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Azubi-Beilage | 10/2021

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22 AUSBILDUNG –LEHRE

22 AUSBILDUNG –LEHRE |BERUF |STUDIUM Vonkleinen Zellenund großen Hoffnungen Wiedas Immunsystemdabeihelfen kann,unheilbare Krankheitenzu besiegen, und wiejunge Menschen diesenProzess aktiv mitgestalten. Leandra Kost beugt sich über den Metall-Behälter und öffnet ihn vorsichtig. An ihren Händen trägt sie dick gepolsterte, rosa Handschuhe. Der fl üssige Stickstoff dampft heraus und Leandra greift nach einer Palette mit weiß gefrorenen Röhrchen. „Dies sind Immunzellen. Damit können wir die Arbeit der Makrophagen näher erforschen“, erläutert die 19-Jährige. Sie ist eine von sieben jungen Menschen, die imZentrum für Regenerative TherapienDresden (CRTD)ein Freiwilliges Soziales Jahr imwissenschaftlichen Bereich absolviert haben. Makrophagen, auch Riesenfresszellen genannt, standen in Leandras Forschungsgruppe dabei im Mittelpunkt. Ebenso die Stammzellenforschung. „Besonders viel Spaß haben mir die Zellfunktionstests gemacht. Dabei habe ich geschaut, wie genau die Makrophagen arbeiten, wie sie beispielsweise Fremdstoffe aufnehmen.“ Diese Fremdstoffe können Krankheitserreger ebenso wie Krebszellen sein. Auch bei der Gesunderhaltung und Regeneration von Gewebe spielen Makrophagen eine wichtige Rolle. „Bei meinen Untersuchungen habe ich beispielsweise analysiert, inwieweit Makrophagen in der Lage sind, sich an anderes Gewebe anzupassen“, erläutert Leandra. ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ Leandra Kost(rechts)und Michaela Burkon arbeitenamCRTD unteranderemmit Zellen aus verschiedenen Geweben. Foto: SteffenUnger All das geschieht in der Petrischale beziehungsweise im Reagenzglas. Empfindlich darf man dabei nicht sein, denn dazu gehört auch die Arbeit an konservierten Organen oder Gewebeproben, um beispielsweise genetische Variationen und Mutationenzuanalysieren. Internationale Forschungzum Wohle des Menschen „Man wird selbstständigerund lernt fürs Leben.“ „Zielunserer Arbeit hierist es,bessere Einblicke in bislang unheilbare Krankheiten zu erhalten, um neue Behandlungsansätze entwickeln zu können“, verdeutlicht Michaela Burkon. Sie ist Technische Assistentin und hat Leandra Kost während desFSJ fachlich angeleitet. Gemeinsam mit ihren Kollegen der anderen Forschungsgruppen arbeitet die 38-Jährige aber nicht nur amfachlichen Wissen der Freiwilligen. „Wir ermunternunsere FSJlerzuselbstständigem Arbeiten. Das ist imForschungsbereich unerlässlich“, so MichaelaBurkon. Mitarbeiter ausüber 30 Nationen kommen amCRTD zusammen. „Man hat hier die Chance so viel über verschiedenste Kulturen zu lernen, mit den unterschiedlichsten Menschen inKontakt zutreten, da kommt quasi die ganze Welt in einem Labor zusammen“, sagt MichaelaBurkon. Das war für Leandra zu Beginn des FSJ eine besondere Herausforderung. Sie erinnert sich noch gut andie ersten Wochen, als sie bei Projektvorstellungen der anderen Mitarbeiter noch nicht so viel verstanden hatte. „Das war alles inEnglisch. Davor hatteich großen Respekt. Es hateineWeile gedauert, aber je öfter man diese Sachen hört, ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ Freiwilliges SozialesJahr Bei einem FreiwilligenSozialen Jahr(FSJ) helfen jungeErwachsene zwischen16und 27Jahrenineiner sozialen Einrichtung. 3 Angebot zur Bildung und Orientierung 3 Gesetzliche Sozialversicherungsbeiträge 3 DerAnspruchauf Kindergeld bleibtinder Regel erhalten 3 Kostenfreie Bildungsseminare mit Zertifikat 3 Urlaubstage 3 Taschengeld 3 Qualifiziertes Zeugnis 3 Anerkennungder FSJ-Zeit für Studium undAusbildung möglich ------------------------------------------ DasFSJ am CRTD beginntnormalerweise am 1. September eines Jahres und dauert in der Regel zwölf Monate.Das FSJ wird gefördertaus Haushaltsmitteln desLandesSachsen. Wer sich fürein Freiwilliges Soziales JahrimCRTD interessiert, kann sichbis 30.April beim DRK bewerben: Deutsches Rotes Kreuz LandesverbandSachsen e.V. Maria Hille Bremer Straße 10d 01067 Dresden Telefon: 0351 4678142 E-Mail: m.hille@drksachsen.de Weitere Informationen gibt es auch aufder Webseitedes CRTD: https://tu-dresden.de/ cmcb/crtd oder beiJudithdel Mestre E-Mail: judith.del_mestre@ tu-dresen.de Telefon: 0351 45882056 ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ DasDeutsche Rote Kreuz als Träger des FSJ begleitet diejungen Menschenpädagogisch. Foto: SteffenUnger

