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Bauen & Finanzieren 2019

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PLANUNG 24

PLANUNG 24 Bauen & Finanzieren | Ausgabe 2019

PLANUNG erst dann, wenn die Inhalte zentral gespeichert sind und von Endgeräten überall im Haushalt abgerufen werden. Selbstverständlich bestehen zwischen diesen Teilaspekten immer mehr oder minder große Schnittmengen – schließlich reden wir bei Smart Home von umfassender Vernetzung so ziemlich aller Gerätschaften, die unser Leben im privaten Umfeld bequem, sicher, unterhaltsam und ressourcenbewusst machen können. Und wie öffne ich die Tür zur Welt des intelligenten Zuhauses? Helger Kretschmars Unternehmen hat die Erfahrung gemacht, dass die Mehrheit der Kunden „über den Sicherheitsaspekt“ in die Smart- Home-Welt eintritt. Also über Türschlösser, Sensoren für Fenster und Türen und Überwachungstechnik. Ist das Basis-Team kleiner Helferlein dann einmal angetreten, ist der Appetit des Konsumenten häufig geweckt, und es kommen andere vernetzungsfähige Komponenten ins Spiel. Wie kann so ein Basis-Team aussehen? Das hängt von Anzahl, Art und Qualität der Komponenten ab. „Einsteigerpaket“ ist kein geschützter Begriff, und deshalb bieten stationärer Handel und Internet auch eine Vielfalt von Anfänger-Lösungen an. Der Startschuss für mein schlaues Zuhause kann nur eine Steckdose sein, die ich via App ein- und ausschalten kann. Oder ein smarter Lautsprecher, der nicht nur drahtlos Musik überträgt, sondern mit dem ich auch kommunizieren und Geräten und Programmen Befehle geben kann – Amazon Echo, Google Home und Apple HomePod heißen die derzeit populärsten „Smart Speaker“ am Markt. Von da an ist so ziemlich alles möglich. Diplomingenieur Kretschmar rät Vernetzungs-Anfängern deshalb zunächst zu eingehender Beratung. „Die meisten Kunden sollten sich erst einmal die Frage ,Was will ich eigentlich?‘ stellen.“ Diese lasse sich am besten mithilfe eines Fachmanns beantworten, der im Gespräch auf Augenhöhe den Bedarf des Kunden ermittelt. Kretschmar empfiehlt hierbei sogar eine Honorarberatung, wie sie auch bei Geldanlageprodukten üblich ist. „Die Beratung zu Smart-Home-Lösungen ist umfangreich“, sagt Kretschmar, und kein Dienstleister könne es sich leisten, einem Kunden, der am Ende doch lieber im Internet kauft, viel Zeit zu widmen. Bei erteiltem Auftrag werde das Beratungshonorar üblicherweise anteilig mit dem Kaufpreis verrechnet. Vor dem Gespräch beim Händler kann es durchaus hilfreich sein, eine Suchmaschine mit den Begriffen „Smart Home“ plus „Anfänger“ oder „Einsteiger“ zu füttern und sich so einen ersten Überblick zu verschaffen. Smart-Home-Novizen sollten darauf achten, nicht gleich von vornherein die Komplettlösung anzustreben. „Wachse langsam“, sagt Helger Kretschmar oft zu seinen Kunden, „das Haus läuft nicht weg.“ Eine ruhige Hand beim Aufbau der Heimvernetzung empfiehlt sich auch deshalb, weil bei Produkten und technischen Standards noch viel im Fluss ist. Eine echte Normierung gibt es noch nicht, nicht alle am Markt befindlichen Produkte können miteinander kommunizieren. Aber: Die Hersteller sind sich dieser Tatsache bewusst, weshalb zahlreiche Smart-Home-Zentraleinheiten schon jetzt Multistandard-fähig sind und so die „Smart Home ist schlicht die Summe aller technischen Lösungen, die das Leben in der eigenen Wohnung spürbar besser werden lassen. „Sprachen“ von Komponenten unterschiedlicher Hersteller problemlos verstehen können. Grundsätzlich gesehen wird sich der Markt in den kommenden Jahren mehr und mehr „zurechtrütteln“, neue Lösungen werden kommen, weniger praktikable werden gehen. Verbindliche Standards bis hin zu DIN-Normen werden das Geschehen ordnen, im Interesse der Industrie wie auch der Verbraucher. Zum jetzigen Zeitpunkt kann man konstatieren, dass sich die Frage „Hat Smart Home eine Zukunft?