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Bauen & Finanzieren 2020

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PLANUNG Foto: istock.adobe.com/alotofpeople Bevor der erste Schritt hin zum Wohneigentum getan wird, kann der Blick auf einige Rahmenbedingungen und Statistiken nicht schaden. Der Boden ist bereitet Deutschland erlebt einen beispiellosen Bau- und Immobilienkaufboom. Der beste Indikator dafür ist die Menge des Geldes, das in der Bundesrepublik jährlich von den Banken an die Bürger verliehen wird, damit diese Grundstücke plus Bauleistungen oder Bestandsimmobilien erwerben können. Im Jahr 2019 summierten sich dem „Handelsblatt“ zufolge die Darlehen, die privaten Käufer und Bauherren gewährt wurden, auf 263 Milliarden Euro. Der gesamte Baufinanzierungsbestand der Geldhäuser ist der Zeitung zufolge innerhalb von zehn Jahren um 36 Prozent auf insgesamt 1,3 Billionen Euro gewachsen. Ein Riesengeschäft für die Kreditgeber – aber eines, das es nicht geben würde, wenn die Republik nicht so nach Wohneigentum dürsten würde. Das Volk der Mieter möchte mehr Eigentum Die Deutschen tun derzeit sichtlich viel, um ihren Rückstand in Sachen Immobilieneigentum aufzuholen. Denn noch immer ist der Anteil derer, die zwischen Rügen und Schwarzwald in wirklich „eigenen“ vier Wänden wohnen, im europäischen Vergleich gering. Im Jahr 2019 lag ihr Anteil bei 51,4 Prozent. Zum Vergleich: Der Statistikbehörde Eurostat zufolge leben derzeit sieben von zehn Bürgern der EU in selbstgenutztem Wohneigentum. Insbesondere in den ehemaligen Ostblockstaaten sind die Quoten zum Teil noch viel höher: In der Slowakei und in Kroation etwa beträgt der Eigentümeranteil etwas über 90 Prozent. In Rumänien – Spitzenreiter in der EU – haben Mieter bei einer Eigentumsquote von 96,8 Prozent nur Exotenstatus. Ein wichtiger Grund für den geringen Eigentümeranteil in Deutschland ist die simple Tatsache, dass der Immobilienerwerb hierzulande vergleichsweise teuer ist – und auch nicht billiger wird. Im Jahr 2019 Jahr stiegen dem Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) zufolge die Immobilienpreise in Deutschlands Städten um 6,5 Prozent, 2018 waren es reichlich acht Prozent. Aber: Als Folge dieser Entwicklung klettern auch Mietpreise immer höher, besonders in den Ballungszentren. Und das wiederum lässt viele Menschen um so intensiver über den Kauf einer Wohnung oder eines Hauses nachdenken. Befördert wird die Entwicklung zusätzlich durch die seit Jahren sehr niedrigen Zinsen für Kredite. Seit dem Beginn der Bankenkrise im Spätsommer des Jahres 2008 sind welt- 6 Bauen & Finanzieren | Ausgabe 2020

