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IMMO - Bauen & Finanzieren 2021

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ROHBAU Wenn der

ROHBAU Wenn der Weltmarkt den Hausbau ausbremst Auf deutschen Baustellen fehlt es immer öfter an Material – und was zu bekommen ist, wird immer teurer. Was können Bauherren tun? Was mancher noch zu Jahresbeginn als einen von Corona getriebenen „Heimwerkerboom“ abtun wollte, hat sich auf den Baustellen längst als Fakt etabliert: Baumaterial ist an allen Ecken und Enden knapp. Die Preise steigen und steigen, sie steigen auf der ganzen Welt und auf breiter Front. Egal, ob Holz, Stahl, Dämmstoffe, Erdölerzeugnisse wie Bitumen oder Kunststoffprodukte wie PVC-Rohre: Die Preissteigerungen betragen mal 20, mal 30 und hier und da auch schon mal 50 Prozent. Oder mehr. Nicht nur die „großen“ Dinge, die am Bau benötigt werden, sind von Verknappung und Teuerung betroffen. Selbst vermeintliche Pfennigartikel wie Nägel und Schrauben kosten zum Teil spürbar mehr als noch vor einem Jahr. „Die Rohstoffpreise 26 Bauen & Finanzieren | Ausgabe 2021

ROHBAU Foto: istock.adobe.com/JackF kennen derzeit kein Halten“, erklären der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten (BHB), der Herstellerverband Haus & Garten (HHG) und der Industrieverband Garten (IVG). Ein Ende der Materialengpässe für Industriemetalle, Holz oder Kunststoffe sei den Verbänden zufolge nicht absehbar. Die Ursachen dieser Entwicklung sind komplex, und bei jedem Rohstoff ist die Lage etwas anders. Der Hauptgrund ist und bleibt aber das Herunterfahren von Produktionskapazitäten weltweit gehandelter Roh- beziehungsweise Baustoffe zu Zeiten der Corona-Pandemie, in dessen Folge es mit dem Wiederhochfahren dieser Kapazitäten häufig hakte. Anders ausgedrückt: Eine komplexe Handels- und Verarbeitungskette, die in einer südamerikanischen Erzmine beginnt und bei einem deutschen Baustoffhändler endet, kann man eben nicht mal eben aus- und wieder anknipsen. Gleichzeitig sprang schon vor Monaten in den zwei mit Abstand größten Volkswirtschaften der Welt (USA und China) der Konjunkturmotor wieder an, unter anderem stimuliert durch staatliche Hilfspakete, deren Summen schwindlig machen. Im selben Moment fehlt es fast überall auf der Welt an qualifizierten Arbeitskräften – was Rohstoffgewinnung, Rohstoffverarbeitung und Warentransport zusätzlich verteuert. Dazu dürfte an der einen oder anderen Stelle auch ein gewisses Maß an Mitnahmementalität kommen. Denn wer randvolle Auftragsbücher hat, ist gern auch mal versucht, neben der reinen Weitergabe einer unvermeidlichen Preiserhöhung auch noch ein Quäntchen obendrauf für sich selbst mit einzukalkulieren. Produzenten und Händler sind Marktakteure, und in einer Marktwirtschaft bestimmen nun mal Angebot und Nachfrage über die Summen, die für Waren zu zahlen sind. Und die Preissteigerungen auf dem Weltmarkt betreffen nicht nur die Rohstoffpreise. Auch die Energiepreise treibt es derzeit massiv nach oben. Der Erdölpreis beispielsweise hat sich zwischen Mai 2020 und Mai 2021 mit einer Steigerung um 135 Prozent besonders stark erhöht. Die Preise für Mineralölerzeugnisse stiegen im selben Zeitraum um etwa 70 Prozent, der Preis für Erdgas um fast 100 Prozent. Wenn Strom und Treibstoffe teurer werden, verringert das auch die Gewinnmargen für diejenigen, die mit hohem Energieaufwand fördern, erzeugen, verarbeiten und transportieren müssen. Das betrifft praktisch die gesamte Grundstoffe-Branche – Preiserhöhungen sind die natürliche Folge. Die Preisspirale wird sich also weiter nach oben drehen, zumindest mittelfristig. Auch wenn es bei einzelnen Rohstoffen und Baumaterialien kurzfristig auch wieder zu Preisrückgängen kommen wird, dürfte der mittel- bis langfristige Trend aufwärts zeigen. Manche Finanzanalysten sehen sogar eine neuen „Rohstoff-Superzyklus“ am Horizont – also eine über mehrere Jahre andauernde Hochphase bei den Preisen. Für die Gegenwart bedeutet das: Menschen, die in entsprechende Aktien oder Fonds investieren, können sich seit über einem Jahr über eine sehr erfreuliche Entwicklung ihrer Portfolios freuen. Für viele Bauherren aber – und für so manchen, der mit Bauen oder Handwerksleistungen sein Geld verdient – ist diese Entwicklung inzwischen zu einem handfesten Problem geworden. Rechtsanwalt Florian Herbst, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein, erklärt im Interview, was Bauherren jetzt wissen müssen: Was bedeuten die gestiegenen Preise für laufende Bauprojekte? Die finanziellen Folgen sind für private Bauherren in den meisten Fällen zunächst einmal überschaubar. Die gestiegenen Kosten für Baumaterialien schlagen nicht durch, denn dieses Risiko trägt in der Regel der Bauunternehmer oder Handwerker. Wurde wie üblich ein Festpreis vereinbart, muss sich der Auftragnehmer daran festhalten lassen. Die höheren Kosten für Baumaterialien muss dieser selber tragen. Also alles kein Problem? So einfach ist es nicht. Die Materialien sind nicht nur teurer geworden, sondern oft auch knapp. Das kann zu Lieferengpässen und damit zu Bauverzögerungen führen. Wenn Termine nicht eingehalten werden können, stellt sich die Frage: Wer kommt für die Folgekosten auf? Was ist, wenn der Einzug sich verzögert und der Bauherr eine Ersatzunterkunft mieten muss oder die Möbel eingelagert werden müssen? Das Materialbeschaffungsrisiko liegt beim Bauunternehmer beziehungsweise Handwerker. Dieser muss für ausreichend Material auf der Baustelle sorgen. Kommt es zu Verzögerungen, ist daher zu fragen, ob die Baufirma dies hätte voraussehen oder verhindern können. Hätte womöglich Material eingelagert werden müssen? Trifft den Handwerker ein Verschulden? Das ist ein Graubereich, der oft nicht einfach zu klären ist. Ein Problem kann es außerdem werden, wenn das Bauunternehmen durch die gestiegenen Kosten in eine finanzielle Schieflage gerät. Hier sollte man als Bauherr offen bleiben für Argumente der Firmen. Eine Pleite kann ja auch für Bauherren am Ende teuer werden. Worauf muss man achten, wenn man jetzt bald bauen will? Die hohen Baukosten schlagen in vielen Fällen auf den Angebotspreis durch. Die Unternehmen werden die höheren Ausgaben an die Kunden weitergeben. Für kommende Bauherren heißt das: zunächst Vergleichsangebote einholen und dann am besten einen Festpreis vereinbaren. Dann sind Sie zumindest vor weiteren Steigerungen erst einmal geschützt. Aber: Sinken die Preise wieder, profitiert der Bauunternehmer oder Handwerker. Denn auch das muss er nicht an den Kunden weitergeben. (baufi/dpa-tmn) Bauen & Finanzieren | Ausgabe 2021 27

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