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Immomag April 2020

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WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG

WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG Ende der 90er-Jahre wurde der Gewerbehof an der Löbtauer Straße errichtet. Fotos: DGH (2) Der Gewerbehof Löbtauer Straße bietet im Innenhof viel Platz für Transporter zum Be- und Entladen. könnte. „Die Nachfrage von Unternehmen nach Büros und Laboren ist sehr hoch, die Kapazitäten sind aber bereits stark ausgelastet“, betonte Franke kürzlich gegenüber dem Wirtschaftsportal Oiger. Während überlegt wird, das Nanocenter in Klotzsche zu erweitern, ist auch ein völlig neues Technologiezentrum an der Reicker Straße im Gespräch. „Wir müssen neu investieren“, so Franke. Zu den Technologie- und Gründerzentren kommen drei Gewerbehöfe an Löbtauer, Großenhainer und Freiberger Straße, wo derzeit rund 600 Menschen arbeiten. Seit der Gründung der Dresdner Gewerbehofgesellschaft (DGH) im Jahr 1996 durch die Stadt hat sich die vermietbare Fläche Schritt für Schritt gesteigert – auf inzwischen fast 23.000 Quadratmeter. Es begann zunächst an der Löbtauer Straße, wo 1998/99 ein fünfgeschossiger Neubau auf einer früheren Industriebrache errichtet wurde. Am Standort Großenhainer Straße wurde Anfang 2004 mit der Vermietung begonnen. Den 1938 bis 1940 für die Rüstungsindustrie errichteten Industriekomplex hatte die DGH zuvor komplett saniert. Der Standort an der Freiberger Straße ist der jüngste: Erst im Dezember wurde der markante, orangefarbene Neubau nach 14 Monaten Bauzeit eröffnet. An den Dreigeschosser schließen sich im Hof eingeschossige Werkhallen an. Sämtliche Gewerbehöfe sind derzeit voll ausgelastet, selbst der neu eröffnete an der Freiberger Straße. Dass die Standorte mit städtischer Beteiligung aus allen Nähten platzen, liegt nicht etwa daran, dass die Miete hier besonders günstig wäre. Die Preise sind durchaus marktüblich, erklärt Franke. „Für Start-Ups gibt es zum Teil preisgünstige Start-Up-Pakete.“ Zusätzlich werden die Mieter in vielerlei Hinsicht durch das Amt für Wirtschaftsförderung unterstützt: Firmengründung, Finanzierung, Geschäftsentwicklung und Kontaktvermittlung. Und es gibt weitere Vorteile für potenzielle Mieter: So werden die Bauten der Gewerbehofgesellschaft nur in einem erweiterten Rohbau errichtet. Dadurch können die Mieter den Innenausbau nach individuellen Bedürfnissen gestalten. Umgekehrt müssen aber auch potenzielle Mieter bestimmte Kriterien erfüllen: „Bei den Technologiezentren richten wir den Fokus auf innovationsorientierte Geschäftsfelder“, erklärt Dresdens oberster Wirtschaftsförderer. Heißt: Neu- oder Ausgründungen im Bereich der Hochtechnologie, meist mit Bezug zu Unis, Hochschulen oder Instituten wie Fraunhofer oder Max-Planck. „Bei den Gewerbehöfen sollten die Mieter in der Regel klein- und mittelständige Unternehmen sein, die überwiegend im produzierenden Bereich tätig sind“, so Franke weiter. Angesichts der fast vollständigen Vermietung prüft die Stadtverwaltung seit Längerem, ob und wo Standorte erweitert oder neue Zentren eröffnet werden könnten. So ist schon eine Erweiterung des Gewerbehofs an der Freiberger Straße geplant. Auch komplett neue Standorte im Dresdner Norden oder im Bereich des Universitätsklinikums werden geprüft. Wenig Platz für Kreative Wie die Forscher- und Gründerszene leiden auch Beschäftigte der Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW) unter akutem Raummangel. Dabei wuchs die Szene, zu der zwölf Teilbranchen wie Designwirtschaft, Werbe- und Pressemarkt zählen, in Dresden in den vergangenen Jahren besonders dynamisch. 