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IMMO - Bauen & Finanzieren 2021

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AUSBAU In sechs

AUSBAU In sechs Schritten zum energetisch sanierten Haus Viele Hauseigentümer schieben die energetische Sanierung ihrer Immobilie vor sich her. Doch meist ist die Scheu unbegründet. Foto: istock.adobe.com/LianeM Durch eine energetische Sanierung kann man der Umwelt und seinem Geldbeutel etwas Gutes tun. Und kein Eigentümer muss sein gesamtes Haus auf einmal sanieren. Voraussetzungen für ein gutes Ergebnis sind eine unabhängige und professionelle Beratung sowie ein intelligenter Plan. Einen Königsweg gibt es nicht, jedes Haus ist anders. Experten geben Tipps, wie Eigentümer sich dem Thema annähern können. 30 Bauen & Finanzieren | Ausgabe 2021

AUSBAU 1. Schritt: Den Energieverbrauch im Haus senken „Der Energieverbrauch eines Hauses lässt sich grundsätzlich auf zwei Wegen senken. Zum einen durch Vermeidung von Energieverlusten, wie zum Beispiel durch das Dämmen von Dach und Fassade“, sagt Stefan C. Würzner vom Bauherren-Schutzbund in Berlin. „Aber auch der eigene Energiebedarf ist eine Stellschraube. Den kann man schon mit wenig Geld reduzieren.“ So können mit smarten Thermostaten an den Heizkörpern Temperatur, Zeit und Dauer des Heizens den individuellen Bedürfnissen angepasst werden. Eine Styroportapete hinter der Heizung verringert Wärmeverluste durch die kalte Außenwand. Auch die Warmwasserleitungen zu den Heizkörpern lassen sich dämmen. „All das sind energiesparende Maßnahmen, für die kein Handwerker notwendig ist“, sagt Würzner. „Sie bringen aber etwas und schärfen den Blick für weitere Sanierungsschritte.“ 2. Schritt: Energetischen Zustand des Gebäudes kontrollieren Oft beginnt die energetische Sanierung mit der Reparatur eines defekten Bauteils. „Dann bietet es sich an, gleich das Umfeld mit zu betrachten und das ganze Haus unter die Lupe zu nehmen“, sagt Martin Brandis von der Energieberatung der Verbraucherzentrale. Vieles hängt zusammen. „Müssen undichte Fenster ersetzt werden, ist es sinnvoll, die sie umgebende Fassade zu dämmen. Wird das Dach ausgebaut, sollte es auch gedämmt werden.“ Mit jedem Sanierungsschritt verändert sich der energetische Zustand des Hauses. Wie sich das auf das gesamte System auswirkt, sollte im Vorfeld am besten von Fachleuten berechnet werden. „Eine neue Heizung muss in den meisten Fällen nicht so viel leisten wie die alte, wenn das ganz oder teilweise sanierte Haus viel weniger Energie benötigt“, erklärt Brandis. „Sie kann also kleiner dimensioniert sein.“ Typische Baustellen sind Fenster, Fassade, Dach und Keller, ebenso Heizung und Haustechnik. „Was auf den Bauherrn im konkreten Fall zukommt, kann er online in unserem Modernisierungs-Check erfahren“, sagt Alexander Steinfeldt von der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online. Dort werden die derzeitige Heizenergiebilanz des Gebäudes und die Wirkung geplanter Sanierungsmaßnahmen berechnet. Sind Fördermittel für die Maßnahmen verfügbar, werden diese berücksichtigt und aufgelistet. 3. Schritt: Unabhängigen Energieberater suchen Wer über kleine, einzelne Energiesparmaßnahmen hinaus etwas machen möchte, sollte unabhängige Berater hinzuziehen. Das ist vor allem wichtig, wenn man durch die Sanierung in die Bauphysik eingreift. Solche Experten finden sich beispielsweise bei Verbänden sowie auf der Effizienzliste der Deutschen Energie-Agentur dena, im Netz zu finden auf www.energie-effizienz-experten.de. Wirklich teuer ist das nicht: „Diese Beratung und das Erstellen eines individuellen Sanierungsfahrplanes werden mit 80 Prozent der anfallenden Kosten gefördert“, sagt Alexander Steinfeldt. 4. Schritt: Individuelle Planung Ausgehend vom aktuellen energetischen Zustand des Hauses erstellt der Energieberater einen individuellen Sanierungsfahrplan und gibt auch einen Überblick über die zu erwartenden Kosten. „Dabei hat er durchaus das Budget des Eigentümers im Blick“, sagt Brandis. „Er kann Prioritäten setzen und entscheiden, was sofort gemacht werden muss und was vielleicht noch Zeit hat.