, haben häufig auch kulturelle Wurzeln. In westlichen Kulturkreis beispielsweise ist Schwarz die Farbe, die Trauer und Tod symbolisiert. Gleichzeitig steht sie aber auch für Autoriät – Security-Mitarbeiter, die nicht (überwiegend) in Schwarz gekleidet sind, dürften zumindest hierzulande schwer zu finden sein. Auch weltläufige Eleganz wird der Farbe Schwarz in den westlichen Kulturen – die streng genommen gar keine Farbe, sondern ein physikalischer Zustand ist - zu- 18 www.sz-immo.de | Juni 2020

FARBEN geschrieben. Das „kleine Schwarze“ und der Smoking sind hierfür gute Beispiele. In vielen Regionen Asiens hingegen ist Weiß die Farbe, die man mit Tod und Trauer assoziiert, in Teilen Südamerikas ist es sogar Orange. Wo es um Entspannung geht, sollte kein Rot an die Wand. Bei Möbeln funktioniert es aber. Foto: pexels.com/Hans Nur eins von unzähligen Beispielen, das den Einfluß unser kulturellen Prägung auf unsere Farbwahrnehmung demonstriert. Und es geht noch weiter. Denn nicht nur unsere geografische Herkunft, auch unsere ganz individuelle Vergangenheit spielen eine Rolle bei der Frage, mit welchen Farben wir uns heute wohlfühlen. Wer als Kind glückliche Momente in Räumen erlebt hat, die in Farben gestaltet waren, die von den meisten anderen Menschen als „kühl“ oder „distanziert“ beschrieben werden, der wird sich auch seinem Erwachsenenleben mit solchen Farben wohlfühlen. Wer andererseits eine schreckliche Kindheit in einer Wohnung hatte, die in „warmen“ und „harmonischen“ Tönen gestrichen war, der wird entsprechend negative Assoziationen auch später nicht unterdrücken können. Flüchten, arrangieren oder wohlfühlen? All diese Tatsachen sollten wir bedenken, wenn wir unsere Wohnumgebung neu gestalten möchten – sei es vor einem Umzug oder bei der Planung eines eingegehenden Facelifts für bereits bewohnte Räumlichkeiten. „Farben und Oberflächen bewegen tatsächlich viel in unserer Wahrnehmung“, sagt Ralf Leuter von „Ihr Einrichter“, einem Dresdner Dienstleister für Innenarchitektur, Raumplanung und Raumausstattung. „Grundsätzlich müssen wir uns fragen: Warum gibt es Räume, in denen ich mich wohl fühle? Warum wecken andere unangehme Gefühle in mir? Der Mensch hat verschiedene Hirnareale. Die einen arbeiten eher analytisch-logisch, und wir sind uns ihrer Arbeit auch bewusst. Andere arbeiten für unsere Wahrnehmung hintergründiger, aber sie arbeiten – und sie bestimmen über unsere Gefühle. Es ist tief in unseren Genen verankert, ob wir flüchten müssen, ob wir uns mit einer Situation gerade so arrangieren oder ob wir uns in ihr rundum wohlfühlen.“ Im Gegensatz zu unseren tierischen Vorfahren und unseren Urururgroßeltern, die durch die afrikanischen Savannen streiften, haben wir sesshaften Jetztzeitmenschen aber einen entscheidenden Vorteil: „Natürlich sind wir heute wesentlich sensibler unterwegs, das Großhirn wägt viel ab. Im Bezug auf die Umgebungen, die wir wählen, kann vieles von uns selbst beeinflusst werden. Wir können intelligente Entscheidungen treffen und unsere unmittelbare Umwelt so lange verändern, bis wir sagen können: Hier ist es schön“, so Ralf Leuter weiter. „Und ‚schön‘ machen wir es uns eben hauptsächlich mit Proportionen, Anordnung von Einrichtungsgegenständen, Farbkombinationen, Oberflächenzusammenstellungen oder auch mit Verzierungen und Dekorationen, die gar keine Funktion haben müssen. Wir empfinden sie als ästhetisch – und das genügt vollkommen.“ Einfach mal das Hirn manipulieren Und wie kann ich nun mithilfe meiner Farbauswahl mein ganz persönliches Wohlbefinden in meinen vier Wänden steigern? Das kann schon damit anfangen, dem Gehirn vorzugaukeln, dass die Wohnung größer ist. Der einfachste Trick hierfür: Die Stirnwände, auf die man beim Betreten der Zimmer schaut, möglichst hell streichen, die anderen Wände hingegen dunkler. Der Effekt ist frappierend – und hierfür muss man sich noch nicht einmal bestimmter Farbtöne bedienen. Wer seine Räume als optisch zu groß empfindet, macht es genau andersherum. Auch in Sachen Raumhöhe lässt sich unser Wahrnehmungsapparat recht leicht überlisten. Wer in seiner Altbauwohnung etwas zu viel Hallenatmosphäre verspürt, streicht die Decke (und optional auch den oberen Teil der Wände) dunkel. Einen zusätzlichen „Staucheffekt“ erreicht man mit Wänden, die mit Querstreifen verziert sind. Wer es genau andersherum mag, betont die Höhe seiner niedrigen Räume mit Längsstreifen, bodenlangen Vorhängen und Bildern oder anderer Wanddekoration im Hochformat. Auch die Proportionen der Möbel tragen viel zum Raumeindruck bei. Schmale, möglichst hohe Regale zum Beispiel strecken den Raum optisch nach oben, ein langes Sideboard sorgt für mehr Breitenwirkung. Bei der Wahl der Farben für die Wände, für die größeren Einrichtungsgegenstände sowie, falls gewünscht, für Vorhänge oder Jalousien, kann man sich getrost an den reichen Erkenntnissen der Wahrnehmungsforschung der letzten Jahrzehnte orientieren. Dabei sollte man – wie bereits erwähnt – immer im Hinterkopf behalten, dass diese Daten keine Dogmen darstellen, und dass die Gefühle, die von Farben ausgelöst werden, immer auch im Individuum und seiner kulturellen Herkunft wurzeln. Hier also eine kleine Zusammenfassung der Faktoren, die man bei der farblichen Gestaltung seiner häuslichen Umgebung beachten sollte: Die Farbe Blau ... ... wirkt auf den Menschen ruhig und „rein“, sie gibt einem Zimmer Harmonie und Ruhe. Blau wird für Räume empfohlen, in denen wir uns entspannen sollen. Für Bad und Schlafzimmer also eine gute Wahl. Außerdem kann Blau, wenn es nicht zu dunkel ist, enge Räume größer erscheinen lassen. Die Raumtemperatur in blau geestrichenen Zimmern wird nachweislich als niedriger empfunden, als sie tatsächlich ist. www.sz-immo.de | Juni 2020 19

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