5,6 Prozent aller Arbeitnehmer sind hier inzwischen beschäftigt. Der Verein Wir gestalten Dresden, ein Zusammenschluss von Beschäftigten aus der KKW, weist immer wieder auf die Raumnot hin. Und der Stadtverwaltung ist das Problem bewusst, wie sie in ihrem Branchenbericht von 2018 festhält: Nur 33 Prozent der Befragten geben in einer Umfrage im Rahmen der Studie das Angebot von Arbeitsräumen und Gewerbeflächen als gut oder sehr gut an. Bei der Bewertung der Mietpreise sackt der Anteil auf 26 Prozent ab, die von gut oder sehr gut sprechen. Und das Angebot, was Ateliers, Werkstätten und Proberäume anbelangt, wird von 83 Prozent als schlecht bis sehr schlecht eingeschätzt. Die Branche betont, wie wichtig „weiche“ Faktoren wie lebendige Viertel, eine ausgebaute kulturelle Infrastruktur und kulturelle Angebote für die Attraktivität Dresdens seien. „Somit befördern Kultur und Kreativwirtschaft allein dadurch unzählige weitere Branchen und Wirtschaftszweige, halten Fachkräfte am Standort und sorgen für eine offene Atmosphäre in der Stadt“, heißt es bei Wir gestalten Dresden. Darüber sind sich die Wirtschaftsförderer im Klaren – und unterstützen die Branche in dreierlei Hinsicht: Bei der Kreativraumbörse geht es vor allem darum, Räumlichkeiten zu vermitteln. Weitere Fördermöglichkeiten gibt es zur Instandsetzung bestehender Räume. Und schließlich bietet auch das Amt für Kultur und Denkmalschutz mit der Atelierförderung ein Angebot. Nur: Der Mangel an Räumen ist damit nicht zu begleichen. Die derzeitige Situation sei daher „in vielerlei Hinsicht ein Hemmnisfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung“ der Branche, bilanziert die Stadt in ihrem KKW-Bericht. In den Fokus geraten daher zunehmend eigene Immobilien, die der Branche zur Verfügung gestellt werden könnten, erklärt Franke. „So wurde zum Beispiel für das Volkshaus Cotta eine Ausschreibung zum Erbbaupachtvertrag für die Nutzung durch die Kultur- und Kreativwirtschaft initiiert.“ Ein fertiges Konzept der Betreiber gibt es bereits. Weiter sind da schon die Köpfe hinter dem Zentralwerk an der Rie- 22 www.sz-immo.de | April 2020

WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG saer Straße in Pieschen: Eine Stiftung übernahm im Jahr 2015 die ehemalige Rüstungsfabrik und gab sie als Erbpacht weiter. Mehrere Millionen Euro wurden in den Umbau und die Sanierung investiert, finanziell unterstützt auch von der Dresdner Wirtschaftsförderung – für Gewerberäume, Ateliers, Werkstätten. Das Technologiezentrum an der Gostritzer Straße ist fast zu 100 Prozent belegt. Etwa 1.200 Menschen arbeiten hier. Foto: Amt für Wirtschaftsförderung Freie städtische Gebäude sind Mangelware Doch ungenutzte kommunale Gebäude sind rar und nicht immer klappt es, sie Kreativen oder Start-Ups zu überlassen. Die alte Neustädter Feuerwache an der Katharinenstraße etwa sollte per Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2014 entgegen den Plänen der Verwaltung nicht verkauft, sondern ein Zentrum der Kultur- und Kreativwirtschaft werden. Im Zuge der Flüchtlingskrise wurde das Haus des bekannten Dresdner Stadtbaumeisters Hans Erlwein jedoch zum Übergangswohnheim für Asylbewerber umgebaut. An der Nutzung des Hauses hat sich bis heute nichts geändert. Unklar ist auch die Zukunft der ehemaligen Operette in Leuben: Nachdem diese in das neue Kulturkraftwerk am Bahnhof Mitte gezogen ist, steht das Gebäude an der Pirnaer Landstraße leer. Neben einer Wohnnutzung war auch immer wieder ein Standort für Kreative im Gespräch. „Ziel sollte es sein, weitere kommunale Immobilien und Flächen für Kreative und Kulturschaffende in Dresden zu erschließen, um diese in Dresden zu halten und dadurch den Kreativstandort Dresden zu sichern und zu stärken“, heißt es im Bericht der Landeshauptstadt zur Kultur- und Kreativwirtschaft. Dabei will die Verwaltung auch auf private Eigentümer zugehen