“ Ist die Sanierung nicht in einem Zug möglich, können einzelne Arbeiten hintereinander geplant werden. „Die gesamte Sanierung könnte sich durchaus über ein oder mehrere Jahre hinziehen, das ist gar nicht so selten“, sagt Stefan Würzner. Sein Rat: Nicht hetzen lassen, viel Zeit einplanen. Auch bei der Suche nach Handwerkern. 5. Schritt: Fördermittel beantragen Seit Beginn dieses Jahres läuft die neue Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Damit werden die bisherigen Programme, darunter das CO2-Gebäudesanierungsprogramm und das Marktanreizprogramm zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmemarkt (MAP) gebündelt. „Es gibt viele Maßnahmen zur energetischen Modernisierung, die meist in Form von Zuschüssen oder günstigen Krediten gefördert werden“, sagt Alexander Steinfeldt. Wichtig ist, die Fördermittel vor Beginn der Sanierung zu beantragen. 6. Schritt: Nach der Sanierung die Wirksamkeit prüfen Wie wirksam eine energetische Sanierung ist, zeigt sich am besten durch den Vergleich des Energieverbrauchs vor und nach den Maßnahmen. „Da gibt es große Schwankungen“, betont Steinfeldt. „Manche Sanierungen führen nur zu einer Einsparung von acht Prozent, andere reduzieren den Energieverbrauch um 50 Prozent.“ Nicht selten stecken bauliche oder fachliche Fehler dahinter, wenn die Wirkung gering ist. „Ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend, sollte man gezielt nach solchen Mängeln suchen.“ (dpa-tmn) Drei Rechenbeispiele für eine energetische Sanierung „Wer seine selbst genutzte Immobilie energetisch saniert, hat grundsätzlich zwei Fördermöglichkeiten“, erklärt Baufinanzierungsexperte Ralf Oberländer von der Bausparkasse Schwäbisch Hall. „Die steuerliche Abschreibung oder den klassischen Investitionszuschuss.“ Die Steuerabschreibung läuft über drei Jahre (Höhe maximal 40.000 Euro). Voraussetzung: Ein Fachunternehmen muss die Arbeiten durchführen. Sie lässt sich erst nach Abschluss der Sanierung geltend machen. Anders bei den Förderungen des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): Hier muss der Hausbesitzer sämtliche Anträge vor Baubeginn stellen und für den KfW-Zuschuss vorher noch einen Energieberater hinzuziehen. Rechnung 1: die Komplettsanierung. „Bei besonders teuren und umfassenden Maßnahmen lohnt es sich in der Regel eher, eine Förderung der KfW in Anspruch zu nehmen“, weiß Oberländer. Beispiel: Eine Sanierung kostet 115.000 Euro. Bei einer KfW-Förderung (Programm 430 oder 151) kann sich der Immobilienbesitzer über einen Investitions- oder Tilgungszuschuss von 34.500 Euro freuen. Eine Steuerermäßigung bringt im Vergleich nur 23.000 Euro Ersparnis. Rechnung 2: schrittweise sanieren. Wer nicht so viel auf einmal investieren will, kann Schritt für Schritt sanieren. Beispiel: Neue Fenster für eine bessere Dämmung kosten etwa 35.000 Euro. Eine KfW-Förderung (Programm 430 oder 152) oder alternativ die Steuerabschreibung bringen jeweils eine Ersparnis von rund 20 Prozent. Tipp: „Die Steuerermäßigung kann auch nachträglich beantragt werden und macht unter Umständen weniger bürokratischen Aufwand.“ Rechnung 3: der Heizungsaustausch. Wer seine alte Ölheizung ersetzt, erhält je nach neuer Heizungsart eine Austauschprämie von bis zu 45 Prozent, maximal 22.500 Euro. Beispiel: Bei Einbau einer neuen Pelletheizung für rund 22.000 Euro erhält der Hausbesitzer einen Zuschuss von 9.900 Euro. Die Steuerersparnis liegt hier dagegen nur bei 4.400 Euro. Extra-Tipp vom Experten: „Welche Förderung sich am meisten lohnt, hängt von Art und Umfang der Maßnahmen ab. Energieberater und Baufinanzierungsexperten helfen bei der Suche nach der individuell passenden Lösung.“ (akz-o) Bauen & Finanzieren | Ausgabe 2021 31

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