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immomag Februar 2020

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ARCHITEKTUR eine

ARCHITEKTUR eine Revolution aber handele es sich nicht, sondern um ein „langsames, stetiges Umdenken“. Zahlen wie jene vom Fachverband Strohballenbau illustrieren beispielhaft, dass noch Luft nach oben besteht: Der Verband schätzt die Zahl strohgedämmter Gebäude in Deutschland auf 900 bis 1500. Zum Vergleich: Der Bestand an Wohngebäuden liegt bei rund 19 Millionen. Klimadebatte als Katalysator Durch die Debatte um mehr Klimaschutz rücken die traditionellen Bauweisen mit Lehm, Stroh, Holz etc. und damit der möglichst große Verzicht auf stark verarbeitete Baustoffe wieder vermehrt in den Fokus. Die natürlichen Baustoffe seien besonders klimafreundlich in ihrer Herstellung und Entsorgung, erklärt Klaus-Jürgen Edelhäuser, der auch im Vorstand der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau sitzt. Darüber hinaus würden sie ohne hohen Energieaufwand produziert. Natürlich gewachsene Stoffe wie Stroh oder auch Dämmstoffe aus Holz oder Jute haben außerdem einen sogenannten CO₂- Senkeneffekt. Während des Wachstums spalten die Pflanzen Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff und Kohlenstoff auf – den Sauerstoff geben sie ab, den Kohlenstoff binden sie. Dieser bleibt auch so lange gebunden, wie das Gebäude steht, erläutert Anna Wolff von der Deutschen Umwelthilfe. Vorzüge und Herausforderungen Doch allein das gute Gewissen, etwas fürs Klima getan zu haben, dürfte die meisten Bauherren nicht überzeugen. Alternative Baustoffe haben jedoch auch gewisse praktische Vorzüge. Lehm zum Beispiel: „Der trägt zu einem angenehmen Raumklima bei, weil er eine hervorragende Feuchtepufferung hat“, beschreibt Edelhäuser. Auf der anderen Seite haben die Stoffe gewisse Anfälligkeiten, auf die Planer Rücksicht nehmen müssen. Bei Stroh und Lehm zum Beispiel sei der Feuchteschutz wichtig, sagt Edelhäuser. „Stroh verschimmelt, wenn es nass wird und nicht mehr abtrocknen kann. Lehm wiederum quillt auf, wenn er massiver Feuchte ausgesetzt ist.“ Dem lässt sich im Grunde aber baulich vorbeugen. Generell stoßen natürliche Materialien aber im feuchtekritischen Bereich, etwa beim Fundament, an ihre Grenzen. „Da fehlt es noch an Innovationen“, sagt René Görnhardt, Baustoffexperte der FNR. So seien Alternativen, beispielsweise ein Textilbeton mit Flachs als Verstärkung, noch nicht ausgereift genug, um zeitnah im Einfamilienhausbau zum Einsatz zu kommen. Das heißt: Beim Fundament geht es noch nicht ohne Beton. „Und da wissen wir ja, dass er nicht gerade ein ökologischer Stoff ist“, sagt Görnhardt. Man könne zwar ein Streifenfundament mit weniger Beton als Basis nutzen oder ein Haus ganz ohne Bodenplatte planen. Das sei technisch durchaus möglich, werde aber eher selten umgesetzt. Kein Schwarz-Weiß-Denken bei der Planung Ist ein Gebäude überhaupt noch nachhaltig, wenn konventionelle Baustoffe verbaut wurden? Für Klaus-Jürgen Edelhäuser lautet die Antwort: ja. Er möge diese Art von „Schwarz- Weiß-Denken“ nicht. Der Bauingenieur führt das an einem Beispiel aus: Selbst wenn man ein Haus sehr schonend baut und zum Beispiel in der Wärmedämmung auf Schafwolle, – fnr.de (Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe) – oekobaudat.de (Datenbank des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat für die Ökobilanzierung von Bauwerken – wecobis.de (Ökologisches Bauinformationssystem des Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, das zusammen mit der Bayerischen Architektenkammer betrieben wird) Schilfrohr oder Hanf setzt, Rahmen sowie Verkleidung aus Holz konstruiert und Faserputze nutzt, „wird man sehr wahrscheinlich ein Bad aus Fliesen haben, mit Silikon- und Folienabdichtungen“. So werde einfach ein gewisser Wohnkomfort sichergestellt, und das sei auch nichts Negatives. Das Gebäude sei dennoch nachhaltig. Auch zu Beton hat Edelhäuser eine klare Meinung. „Natürlich hat er eine schlechte CO₂- Bilanz, etwa wegen der Hochofenprozesse bei der Zement-Herstellung. Deshalb sollte man ihn als Baustoff jedoch nicht verteufeln.“ Er sei auch bei nachhaltig geplanten Bauten eine Option, die sinnvoll und vor allem wirtschaftlich ist. Wie sieht es eigentlich mit den Kosten für alternativ geplante Häuser aus? „Vor zwei, drei Jahren hätte ich noch gesagt, sie sind teurer als konventionelle Bauweisen“, sagt Edelhäuser. Inzwischen sei das Angebot an Baustoffen aber gewachsen, die Produkte seien zum Teil günstiger geworden. „Sie sind nicht mehr unbedingt teurer.“ Und im Unterhalt seien alternativ gebaute Häuser sogar im Vergleich zu konventionellen Gebäuden teilweise günstiger.(Tom Nebe, dpa-tmn) Der deutsche Staat mag es grün: Wer entschlossen ist, einen Neubau oder eine Sanierung nach ökologischen Kriterien durchzuführen, wird von Bund und Ländern finanziell unterstützt. Bauherren und Immobilieneigentümer können so die häufig etwas höheren Kosten für Planung, Material und Bauausführung ausgleichen. Am Ende besitzen sie im besten Fall eine Immobilie, die nicht teurer war als ein normales Haus, die aber weniger Nebenkosten verursacht, wohngesünder ist und einen höheren Wiederverkaufswert hat. Grundsätzlich kann man sich aus drei großen Fördertöpfen bedienen: KfW, BAFA, lokale Programme. 1. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) ist die größte nationale Förderbank Deutschlands und unterstützt Bauherren bei der Schaffung von neuem oder der Sanierung von bestehendem Wohnraum. Dem umweltbewussten Bauen hilft die KfW auf besondere Weise: Je energieeffizienter ein Haus den Standards der Förderbank zufolge ist, desto größer ist der Anteil, welcher vom gegebenen Darlehen erlassen wird. 2. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) unterstützt mit seinen Fördergeldern energieeffiziente Heizungsanlagen. Es belohnt den Einbau entsprechender Heizsysteme mit Zuschüssen. 3. Auch manche Länder oder Kommunen unterstützen ökologische Bauvorhaben. Je nachdem, in welchem Bundesland beziehungsweise welcher Stadt sich die Immobilie befindet, gibt es ganz verschiedene Optionen. Einfach mal im Rathaus nachfragen. Wichtig hierbei: Einige der oben genannten Förderangebote sind miteinander kombinierbar, das kann zu Synergieeffekten führen, die die Brieftasche des Häuslebauers oder Sanierers zusätzlich entlasten können. Bei manchen Angeboten besteht diese Option nicht. Hier sollte man sich unbedingt von Profis beraten lassen. Denn es gilt, keinen Cent des von Vater Staat verteilten Gelds zu verschenken. Eine hervorragende Übersicht zu den Fördermöglichkeiten findet man im Internet unter www.financescout24.de/wissen/ratgeber/oekologisch-bauen-foerderung 38 www.sz-immo.de | Februar 2020

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