PLANUNG weit so viele Finanzmittel in die Märkte gepumpt worden, dass das Leihen von Geld seitdem kontinuierlich billiger geworden ist – von einigen kleinen Ausreißern nach oben abgesehen. Und das sind nur die Argumente "pro Eigentum", die sich in nackten Zahlen ausdrücken lassen. Menschen sind aber keine Rechenmaschinen, und deshalb ist der Wunsch nach Wohneigentum auch von vielen Emotionen getrieben. Das Gefühl von Unabhängigkeit, das einem der eigene Grund und Boden signalisiert. Die Sicherheit eines Heims für sich und die Familie. Das Wissen, dass man seinen Kindern und Kindeskindern etwas Greifbares weitergeben kann. Und so weiter, und so fort. Fazit: Die Bundesbürger wollen bauen, die Bunddesbürger wollen kaufen. Und da die Gesamtsituation eher „Jetzt oder nie“ als „Abwarten“ sagt, lassen sie sich ihren Traum von der Eigentumswohnung oder der Doppelhaushälfte auch etwas kosten. Dabei geht mit steigenden Preisen und „billigen“Krediten offenbar auch ein steigendes Qualitätsbewusstsein einher. Drei Faktoren, die die „Finanzierungskurve“ in den letzten Jahren steil nach oben haben steigen lassen. Eine Erhebung des Kreditvermittlers Dr. Klein besagt, dass die durchschnittliche Darlehenssumme für eine Eigenheimfinanzierung allein zwischen Januar 2019 und Januar 2020 von 239.000 Euro auf 264.000 Euro gestiegen ist – also um satte 10,5 Prozent. Zum Vergleich: Noch im Januar 2014 hat sich der deutsche Baufinanzierer für seinen Wohntraum „nur" 156.000 Euro geliehen. Innerhalb von nur sechs Jahren hat es hier demnach eine Steigerung von fast 70 Prozent gegeben. Fast schon verdächtig viel. Das Geld wird mit ruhiger Hand verliehen Gibt es also in Deutschland eine Immobilienblase? Die überwiegende Mehrheit der Branchenteilnehmer und Experten sagt „nein“. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft nennt als Gründe für diese Einschätzung vor allem zwei Fakten: Erstens gab und gibt es im Land keine über den Bedarf hinausgehende Bautätigkeit. Zweitens vergeben die Banken hierzulande trotz der historisch niedrigen Zinsen Kredite an Häuslebauer und Wohnungskäufer immer mit der gebotenen Vorsicht. Wer viel Geld von der Bank bekommt, muss eben auch eine realistische Chance haben, es innerhalb eines überschaubaren Zeitraums an das Geldhaus zurückzuzahlen – das sagt eigentlich schon der gesunde Menschenverstand. Dass dieses Denken seitens der Banken in anderen Ländern häufig nicht an der Tagesordung war, zeigt das Beispiel der USA. Hier stiegen seit Anfang der 1990er-Jahre die Immobilienpreise, bis zur Mitte der 2000er-Jahre kannte die Kurve nur eine Richtung: nach oben, ohne auch nur den kleinsten Rücksetzer. Die Folge: Der lukrative Markt und der uramerikanische Optimismus verleiteten Kreditgeber dazu, immer höhere Summen an viel zu viele Menschen mit viel zu wenig Einkommen zu verleihen. Im Spätsommer 2007 begann dieses Kartenhaus aus riskanten Krediten einzustürzen, der Höhepunkt der Krise war der Zusammenbruch der Großbank Lehman Brothers ein Jahr später. Es folgten beträchtliche Erschütterungen der weltweiten Finanzmärkte, Milliardensummen für viele derer, die die Krise maßgeblich mitverursacht hatten – und eben auch der Beginn des großzügigen „Erschaffens“ von Geld durch die Zentralbanken, dessen Folge auch die bereits erwähnten Superniedrigzinsen für deutsche Immobilienkäufer sind. Jede Immobilie ist irgendwann abbezahlt Zusammengefasst kann man also sagen: Die Deutschen bauen und kaufen derzeit mit großer Lust in einem gesunden Markt, und sie geben mehr Geld als früher dafür aus. Auch deshalb, weil die Erträge aus risikoarmen Anlageformen aktuell nicht einmal die Inflation ausgleichen können. Bevor das Geld auf der Bank mit jedem Jahr weniger Kaufkraft hat, wird es lieber in Wohnraum investiert. Klingt vernünftig, ist vernünftig. Denn Geld, das in „Betongold“ fließt, ist ein Wert, von dem man in der Zukunft praktisch unbegrenzt zehren kann. Nicht umsonst hält die Mehrheit der Menschen in diesem Land Wohneigentum noch immer für die beste Form der Altersvorsorge. Aber: Trotz dieser positiven Einstellung zur eigenen Immobilie und trotz der überaus günstigen Rahmenbedingungen sollte sich niemand ohne reifliche Überlegung in ein Bauprojekt oder einen Kauf stürzen. Die folgenden Seiten möchten allen Haus- und Wohnungsbesitzern in spe dafür Denkanstöße und Planungshilfen an die Hand geben. Los geht`s! (baufi) Foto: istock.adobe.com/marcus_hofmann Bauen & Finanzieren | Ausgabe 2020 7

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