“ schon längst nicht mehr stellt. Erstens, weil der Markt über seine experimentellen Zeiten längst hinaus ist und dem Verbraucher schon jetzt ein riesiges Angebot von ausgereiften – und für den Normalverbraucher erschwinglichen – Hard- und Software-Lösungen zur Verfügung steht. Zweitens: Warum sollte die immer weiter fortschreitende Digitalisierung ausgerechnet vor der Sphäre, in der wir nun mal den größten Teil unseres Lebens verbringen, haltmachen? Drittens: Der Mensch ist, wie er ist. Wenn er die Chance hat, sich zu vertretbaren Kosten von einem Gerät oder einer Technologie Arbeit abnehmen zu lassen, dann wird er sie nutzen. Dass das Thema Smart Home bei vielen Verbrauchern „auf dem Zettel“ ist, zeigt eine Studie des Consulting-Unternehmens Deloitte aus dem Jahr 2018. Der Erhebung zufolge besitzen schon jetzt 14 Prozent der deutschen Haushalte einen auf Smart-Home-Anwendungen vorbereiteten Mediaserver, 13 Prozent einen smarten Lautsprecher und sechs Prozent ein smartes Reinigungsgerät. Fünf Prozent der Haushalte besaßen mindestens ein anderes smartes Gerät. Je nach „14 Prozent der deutschen Haushalte besitzen schon jetzt einen auf Smart-Home-Anwendungen vorbereiteten Mediaserver. Art des abgefragten Produktes konnten sich 20 bis 30 Prozent der Befragten eine Anschaffung in der näheren Zukunft vorstellen. Die Umfrage ergab auch, dass 87 Prozent der Befragten, die bereits smarte Produkte nutzen, das gern und vor allem regelmäßig tun – Vorboten einer kommenden Normalität der Integration von Assistenzsystemen in unser aller Leben. Beim Stichwort „Assistenz“ kommt ein Aspekt ins Spiel, der der zunehmenden Verbreitung von Smart-Home-Lösungen zusätzliche Dynamik geben wird: die Alterung unserer Gesellschaft. Schon jetzt sind etwa 20 Prozent der Menschen in unserem Land 65 Jahre oder älter, im Jahr 2030 werden es etwa 30 Prozent sein. Ein immer größerer Anteil dieser älteren Deutschen wünscht sich, möglichst lange selbstbestimmt, komfortabel und sicher in ihrem Zuhause leben zu können. Höhenverstellbare Möbel, selbstöffnende Türen, Notrufknöpfe und automatisch arbeitende Haushaltsgeräte können dabei helfen, genauso wie Sensoren, die beispielsweise beim Berühren bestimmter Griffe regelmäßig Blutdruck und Puls messen und die solche Daten direkt an den Hausarzt weiterleiten. Jedoch: Jeder Komfort, den uns Maschinen bringen, birgt auch Gefahren. Was im Haushalt „smart“ arbeitet, ist meist auch mit dem Internet verbunden. Damit öffnen sich Kriminellen und Datendieben ungeahnte Möglichkeiten für das Ausspionieren, Manipulieren und – im schlimmsten Fall – unmittelbare Gefährden unseres Lebens. Benutzer sollten also immer abwägen, welche Hard-und Software sie wirklich brauchen, und wie viel davon überhaupt mit dem Internet verbunden werden muss. Denn es existieren sehr wohl Smart-Home-Lösungen, bei denen Gerätesteuerung und Datenspeicherung unabhängig vom „großen“ Netz funktionieren. Fazit: Wer die ersten Schritte in die Welt des smarten Lebens in den eigenen vier Wänden gehen will, sollte zunächst seine Lebenssituation nüchtern betrachten. Dann sollte er sich fragen: Welche Produkte können zukünftig wirklich meinen Alltag verbessern (und werden nicht nur mein Geld verschwenden)? Wie kann ich diese Produkte nutzen, ohne zu viel von mir preiszugeben oder mich sogar zu gefährden? Und wie bleibt mein persönliches Gadget-Reich ausbau- und zukunftsfähig? Denn am Ende sollte der Mensch immer etwas smarter sein als die Technik, mit der er sich umgibt. (Axel Nörkau) Bauen & Finanzieren | Ausgabe 2019 25

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