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Immo Magazin 2021 - Frühjahr

GEWERBE World Trade

GEWERBE World Trade Center-Centermanager Jürgen Rees (WTC). Die Sichtweise eines Unternehmens, das im gewerblichen Hochbau tätig ist, vertritt Jörg Bechmann, Leiter der Niederlassung Sachsen der in Klipphausen ansässigen Goldbeck Ost GmbH (GOO): Die Preise für Gewerbeimmobilien in Deutschland sind in den letzten zehn Jahren stark angestiegen – der Bundesbank zufolge im Schnitt um 50 bis 60 Prozent. Mit ihnen stiegen die Gewerbemieten. Spiegelt sich diese Entwicklung auch in Dresden wieder? BPI: Derzeit liegen in Dresden die Durchschnittsmieten für Büroflächen bei etwa 10,50 Euro/m², in Spitzenlagen bei bis zu 16,50 Euro/m², bei einem Leerstand von weniger als drei Prozent. Vor 10 Jahren waren wir hier noch bei durchschnittlich ca. 6,50 Euro/m². Beim Einzelhandel gab es – bis vor Corona – ähnliche Anstiege in den besten Lagen, aber auch Abwertungen in C-Lagen und im ländlichen Raum. Durch die Pandemie sind die Preise tendenziell fallend oder gleichbleibend, da es kaum Bewegung am Markt gibt. Expansion gibt es aktuell nur im Lebensmitteleinzelhandel. Bei den stark nachgefragten Logistikflächen steigen die Preise überproportional. Es sind kaum entsprechende Flächen vakant, es kommen kaum Neubauten dazu. Produktionsflächen sind lediglich im unteren Größenbereich stark nachgefragt. WTC: Die Entwicklung um 50 bis 60 Prozent im letzten Jahrzehnt kann ich bestätigen. Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 hat sich der Gewerbeimmobilienmarkt recht schnell wieder erholt. Ich bin seit 2009 am World Trade Center Dresden tätig, in dieser Zeit ging die Preisentwicklung stetig nach oben. Vor elf, zwölf Jahren freuten wir uns, hier Mietverträge zu 7 oder 8 Euro Nettokaltmiete pro m² abschließen zu können, und selbst hierbei machten wir oft noch Zugeständnisse. Heute können wir dieselben Flächen für 12 bis 13 Euro Nettokaltmiete pro m² vermieten. GOO: Wir als Unternehmen aus dem gewerblichen Hochbau spüren eine solche Entwicklung naturgemäß eher bei den Baupreisen. Für uns heißt das: Mit systematisierter Bauweise und effizienter Planung und Ausführung diese Steigerungen für unsere Kunden beherrschbar machen. In welcher Verfassung zeigt sich der Markt für Gewerbeimmobilien im Umland der Landeshauptstadt? BPI: An der Stadtgrenze bricht die Nachfrage nach Büroflächen geradezu ab. Im unmittelbaren Umland Dresden sind die Büromieten um etwa die Hälfte niedriger. In Radebeul beispielsweise finden wir einen Durchschnitt von 6 Euro/m². Für den Einzelhandel gilt weiterhin: „Lage, Lage, Lage“ bestimmt den Preis. Wo kein Mensch ist, wird auch nicht gehandelt. Bei den Gewerbeflächen sind für Logistikstandorte Umlandgemeinden wie Klipphausen, Thiendorf oder Ottendorf sehr nachgefragt. Produktionsstandorte werden bevorzugt in der Stadt gesucht, weil dort eine gute Erreichbarkeit mit ÖPNV gewährleistet ist. GOO: Gewerbeimmobilien für Produktion und Logistik sind weiterhin stark nachgefragt – unserer Erfahrung nach mit wachsendem Fokus auf „Green Building“, also einer Bauweise, die nach Nachhaltigkeitskriterien erfolgt. Welche Veränderungen hat die Corona-Krise dem lokalen Markt gebracht? BPI: Im Bürobereich sehen wir bisher keine Auswirkungen. Die Nachfrage ist weiterhin hoch, bei überschaubarem Angebot. Im Einzelhandel gibt es wiederum kaum „Flächenbewegung“, da aktuell die Planungsunsicherheit zu groß ist. Es ist schwer abschätzbar, welche Konsequenzen der steigende Anteil des Versandhandels zukünftig auf den stationären Handel haben wird. Beim Gewerbe ist aus unserer Perspektive keine Veränderung ersichtlich, lediglich bei Logistikflächen werden kürzere Laufzeiten avisiert, am besten mit monatlicher Kündigungsfrist. # Bauschilder # Bauplanen # Leitsysteme # Bauzaunverkleidungen # Gerüstverhüllungen Design Bau Service 01796 Pirna Ruf 03501 547 16 43 info@marx-werbung.de Richard-Wagner-Str.12 GOLDBECK Ost GmbH Niederlassungen Sachsen Zum Bahndamm 18 | 08233 Treuen treuen-sachsen@goldbeck.de Hamburger Ring 1 | 01665 Klipphausen dresden-sachsen@goldbeck.de building excellence goldbeck.de 24 www.sz-immo.de | Frühjahr 2021