AUSBILDUNG –LEHRE |BERUF |STUDIUM 23 desto schneller lernt man sie.“ Leandra war klar, dass sie an Englisch nicht vorbeikommen würde, wenn sie später im Bereich Biologie arbeiten will. „Aber wir haben auch mit den Kollegen nach Feierabend etwas zusammen gemacht.Das war wichtig für mich, damit ich dort aus mir herauskommenund meinEnglisch verbessern konnte.“ Praktisches ArbeitenimLaborund pädagogische Seminare Für das FSJ hat sich Leandra ganz bewusst entschieden. „Ich wollte nachdem Abitur das Arbeitsleben kennenlernen und schauen, ob der biologische Bereich meine Zukunft ist“, sagt die 19-Jährige.Umdas herauszufi nden, schien ihrein zweiwöchiges Praktikum beispielsweise im Labor zu wenig. Leandras Mutter waresschließlich, dieauf das FSJ am CRTD aufmerksam wurde. Deutschlandweit gibt es nur sehr wenige Einsatzstellen, die einen wissenschaftlichen Hintergrund im Freiwilligen Sozialen Jahr bieten. „Die Idee dazu kam uns 2016“, berichtet Judith delMestre, Personalreferentin am CRTD.Gemeinsam mitdem Landesverband Sachsen e.V. des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wurde diese Idee weiterentwickelt und mit drei FSJ-Plätzen in die Tat umgesetzt. Heute sind es bis zu sieben Plätze, diezur Verfügungstehen. „Damit versuchen wir, eine Brücke zwischen Wissenschaft undsozialemEngagement zu bauen, denn auch am CRTD steht der Mensch imMittelpunkt, nur aus anderer Perspektive“, sagt Maria Hille vom DRK Landesverband Sachsen e.V. Freiwillige können hier ihre sozialen Kompetenzen weiterentwickeln sowie die verschiedenen Berufsmöglichkeiten in Wissenschaft und Forschung kennenlernen. „Bei uns geht es darum, neue Therapien für bislang nicht heilbare Krankheiten zu erforschen. Das ist ein Thema, das einen großen Einfl uss auf die Gesellschaft der Zukunft hat, dasvon der Gesellschaft mitgetragen werden muss. Da ist eswichtig, dass geradejunge Menschenfundierte Einblicke undInformationen für sich und ihr Umfeld bekommen“, so Judith delMestre. Zu LeandrasArbeitgehört auch dieHerstellungvon Puffernund Lösungen. Dabei kommt es vor allen Dingen aufGenauigkeitan. Foto:SteffenUnger Während des Freiwilligen Sozialen Jahres werden diejungen Erwachsenen vomDRK pädagogischbegleitet. Neben der Betreuung durch Sozialpädagogen stehen insgesamt25Seminartage aufdem Programm.DabeigehtesumThemenwie Erkrankungen im Alter, Erste Hilfe am Kind, interkulturelle Kommunikation oder Hintergründe von Sucht. „Durch den Austausch mit den anderen Freiwilligen erhalten die FSJler zudem weitere Einblicke in verschiedenste soziale Bereiche“, so Maria Hille. Auch Hospitationen beispielsweise im Pfl ege- oder Seniorenheim „Clara Zetkin“ gehören normalerweise dazu,musstenallerdings in denvergangenen zwei Jahrenpandemiebedingt ausfallen. Arbeit, die einenprägtund bei der man sich weiterentwickelt Die Arbeit amCRTD hat Leandra merklich Spaß gemacht. Sie berichtet von Zellkulturen, Genotypisierung und Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zur Vervielfältigung von DNA, sie spricht über wild types (Wildtypen) und Mutanten und über ihren Umgang mit Gewebeproben. „Es ist etwas ganz Anderes als inder Schule. Man wird selbstständiger und lernt fürs Leben“, sagt die 19-Jährige. Als ein Beispiel nennt sie den Umgang mit Fehlern. „Das war für mich am Anfang ganz schlimm, wenn ich etwas falsch gemacht hatte, denn ich wusste, dass dasteuer ist. Doch ich habe gelernt, damit umzugehen.“ Sicherlich auch dank der Begleitung durch Michaela Burkon, deren Motto lautet „Großartige Forschung braucht coole Ideen, Geduld und ein paar Fehler.“ DasFSJ hatLeandrasPersönlichkeit aufjeden Fall geformt, wie sie selbstsagt, undinihrer Entscheidung bestärkt. Siebeginnt nunein Biologie-Studium in Bayreuth. S. Rödel ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ Zentrum für RegenerativeTherapien Dresden (CRTD) DasZentrum fürRegenerative Therapien Dresden(CRTD) istein international anerkanntes Forschungsinstitut undTeil desCenterfor Molecularand CellularBioengineering derTechnischenUniversität Dresden. Rund250 Mitarbeiter(innen) arbeiten hier in 21 Forschungsgruppen.Zielder Forschungen istes, neue Behandlungsmöglichkeiten fürneurodegenerative Erkrankungen wieAlzheimerund Parkinson, fürhämatologische Krankheitenwie Leukämie, fürStoffwechselerkrankungen wieDiabetessowie für Knochenerkrankungenzu finden. Mitdiesen Forschungsschwerpunktenbefindet sich das CRTD an derSchnittstellezwischenbiologischerGrundlagenforschung und klinischer Anwendung. Gegründet wurdedas CRTD 2006 alsForschungszentrum derDeutschenForschungsgemeinschaft. Im selben Jahrwurdeesdas erste ExzellenzclusterOstdeutschlands. Im Jahr2019wurdedas CRTD mitMitteln der TU Dresden und desFreistaatesSachsenübernommen. ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■

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