oder Immobilien prüfen, die im Besitz des Freistaat Sachsen sind. Gerade bei Privatbesitzern könnte die Verwaltung als Mittler auftreten. Das könnte „ein ergänzender Ansatz der sein, dass Kultur- und Kreativschaffende selbst in die Lage versetzt werden, langfristig Eigentum zu erwerben“. Klar ist aber auch – egal ob Industrie, Gewerbe, Forschung oder Kreative: Selbst als Bauherr und Vermieter auftreten, wird die Stadt auch in Zukunft wohl kaum. Dass die Stadt ungenutzte Privatgebäude abkauft, wie es derzeit bei der Robotron-Kantine am Deutschen Hygiene-Museum angepeilt wird, dürfte die Ausnahme bleiben. Der Fokus liegt in den kommenden Jahren neben dem Ausbau der Technologie- und Gründerzentren eher in der Vermittlung von Kontakten und Flächen sowie in der Unterstützung von Unternehmern, Kreativen, Forschern – finanziell, aber auch beratend. Hinzu kommen die zehn kommunalen Gewerbegebiete, die der Landeshauptstadt gehören und überwiegend vermietet sind. Neue Flächen auszuweisen, wird deshalb eine wichtige Aufgabe der kommenden Jahre. Mit dem Wissenschaftsstandort Ost in Gruna entsteht derzeit das größte kommunale Gewerbegebiet überhaupt – mit einer Größe von etwa 100 Hektar. Die Stadt spricht hier von einem „energieeffzienten und ressourcenschonenden Forschungs- und Innovationsstandort“. Vor allem für größere Ansiedlungen und Biotechfirmen wurden freie Flächen in den vergangenen Jahren immer seltener. Zwar siedeln sich bereits erste Firmen auf einem Teilstück an, doch bis das komplette Areal wird nutzbar sein, werden noch Jahre vergehen. Völlig unklar sind derzeit die Folgen der Corona-Pandemie für Dresden als Zentrum für Wissenschaft, Gründer und Hochtechnologie – finanziell und strukturell. Deshalb steht für die städtischen Wirtschaftsförderer erst einmal Soforthilfe auf dem Programm. Für die kurzfristig bereitgestellten fünf Millionen Euro gingen binnen weniger Stunden über 5.000 Anträge von Selbstständigen und Kleinstunternehmern ein. Damit die Anträge schnell bearbeitet werden, wurde das Personal um Dutzende Mitarbeiter aufgestockt. Und wegen der großen Nachfrage ist bereits eine Verdopplung der Soforthilfe auf zehn Millionen Euro im Gespräch. (Tobias Hoeflich) Dresden als Zentrum für Forschung, Gründer und Innovation – Führend in der Mikroelektronik: Jeder zweite gefertigte Chip in Europa kommt aus Dresden. Die Branche vereint in Dresden rund 1.500 Unternehmen mit 48.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 13 Milliarden Euro. – Raum für Gründer und Technologien: In Dresden gibt es sieben Gründer- und Technologiezentren, an denen die Landeshauptstadt beteiligt ist – unter anderem an der Löbtauer und Großenhainer Straße sowie am Manfred-von-Ardenne-Ring. – Höchste Forscherdichte in Deutschland: Auf 1.000 Beschäftigte kommen 32,62 Angestellte im Bereich der Hochschulen (Zahlen aus dem Jahr 2012). Mit 45 Forschungseinrichtungen rangiert die Stadt deutschlandweit auf Platz fünf. – Dresden als „Fraunhofer-Hauptstadt“: Allein die Fraunhofer-Gesellschaft hat hier zwölf Institute. Es folgen die Leibnitz-Gemeinschaft mit fünf und die Max-Planck-Gesellschaft mit drei Instituten. Auch die Helmholtz-Gemeinschaft hat ein Forschungszentrum. – Platz fürs Gewerbe: Dresden verfügt über zehn kommunale Gewerbegebiete. Davon sind drei derzeit voll belegt: an der Heeresbäckerei, in Langebrück und am Technopark Nord. Mit hundert Hektar Bruttofläche wird der Wissenschaftsstandort Dresden-Ost das größte. – Hilfe für Kultur- und Kreativwirtschaft: In der Branche sind 5,6 Prozent aller Arbeitnehmer in Dresden beschäftigt. Für das Jahr 2020 stehen 100.000 Euro Fördermittel für Kreativräume bereit. 2019 wurden 26 Projekte gefördert. www.sz-immo.de | April 2020 23

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