GEWERBE WTC: Unser Haus macht das durch, was auch an vielen anderen Büro- und Gewerbestandorten Realität war und ist. Corona hat besonders im Frühjahr 2020 während der ersten Corona-Welle hier im WTC Dresden ein durchaus gespenstisches Szenario hervorgerufen. Viele Mitarbeiter der bei uns ansässigen Ämter der Stadtverwaltung und anderer Firmen befanden sich im Homeoffice. Schwer getroffen hat es bei uns im Objekt die Comödie Dresden, die Gastronomiebetriebe, das Hotel Elbflorenz und auch das Fitnessstudio. Diese coronabedingten Herausforderungen versuchen wir durch kreative und innovative Ideen und Konzepte zu meistern. GOO: Nach einer kurzen Phase der Irritation Anfang des letzten Jahres ist die Nachfrage nach Gebäuden für Industrie und Gewerbe enorm gewachsen. Prinzipiell lässt sich aus unserer Perspektive kein nennenswerter „Coronaeffekt“ verzeichnen. Wie wird sich der Markt in den nächsten Jahren entwickeln? BPI: Stabil. Das Thema Homeoffice wird sich relativieren, die Nachfrage nach flexiblen Büromodellen und modernen Arbeitsplätzen wird steigen. Soweit die Neubautätigkeit nicht immens zunehmen wird, wird sich der Leerstand kaum verändern, entsprechend werden die Mietpreise stabil bleiben oder leicht steigen. Auch beim Gewerbe sehen wir zukünftig einen robusten Markt mit weiteren Projektentwicklungen. Beim Einzelhandel ist die Situation differenzierter zu sehen. A-Lagen werden weiter existieren, ohne Preisveränderung nach unten. Einzelhandelsimmobilien in B- und C-Lagen werden perspektivisch durch Dienstleistungs- und Büronutzung ersetzt. WTC: Sollte ein Großteil der Bürger bis zum Ende des Sommers „durchgeimpft“ sein, dann ist eine weitere positive Entwicklung zu erwarten. Bei uns im WTC Dresden ist die Nachfrage nach freien Büro-Mietflächen auch jetzt schon ungebrochen hoch. Außerdem werden wir den Trend zu flexiblen Arbeitsplätzen, modernen Arbeitswelten und der Kombination von Homeoffice- und Firmenarbeitsplätzen durch innovative und kreative Angebote im WTC Dresden konsequent umsetzen GOO: Wir rechnen mit eher steigender Nachfrage, vor allem in dem Bereich moderner energieeffizienter Gebäude, welche über intelligente Lösungen auch im Bereich „Smart Building“ verfügen – also bei der Digitalisierung ganzer Gebäude. In Deutschland wird aktuell viel vom „Sterben der Innenstädte“ geredet. Was sollte getan werden, um dem entgegenzuwirken? BPI: Die Attraktivität der Innenstädte sollte durch eine gut gemischte Balance von Arbeiten, Wohnen, Kultur und Einzelhandel erhöht werden. Neue Konzepte für ein Einkaufserlebnis, welches das Notwendige mit dem Schönen verbindet, sind gefragt. Parallel dazu sollte die Ansiedlung von Großcentern am Stadtrand im Rahmen gehalten werden. Wichtig ist auch eine gute nationale und internationale Anbindung der Städte durch attraktive Flug- und Bahnverbindungen. WTC: Bezogen auf das Beispiel Dresden sollte man es den Händlern in der Innenstadt in der derzeitigen Situation nicht noch schwerer machen, so wie zum Beispiel durch die kürzlich vom Stadtrat beschlossene Erhöhung der Parkgebühren. Investiert werden sollte weiter in die Attraktivitätssteigerung der Innenstädte. So könnte beispielsweise der Altmarkt durch zusätzliche Begrünung und mehr Sitzmöglichkeiten an Attraktivität gewinnen. GOO: Im Bereich unseres Produktportfolios Parken, Büro und Wohnen lässt sich sagen, dass es intelligente Angebote geben muss, die Arbeiten, Wohnen und Mobilität neu zu verbinden in der Lage sind. Hierzu zählen beispielsweise moderne Büroimmobilien mit neuen Arbeitsplatzmöglichkeiten, verbunden mit intelligenten Lösungen im Bereich Parken – Schlagwort E-Mobility-Abrechnungssysteme. (IMMO Magazin) www.sz-immo.de | Frühjahr 2021 25

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